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Achtzigjähriger Krieg

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Inhalt
  1. (Nach oben)
  2. Hintergrund und Ursprünge
  3. Eskalation der Spannungen: 1555–1566
  4. Repression und Invasion: 1567–1572
  5. Der Aufstand breitet sich aus: 1572–1576
  6. Der allgemeine Aufstand und der innere Bruch: 1576–1579
  7. Abspaltung und spanische Rückeroberung: 1579–1588
  8. Die Zehn Jahre und die republikanische Gegenoffensive: 1588–1598
  9. Patt-Situation und der Zwölfjährige Waffenstillstand: 1599–1621
  10. Die Endphase: 1621–1648
  11. Globaler Kolonialkonflikt
  12. Der Friede von Münster: 1648
  13. Nachwirkungen und historische Bedeutung
  14. Historiographie
  15. Literatur und Quellen
Achtzigjähriger Krieg
Achtzigjähriger Krieg
Datum1566/1568 – 30. Januar / 15. Mai 1648
OrtNiederlande, Atlantischer Ozean, Nordsee, Ärmelkanal, Karibik und überseeische Kolonialschauplätze
ErgebnisFrieden von Münster; niederländischer Sieg und spanische Anerkennung der Republik der Vereinigten Niederlande; Spanische Niederlande verbleiben bei Spanien
Territoriale ÄnderungenDauerhafte Teilung der Siebenzehn Provinzen in die unabhängige Republik der Vereinigten Niederlande und die Spanischen Niederlande; niederländische Annexion der Generalitätslande
Kriegsparteien (Nördliche Allianz)Vereinigte Provinzen (Niederländische Republik), Königreich England, Königreich Frankreich, deutsche protestantische Staaten
Kriegsparteien (Habsburgische Allianz)Spanisches Weltreich, Spanische Niederlande (Royalisten), Heiliges Römisches Reich, Königreich Portugal (1580–1640)
Befehlshaber (Nördliche Allianz)Wilhelm der Schweigende, Moritz von Oranien, Frederik Hendrik, Wilhelm Ludwig von Nassau-Dillenburg, Maarten Tromp
Befehlshaber (Habsburgische Allianz)Philipp II., Philipp III., Philipp IV., Herzog von Alba, Don Juan de Austria, Alexander Farnese, Ambrogio Spinola, Kardinal-Infant Ferdinand

Der Achtzigjährige Krieg (ca. 1566/1568–1648) oder der Niederländische Aufstand war ein bewaffneter Konflikt in den habsburgischen Niederlanden zwischen aufständischen Provinzen und dem spanischen Weltreich. Ausgelöst durch religiöse Missstände, administrative Zentralisierung und steuerliche Belastungen spaltete der Aufstand die Niederlande in einen treuen, katholischen Süden und einen unabhängigen, weitgehend protestantischen Norden. Unter der anfänglichen Führung Wilhelms des Schweigenden (William the Silent) erklärten die nördlichen Provinzen 1581 ihre Unabhängigkeit und gründeten 1588 die Republik der Sieben Vereinigten Niederlande. Der Kampf endete 1648 mit dem Westfälischen Frieden bzw. dem Frieden von Münster, der die Niederlande dauerhaft teilte und die niederländische Unabhängigkeit anerkannte.

Hintergrund und Ursprünge

Die Ursprünge des Achtzigjährigen Krieges sind komplex und werden von Historikern seit Jahrhunderten kontrovers diskutiert.[1] Unter den Herzögen von Burgund wurden im 14. und 15. Jahrhundert verschiedene Lehen des Heiligen Römischen Reiches und des Königreichs Frankreich durch dynastische Heiraten, Käufe und militärische Eroberungen in einer Personalunion zusammengefasst.[2] Karl der Kühne, der letzte burgundische Herzog, hinterließ seine Länder seiner Tochter, und sie wurden von ihrem Ehemann, dem späteren Kaiser Maximilian I., geerbt.[3] Im Jahr 1506 erbte deren Enkel Karl von Gent diese Gebiete und wurde 1516 König von Kastilien und Aragón sowie 1519 als Karl V. römisch-deutscher Kaiser.[4][5] Karl wurde in Gent geboren und in Mechelen aufgezogen; er sprach neben Spanisch auch Französisch und Niederländisch und wurde von der lokalen Bevölkerung weitgehend als einheimischer Fürst angesehen.[3] Karl V. vereinte die Siebenzehn Provinzen der Niederlande unter habsburgischer Herrschaft.[2][3]

Karl V. bemühte sich, diese Länder geeint und unteilbar zu machen.[6] Darauf folgte die Pragmatische Sanktion von 1549, die ein einheitliches Erbfolgerecht einführte, das sicherstellte, dass die siebzehn Provinzen von seinen dynastischen Nachfolgern immer als unteilbares Ganzes geerbt werden würden.[6] Trotz dieses konstitutionellen Rahmens wiesen die Niederlande nur wenig interne Einheit auf. Um 1500 existierten etwa zwanzig verschiedene territoriale Gerichtsbarkeiten, die jeweils eifersüchtig ihre historischen Freiheitsbriefe, Gewohnheitsrechte und politischen Institutionen hüteten.[2][7] Die Einwohner empfanden primär Loyalität gegenüber ihrer Heimatstadt, ihrer Herrschaft oder ihrer Provinz statt gegenüber einem geeinten niederländischen Staat.[2][8]

Ein Statthalter (niederländisch: stadhouder) war der Statthalter des Landesherrn in einer Provinz.[9] Die Provinzialstände, bestehend aus Vertretern des Klerus, des Adels und der mit Privilegien versehenen Städte, hüteten eifersüchtig ihre Freiheiten, zu denen auch das grundlegende Vorrecht gehörte, allen Steuern durch Petitionen (niederländisch: beden) zuzustimmen.[7][10] Im Jahr 1531 richtete Karl V. in Brüssel die Kollegialräte ein, bestehend aus dem Staatsrat, dem Geheimen Rat und dem Finanzrat, um die administrative, judizielle und fiskalische Politik zu zentralisieren.[11] Er ersetzte in Städten wie Utrecht im Jahr 1528 die Zunft- und städtische Gemeindeautonomie durch königliche Beamte und errichtete die Vredenburg-Burg, von der aus er die Stadtbevölkerung kontrollieren konnte.[12]

Wirtschaftliche Faktoren verstärkten die allgemeine Unzufriedenheit in den Niederlanden. Als Handels-, Produktions- und Finanzzentrum Nordeuropas gehörten die Niederlande, insbesondere die Grafschaft Flandern und das Herzogtum Brabant, zu den reichsten Regionen der Welt.[13][14] Die Metropole Antwerpen, die mit den Handelsrouten von Lissabon und Sevilla verbunden war, war bis zu den 1550er Jahren auf fast 90.000 Einwohner angewachsen und beherbergte die obersten Waren- und Finanzbörsen Europas.[14][15] Die Italienischen Kriege gegen Frankreich wurden eher von den Siebenzehn Provinzen als von Spanien finanziert. Die habsburgischen Kriege gegen Frankreich, das Osmanische Reich und die Protestanten innerhalb des Reiches erforderten große Summen, und die reichen Niederlande wurden mit einer schweren Steuerlast belegt.[16][17][18] Zwischen 1552 und 1556 stiegen die Kreditzinsen an der Antwerpener Börse auf 48,8 Prozent, was die kommerzielle Stabilität untergrub. Die Stadtbevölkerung und die Handelselite ärgerten sich zunehmend darüber, ferne imperiale Konflikte zu finanzieren, die den Seehandel mit Handelspartnern wie England und Frankreich störten.[16][18]

Der religiöse Konflikt eskalierte rasch nach dem Aufkommen der protestantischen Reformation in Deutschland im Jahr 1517. Lutherische Ideen verbreiteten sich über urbane Zentren wie Antwerpen und Tournai, gefolgt vom Täufertum in den 1520er Jahren, das vor allem unter verarmten Textilarbeitern im flämischen Westquartier, insbesondere in Hondshoote, Menen und Ypern, großen Zuspruch fand.[19] Der täuferische Radikalismus erlitt nach dem Täuferreich von Münster 1534–1535 eine schwere staatliche Repression, wonach die niederländischen Täufer unter Menno Simons pazifistische Lehren annahmen.[19] Ab den 1540er Jahren breitete sich der Calvinismus rasch von Frankreich in die frankophonen südlichen Industriestädte Tournai, Valenciennes und Lille aus, bevor er in unterirdische Gemeinschaften (bekannt als Kirchen unter dem Kreuz) in Antwerpen, Gent und Brüssel vordrang und in die nördlichen Handelsprovinzen zog.[20] Karl V. erließ zwischen 1520 und 1550 dreizehn strenge Ketzerpatente, die im Blutplakat (niederländisch: Bloedplakkaat) von 1550 gipfelten, welches die Todesstrafe und den Einzug des Vermögens für das Drucken, den Besitz oder das Diskutieren protestantischer Schriften, die Teilnahme an unerlaubten Versammlungen oder die Beherbergung von Abweichlern anordnete.[21][22][23] Eine imperiale Inquisition arbeitete neben städtischen Gerichten, angeführt von eifrigen Inquisitoren wie Pieter Titelmans in Flandern, was zwischen 1523 und 1566 zu schätzungsweise 1.000 bis 1.500 Hinrichtungen wegen Ketzerei führte.[24][25]

Eskalation der Spannungen: 1555–1566

Im Oktober 1555 dankte Karl V. in Brüssel zugunsten seines achtundzwanzigjährigen Sohnes Philipp II. von Spanien als Landesherr der Niederlande ab, gefolgt von der Abtretung der spanischen Reiche im Januar 1556.[9] Philipp II. war vollständig in Spanien erzogen worden und sprach weder Französisch noch Niederländisch, weshalb er auf seine niederländischen Untertanen fremd und autokratisch wirkte.[26][27] Anders als sein Vater war Philipp ein eifriger Verfechter starrer Gegenreformations-Orthodoxie und des königlichen Absolutismus.[26] Nach dem Frieden von Cateau-Cambrésis im April 1559, der die Italienischen Kriege beendete, verließ Philipp im August 1559 die Niederlande Richtung Madrid, um nie wieder zurückzukehren.[9] Er ernannte seine Halbschwester Margareta von Parma, eine uneheliche Tochter Karls V., die in den Niederlanden geboren und aufgewachsen war, zur Generalstatthalterin.[9] Philipp setzte Antoine Perrenot de Granvelle an die Spitze des Staatsrates.[5]

Der niederländische Widerstand kristallisierte sich um drei prominente Große, die im Staatsrat saßen: Wilhelm den Schweigenden, Prinz von Oranien; Lamoral, Graf von Egmont; und Philippe de Montmorency, Graf von Hoorn.[9] Spannungen entzündeten sich an der Anwesenheit von etwa 3.000 spanischen Besatzungssoldaten, deren Unterhalt durch lokale Steuern finanziert wurde und deren gewalttätiges Verhalten die Bevölkerung entfremdete.[28][29] Oranien und Egmont drohten mit ihrem Rücktritt aus dem Staatsrat, falls die Truppen nicht evakuiert würden; angesichts der einhelligen Haltung der Provinzen berief Philipp die Besatzung schließlich im Januar 1561 ab.[29][30] Gleichzeitig erließ Papst Paul IV. am 12. Mai 1559 die Bulle Super Universas, mit der die Kirchenhierarchie von drei weitläufigen ausländischen Bistümern in achtzehn neue niederländische Bistümer unter der Leitung von drei Erzbistümern in Cambrai, Mechelen und Utrecht umorganisiert wurde.[31][32] Granvelle wurde zum Erzbischof von Mechelen und Primas der Niederlande ernannt und 1 neuesten zum Kardinal erhoben.[32] Der lokale Adel sah in den neuen Bistümern ein Instrument direkt königlicher Zentralisierung und Inquisitionskontrolle, während Äbte und Adlige die Umleitung von Klosterseinkünften zu deren Finanzierung ablehnten.[33] Oranien, Egmont und Hoorn bildeten die Liga gegen Granvelle und boykottierten die Ratssitzungen, bis Philipp im März 1564 der Abberufung Granvelles zustimmte.[9]

Die Absetzung Granvelles minderte weder die religiösen noch die politischen Beschwerden. Während die Großen religiösen Frieden und Gewissensfreiheit anstrebten, um die soziale Ordnung zu wahren, blieb Philipp unnachgiebig.[9] Als Graf Egmont Anfang 1565 nach Madrid reiste, um eine Milderung der Ketzergesetze zu erwirken, empfing Philipp ihn herzlich, bekräftigte jedoch privat seine absolutistischen religiösen Verpflichtungen. In seinen Briefen aus dem Wald von Segovia vom Oktober 1565 befahl Philipp, die Ketzerpatente gnadenlos auszuführen, die Inquisitoren mit äußerster Härte vorgehen zu lassen und die Beschlüsse des Konzils von Trient im ganzen Land zu veröffentlichen.[9][34] Unterdessen erreichte die sozioökonomische Not einen Siedepunkt. Der außergewöhnlich harte Winter von 1564–1565, gefolgt von der misslungenen Getreideernte von 1565 und der Störung der Ostseeschifffahrt durch den Dänisch-Schwedischen Nordischen Krieg über den Öresund, führte zu schweren Lebensmittelknappheiten, Hyperinflation und verbreitetem städtischen Hungersnot während des Hungerwinters von 1565–1566.[35][36]

Als Reaktion auf die königlichen Erlasse schlossen sich niedere Adlige Ende 1565 zum Adelspakt (niederländisch: Eedverbond der Edelen) zusammen, angeführt von Ludwig von Nassau (Oraniens jünger Bruder), Hendrik van Brederode und Philips van Marnix, Herr von Saint-Aldegonde.[37][38][39] Am 5. April 1566 führte Brederode etwa drei- bis vierhundert konföderierte Adlige zum Coudenberg-Palast in Brüssel, um Margareta von Parma eine formelle Petition (niederländisch: Smeekschrift) zu überreichen, in der sie angefleht wurde, die Inquisition auszusetzen und die Strafgesetze gegen Protestanten zu mildern.[37][39][40] Während der Audienz bemerkte der königliche Ratsmitglied Charles de Berlaymont berühmt zu der besorgten Regentin: „N'ayez pas peur Madame, ce ne sont que des gueux“ (Habt keine Angst, Madame, das sind nur Bettler).[37][41][42] Die Bittsteller nahmen die Beleidigung als Ehrenzeichen an und nannten sich fortan die Geusen (niederländisch: Geuzen, französisch: Gueux), wobei sie hölzerne Bettelschalen, Flaschen und Geuzenpfennige als Abzeichen trugen.[37][41][42] Margareta stimmte zu, die Edle vorläufig auszusetzen, entsandte Gesandte nach Spanien und löste damit eine rasche Eskalation des öffentlichen protestantischen Gottesdienstes in den Provinzen aus.[37][43][44]

Ermutigt durch die Aussetzung der Verfolgung versammelten sich im Frühjahr und Sommer 1566 Tausende Protestanten außerhalb der Stadtmauern, um von radikalen calvinistischen Predigern gehaltenen Unter-freiem-Himmel-Predigten (niederländisch: hagenpreken) beizuwohnen.[37] Der aufgestaute religiöse Eifer und die wirtschaftliche Verzweiflung brachen im August 1566 mit dem Beeldenstorm (Bildersturm) in gewaltsamen Aufruhr aus.[9][37][45] Die Zerstörungen begannen am 10. August 1566 im Kloster St. Laurentius in Steenvoorde im flämischen Westquartier, angeführt von Textilarbeitern, die von dem Prediger Sebastiaan Matte aufgestachelt worden waren.[45][46] Binnen weniger Tage zogen Scharen von Bilderstürmern von Kirche zu Kirche und zerschlugen Heiligenstatuen, Altäre, Kruzifixe, Orgeln und liturgische Schätze, die sie als götzendienerische Blasphemie verurteilten.[46][47] Am 20. August plünderten die Bilderstürmer die Liebfrauenkathedrale in Antwerpen, breiteten sich über Brabant, Flandern, Holland, Seeland, Utrecht und Groningen aus und verschonten lediglich Regionen mit winzigen protestantischen Minderheiten wie Namur, Artois und Luxemburg sowie Brüssel, wo Margareta herzogliche Garden stationierte.[46][48][49][50] Entsetzt über den Vandalismus verurteilten moderate Große wie Oranien und Egmont die Gewalt öffentlich, doch am 23. August sah sich Margareta von Parma gezwungen, in bestimmten calvinistischen Orten vorübergehende Religionsfreiheit im Austausch für die Befriedung der Städte zu gewähren.[51]

Der bewaffnete Konflikt begann Ende 1566, als Regierungstruppen gegen Rebellennester vorgingen. Margareta von Parma sammelte katholische loyalistische Räte, darunter Mansfeld, Aerschot, Berlaymont und Meghem, und stellte eine Armee auf, um den bewaffneten protestantischen Widerstand im wallonischen Flandern zu zerschlagen.[52][53] Im Dezember 1566 belagerten königliche Streitkräfte Valenciennes, dessen calvinistische Führung sich geweigert hatte, eine königliche Garnison aufzunehmen.[52] Eine von den Geusen aufgestellte Rebellenarmee versuchte, Valenciennes zu entsetzen, wurde jedoch am 13. März 1567 von Philip de Lannoy, Herr von Beauvoir, in der Schlacht von Oosterweel vor den Toren Antwerpens völlig vernichtet.[52] Wilhelm von Oranien, der als Burggraf von Antwerpen amtierte, verriegelte die Stadttore, um zu verhindern, dass lokale Calvinisten hinausstürzten, um sich dem Gemetzel anzuschließen, und bewahrte so unter politischen Risiken die Ordnung.[54] Valenciennes kapitulierte zehn Tage später, und seine Rebellenführer, darunter Guy de Brès, wurden gehängt.[52] Während Egmont und Hoorn ihren Treueid gegenüber Margareta erneuerten, flohen Oranien, Brederode und Tausende andere im April 1567 ins Ausland nach Deutschland, was zu einer vorübergehenden Wiederherstellung der Regierungskontrolle führte.[55]

Repression und Invasion: 1567–1572

Nachdem Philipp II. von dem Beeldenstorm erfahren hatte, beschloss er eine harte militärische Vergeltung. Im Mai 1567 entsandte er Fernando Álvarez de Toledo, 3. Herzog von Alba, mit einer aus 10.000 spanischen und italienischen Infanteristen bestehenden Veteranenarmee über den Spanischen Weg von der Lombardei durch Savoyen und Lothringen in die Niederlande.[56][57] Als Alba am 22. August 1567 in Brüssel eintraf, entband er Margareta von Parma von ihren Aufgaben; sie trat im September aus Protest zurück.[56][58] Am 5. September 1567 richtete Alba ein außerordentliches Tribunal ein, den Rat der Unruhen (niederländisch: Raad van Beroerten), in den Niederlanden gemeinhin als Blutrat (niederländisch: Bloedraad) bekannt.[56][58] Der Rat untersuchte, verurteilte und konfiszierte systematisch die Vermögen von Personen, die in die Ausschreitungen verwickelt oder des Verrats bezichtigt waren.[56] Im Laufe von Albas Regime wurden schätzungsweise 1.100 Menschen offiziell hingerichtet und fast 9.000 verbannt und ihrer Güter beraubt, darunter Wilhelm von Oranien.[56][59] Am 9. September 1567 ließ Alba die Grafen von Egmont und Hoorn unter dem Vorwand von Konsultationen festnehmen; trotz ihres treuen katholischen Dienstes und ihrer Mitgliedschaft im Orden vom Goldenen Vlies wurden beide wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und am 5. Juni 1568 auf dem Großen Markt in Brüssel öffentlich enthauptet.[56][58] Aus Angst vor den Tribunalen flohen schätzungsweise 60.000 Niederländer ins Ausland nach England, Deutschland und Frankreich.[60][61]

Von seinem Exil in Dillenburg in der Grafschaft Nassau aus organisierte Wilhelm von Oranien eine bewaffnete Gegenoffensive, die durch persönliche Familienmittel und Beiträge protestantischer Exilanten finanziert wurde.[62] Wilhelm entwarf im Frühjahr 1568 einen mehrgleisigen Invasionsplan zur Befreiung der Niederlande: Eine südliche Truppe aus französischen Hugenotten sollte in Artois einfallen, eine zentrale Kolonne unter Joost de Soete, Herr von Villers, sollte die Maas in Richtung Roermond überqueren, und eine nördliche Truppe unter seinen Brüdern Ludwig und Adolf von Nassau sollte in Friesland und Groningen zuschlagen.[62] Der Feldzug begann im Süden und im Zentrum mit einer Katastrophe: Die Hugenotten wurden früh abgefangen, und am 25. April 1568 wurde Villers in der Schlacht von Dalheim bei Erkelenz von spanischer Kavallerie unter Sancho d'Avila und Sancho de Londoño geschlagen.[62] Im Norden errangen Ludwig und Adolf am 23. Mai 1568 in der Schlacht von Heiligerlee einen Sieg, indem sie die royalistischen Streitkräfte von Graf Jean de Ligne in einen Hinterhalt lockten, obwohl Adolf im Kampf fiel.[62] Heiligerlee gilt traditionell als der formelle Beginn des Achtzigjährigen Krieges.[45] Alba zog jedoch nach Norden und zerschlug Ludwig von Nassau am 21. Juli 1568 in der Schlacht von Jemmingen (Jemgum), wodurch die Reste der Rebellenarmee in die Ems getrieben wurden.[62] Wilhelm drang im Oktober 1568 mit einer großen Söldnerarmee in Brabant ein, aber Alba verweigerte eine offene Feldschlacht und manövrierte die Invasoren aus, wobei er Oraniens Nachhut in der Schlacht von Jodoigne (Geldenaken) am 20. Oktober 1568 vernichtete.[63] Da das Geld zur Bezahlung seiner Truppen fehlte, musste Wilhelm seine Armee in Frankreich auflösen und sich nach Nassau zurückziehen.[63]

Alba festigte seine militärische Vormachtstellung in den Jahren 1569–1571, doch seine drastischen steuerlichen Maßnahmen riefen allgemeine Entfremdung hervor.[64][65] Angesichts untragbarer Militärausgaben und des Ausfalls königlicher Subventionen, die von englischen Freibeutern beschlagnahmt worden waren, schlug Alba den Generalständen im März 1569 drei umfassende Zentralsteuern vor: den Hundersten Pfennig (eine einprozentige Vermögensabgabe), den Zwanzigsten Pfennig (eine fünfprozentige Steuer auf Immobilientransaktionen) und den Zehnten Pfennig (niederländisch: Tiende Penning, eine zehnprozentige Mehrwertsteuer auf jede kommerzielle Transaktion).[64][65] Der Hunderste Pfennig brachte nur 3,2 Millionen Gulden ein und stieß sowohl bei Katholiken als auch bei Protestanten auf Ablehnung.[65] Neue Zentralsteuern wie der Zehnte Pfennig erzeugten ebenfalls großen Widerstand.[64][65] Als Alba 1571 versuchte, den Zehnten Pfennig in Brüssel und den Provinzialstädten gewaltsam durchzusetzen, schlossen sich die Geschäfte, Handwerkerzünfte traten in den Streik und Läden machten dicht – die Wirtschaft kam zum Erliegen.[64] Die Steuer entfremdete Katholiken wie Protestanten und wandelte den Widerstand gegen Alba in passiven Massenwiderstand um.[64][65]

Beraubt ihrer Landbasen bildeten vertriebene niederländische Exilanten, Matrosen, Fischer und niedere Adlige maritime Kapergruppen, die als Wassergeusen (niederländisch: Watergeuzen) bekannt wurden.[66][67] Unter Kaperbriefen von Wilhelm von Oranien und unter orange-weiß-blauen Flaggen überfielen die Geusen spanische Nachschubkonvois, plünderten katholische Küstenklöster und betrieben Kaperfahrt im Ärmelkanal und in der Nordsee.[66][67] Sie fanden Zuflucht in englischen Häfen.[66][68] Die Wassergeusen begingen regelmäßig Piraterie, indem sie auch neutrale Schiffe angriffen.[66][67] Joseph Nasi, ein alter Freund Wilhelms von Oranien aus Antwerpen, war Berater des Sultans in Istanbul geworden.[69]

Der Aufstand breitet sich aus: 1572–1576

Der Aufstand lebte im Frühjahr 1572 wieder auf. Unter diplomatischem Druck spaniens verwies Elisabeth I. die Wassergeusen am 1. März 1572 aus den englischen Häfen.[68] Eine exilierte Flotte von etwa 25 Schiffen mit rund tausend Mann unter Willem van der Marck, Herr von Lumey, und Willem Bloys van Treslong segelte auf die niederländische Küste zu und nahm, da die spanische Besatzung an die französische Grenze abgezogen war, am 1. April 1572 den schwach verteidigten Hafen von Den Briel (Brielle) ein.[68][70] Die Eroberung von Brielle war ein unerwarteter Glücksfall, der den Rebellen einen sicheren maritimen Stützpunkt verschaffte.[70] Fünf Tage später erhob sich die Bürgerschaft von Vlissingen und ließ die Geusen hinein, gefolgt von Veere und Zierikzee in Seeland sowie Enkhuizen am 23. Mai, das das Marinekommandozentrum von Nordholland wurde.[71] Binnen vier Monaten erklärten nahezu alle Städte in Holland und Seeland (mit den großen Ausnahmen der katholisch-loyalistischen Städte Amsterdam und Middelburg) ihre Treue zum Prinzen von Oranien, wodurch die entscheidenden Wasserstraßen von Maas, Rhein, Schelde und Zuiderzee unter Rebellenkontrolle kamen.[70][71] Wo Geusen die kommunale Macht erlangten, wurde der katholische Gottesdienst verboten und der Calvinismus eingeführt, begleitet von Gräueltaten wie der Ermordung der Märtyrer von Gorkum im Juli 1572, die Oranien verurteilte.[71][72]

Im Juli 1572 versammelten sich die aufständischen Städte zur Ersten Freien Versammlung der Stände von Holland in Dordrecht, wo sie Wilhelm von Oranien als ihren rechtmäßigen Statthalter von Holland, Seeland, Utrecht und Friesland bestätigten und eine konstitutionelle Machtteilung zwischen dem Prinzen und den Provinzialständen einführten.[73] Gleichzeitig startete Wilhelm seinen zweiten großen Invasionsfeldzug aus Deutschland, während sein Bruder Ludwig von Nassau Hennegau von Frankreich aus überfiel und am 24. Mai 1572 Mons im Überraschungsangriff einnahm; Graf Willem van den Bergh eroberte Zutphen, Gelderland und Overijssel.[70][74] Das Schicksal der Rebellen im Süden brach jedoch nach der Bartholomäusnacht in Paris am 24. August 1572 zusammen, bei der die französische Hugenottenführung ausgelöscht wurde, was Oraniens Hoffnungen auf eine französische Militärintervention zunichtemachte.[75][76][77] Mons, das zunächst von Albas Sohn Don Fadrique belagert wurde, kapitulierte im September 1572, wodurch Alba die Hände frei hatte, um gegen die Aufständischen vorzugehen.[75][78]

Albas Sohn, Don Fadrique de Toledo, befehligte einen Strafschlag zur Zerschlagung des Aufstands im Norden. Anfang Oktober 1572 nahm Don Fadrique Mechelen kampflos ein und erlaubte seinen Truppen, die Stadt drei Tage lang zu plündern, Zivilisten zu schlachten und Kirchen zu brandschatzen, um andere Rebellestädte zur Unterwerfung zu terrorisieren.[79][80][81] Durch das Beispiel Mechelens eingeschüchtert, unterwarfen sich Städte in ganz Brabant und Flandern wieder der königlichen Autorität. Fadrique marschierte daraufhin nach Gelderland, stürmte und plünderte Zutphen am 16. November und stieß nach Holland vor, wo er Naarden am 1. Dezember 1572 einnahm; dort wurde nahezu die gesamte Bevölkerung kaltblütig massakriert.[79][80][82][83] Diese Gräueltaten stärkten jedoch den Entschluss der verbliebenen Städte Hollands, in denen die Institutionen bereits gründlich protestantisiert und reformiert worden waren; eine Kapitulation wurde nicht mehr als gangbarer Weg angesehen.[79][84][85] Der spanische Vormarsch geriet während der kräftezehrenden siebenmonatigen Belagerung von Haarlem (Dezember 1572 – Juli 1573) ins Stocken, die der spanischen Armee Tausende Veteranen kostete, bevor die hungernde Besatzung kapitulierte; obwohl die Stadt durch Zahlung von 250.000 Gulden vor der totalen Zerstörung bewahrt wurde, wurden ihre Offiziere und Magistrate standrechtlich hingerichtet.[79][84][85]

Die spanische Offensive lief bei Alkmaar im August 1573 auf Grund. Als die Spanier die Stadt belagerten, durchstachen die Niederländer die Deiche und überfluteten die umliegenden Polder, was die Belagerer zwang, die Belagerung von Alkmaar am 8. Oktober 1573 abzubrechen.[79][84][86] Tage später, am 11. Oktober, vernichteten die Wassergeusen die royalistische Flotte unter Graf Bossu in der Schlacht auf der Zuiderzee, wodurch sie die Seeherrschaft sicherten und die Blockade um das loyalistische Amsterdam verschärften.[84][86] In Seeland eroberten die Geusen im Februar 1574 nach einer zwanzigmonatigen Belagerung Middelburg und besiegten die spanische Flotte in der Schlacht bei Reimerswaal und der Schlacht von Lillo, womit die Westerschelde vollständig unter die Kontrolle der Rebellen kam.[87] Ermüdet und gesundheitlich angeschlagen wurde Alba von Philipp II. abberufen und im Dezember 1573 durch Luis de Requesens ersetzt, der den Blutrat und den Zehnten Pfennig abschaffte und eine allgemeine Amnestie anbot, während er jedoch an einer kompromisslosen Haltung hinsichtlich ausschließlicher katholischer Vorherrschaft und königlicher Souveränität festhielt.[79][88][89]

Requesens nahm die Belagerung von Leiden im Mai 1574 wieder auf, nachdem eine rebellenfeindliche Entsatzarmee unter Ludwig und Hendrik von Nassau am 14. April 1574 in der Schlacht auf der Mooker Heide geschlagen worden war, in der beide Brüder ums Leben kamen.[90][91][92] Leiden stand im Spätsommer 1574 kurz vor dem Verhungern, was Oranien und die Stände von Holland veranlasste, den gezielten Durchstich der Seedämme von Maas und IJssel anzuordnen. Die Wassergeusen segelten mit einer Flottille von flachbodigen Kähnen direkt über das überschwemmte Land, sprengten die spanischen Befestigungen und entsetzten die Stadt am 3. Oktober 1574, wobei sie Hering und Weißbrot an die hungernden Bewohner verteilten.[90][91] Kurz darauf, am 8. Februar 1575, gründete Oranien die Universität Leiden. Friedensgespräche, die im Frühjahr 1575 in Breda geführt wurden, scheiterten an der Religionsfrage.[91][93] Im September 1575 erklärte Philipp II. den Staatsbankrott in Kastilien, wodurch der Nachschub für die Flandern-Armee abbrach.[94][95][96] Nach der Einnahme von Zierikzee im Juli 1576 nach einer grausamen neunmonatigen Belagerung meuterten unbezahlte spanische Truppen und eroberten Aalst, wodurch sie Schrecken und Plünderungen in das loyalistische Brabant und Flandern trugen.[94][95][97]

Der allgemeine Aufstand und der innere Bruch: 1576–1579

Der Tod von Requesens am 4. März 1576 schuf ein politisches Vakuum und überließ dem Brüsseler Staatsrat nominell die Führung.[94][98] Während meuternde spanische Soldaten das Land verwüsteten, inszenierten die Stände von Brabant am 4. September 1576 einen Staatsstreich in Brüssel, bei dem Mitglieder des Staatsrates verhaftet und die Generalstände einberufen wurden.[98][99] Vertreter der loyalistischen südlichen Provinzen nahmen am 19. Oktober in Gent Verhandlungen mit dem aufständischen Holland und Seeland auf.[98][99] Die Gespräche fanden im Gefolge der Spanischen Furie in Antwerpen ein abruptes Ende: Am 4. November 1576 stürmten meuternde spanische Besatzungstruppen Antwerpen von dessen Zitadelle aus, brannten Hunderte Gebäude nieder und massakrierten schätzungsweise 8.000 Bürger während dreier Tage uneingeschränkter Plünderung.[94][98][100][101] Empört über diese Gräueltat ratifizierten die Delegierten am 8. November 1576 den Genter Pazifikation.[98][101][102] Die Pazifikation bildete ein konföderiertes Bündnis aus sechzehn der Siebenzehn Provinzen (wobei nur das loyalistische Luxemburg ausgeschlossen blieb), das den Abzug aller ausländischen Truppen, die Aussetzung der religiösen Verfolgung, die Wiederherstellung der traditionellen Freiheitsbriefe und die Einberufung der Generalstände zur gemeinsamen Regierung forderte.[98][99][102]

Der neue spanische Generalstatthalter, Don Juan de Austria, der Held von Lepanto, traf am 4. November 1576 in Luxemburg ein.[103][104] Bei Verhandlungen in Marche-en-Famenne gab Don Juan den Generalständen nach und unterzeichnete am 12. Februar 1577 das Ewige Edikt, das die Genter Pazifikation anerkannte und den Abzug der spanischen Tercios nach Italien über den Spanischen Weg anordnete, im Austausch für die Wahrung des katholischen Glaubens und die nominelle Anerkennung der königlichen Souveränität.[104][105][106] Don Juan hielt am 1. Mai 1577 einen Freudeneinzug in Brüssel ab, doch die religiöse und konstitutionelle Spaltung blieb unüberbrückt.[106] Holland und Seeland weigerten sich, den öffentlichen katholischen Gottesdienst zuzulassen oder Don Juan anzuerkennen, während sich der Prinz in Brüssel unsicher fühlte.[106][107] Am 24. Juli 1577 floh Don Juan aus Brüssel, nahm die Zitadelle von Namur gewaltsam ein und rief die spanischen Tercios aus Luxemburg und Italien zurück.[105][108][109] Als Reaktion erklärten die Generalstände Don Juan zum Feind des Landes, holten den neunzehnjährigen Erzherzog Matthias von Österreich als rivalisierenden Statthalter heran, ernannten Wilhelm von Oranien zu dessen Statthalter (Ruwaard von Brabant) und erließen im Dezember 1577 die Zweite Brüsseler Union, die Katholiken und Protestanten gleichen Schutz versprach.[105][108][109][110]

Die Einheitsfront des allgemeinen Aufstands zerfiel unter innerem sektiererischem Radikalismus und dem spanischen militärischen Wiedererstarken. Im Oktober 1577 inszenierten radikale Calvinisten unter Jan van Hembyze und François van de Kethulle, Herr von Ryhove, einen Staatsstreich in Gent, bei dem der Provinzialgouverneur, der Herzog von Aerschot, verhaftet und die radikale Genter Republik ausgerufen wurde.[111][112][113] Das Genter Regime dehnte sich aggressiv über Flandern aus, schaffte die katholische Messe ab, verwüstete Kirchen, vertrieb den katholischen Klerus und hingerichtete Mitglieder des ehemaligen Blutrats.[111][114] Ähnliche calvinistische Stadtübernahmen fanden in Brüssel, Antwerpen, Mechelen und Ypern statt, während Amsterdam im Mai 1578 die Alteratie durchlief, bei der katholische Magistrate abgesetzt wurden.[111][114] Diese Aktionen entfremdeten moderate katholische Adlige und Bürger in den südlichen Provinzen, die die calvinistische Militanz als größere Bedrohung für ihre Religion und ihren Besitz ansahen als die spanische Herrschaft, wodurch sie die asssidentische katholische Fraktion der Malcontenten bildeten.[105][111][114][115]

Alexander Farnese, Prinz (und später Herzog) von Parma, traf Ende 1577 mit spanischen Veteranenverstärkungen ein. Am 31. Januar 1578 zerschlugen Don Juan und Parma die Armee der Generalstände in der Schlacht bei Gembloux, wobei sie Tausende Verluste verursachten und selbst minimale Einbußen erlitten.[105][116][117] Der Sieg ermöglichte es den Spaniern, Löwen, Tienen, Aarschot und Diest zurückzuerobern.[116][117] Obwohl Don Juan am 1. Oktober 1578 nahe Namur an Typhus starb und Parma zu seinem Nachfolger ernannte, hatte sich das Blatt entscheidend gewendet.[105] Parma nutzte die Entfremdung des südlichen katholischen Adels geschickt aus und betrieb eine Diplomatie, um separate Versöhnungen mit den Führern im Süden auszuhandeln.[105][115] Am 6. Januar 1579 bildeten die Grafschaft Artois, die Grafschaft Hennegau und die Stadt Douai die Union von Arras (niederländisch: Unie van Atrecht), in der sie beschlossen, den ausschließlichen Katholizismus und die Unterwerfung unter Philipp II. aufrechtzuerhalten, im Gegenzug für den Abzug ausländischer Truppen und die Achtung historischer Privilegien.[114][115][118] Am 17. Mai 1579 unterzeichneten sie einen separaten Friedensvertrag mit dem König.[118][119]

Um der Union von Arras entgegenzuwirken, bildeten die nördlichen Rebellenprovinzen ein Verteidigungsbündnis. Am 23. Januar 1579 schlossen Holland, Seeland, Utrecht, Geldern und die Ommelanden die Utrechter Union, der sich kurz darauf auch Friesland, Overijssel, Drenthe sowie die großen flämischen und brabantischen calvinistischen Städte Gent, Brügge, Ypern, Antwerpen und Brüssel anschlossen.[119][120] Obwohl als gegenseitiger Verteidigungspakt konzipiert, der die provinzielle Autonomie wahrte und lokale religiöse Regelungen respektierte, etablierte die Utrechter Union gemeinsame Besteuerung, kollektive militärische Organisation und einen unauflöslichen Bund, der das konstitutionelle Fundament der Vereinigten Provinzen bildete.[121] Im Mai 1579 berief Kaiser Rudolf II. eine Friedenskonferenz in Köln ein, um zwischen Philipp II. und den Generalständen zu vermitteln, aber die Gespräche scheiterten im Dezember 1579 an Philipps absoluter Weigerung, protestantischen Gottesdienst zu dulden.[120][122][123]

Abspaltung und spanische Rückeroberung: 1579–1588

Die Spaltung innerhalb der Provinzen vertiefte sich im März 1580, als Georges de Lalaing, Graf von Rennenberg, der katholische Statthalter von Groningen, Friesland, Drenthe und Overijssel, zur spanischen Krone überlief.[124][125] Rennenbergs Abfall übergab Groningen, Oldenzaal und Coevorden an die Spanier, was scharfe antikatholische Säuberungen in den nördlichen Provinzen auslöste und jahrelangen Krieg im Nordosten entfachte.[124][125][126] Am 15. März 1580 erklärte Philipp II. Wilhelm von Oranien für vogelfrei und setzte ein Kopfgeld von 25.000 Goldkronen sowie einen Adelstitel auf seinen Kopf aus.[127][128] Oranien antwortete am 13. Dezember 1580 mit seiner Apologie an die Generalstände, in der er sich zum ersten Mal offen gegen Philipp II. selbst wandte, anstatt nur gegen dessen Gouverneur.

Oranien erkannte, dass der Aufstand ohne einen starken Verbündeten nicht zu gewinnen war, und auf seinen Rat hin boten die Generalstände die Souveränität über die Niederlande dem Herzog von Anjou, dem jüngeren Bruder des französischen Königs, im Austausch für militärische Unterstützung an.[129][130] Der Vertrag von Plessis-lès-Tours wurde im Januar 1581 mit ihm geschlossen.[129][130][131][132] Anjou verlangte, dass die Provinzen ihre Treue zu Philipp II. formell aufkündigten.[133] Am 26. Juli 1581 versammelten sich die Generalstände in Den Haag und erließen das Abschwörungsgesetz (niederländisch: Plakkaat van Verlatinghe).[131][133][134][135] Das Dokument begründete das revolutionäre Verfassungsprinzip, dass ein Herrscher von Gott eingesetzt ist, um seine Untertanen wie ein Hirte seine Herde zu schützen; unterdrückt der Herrscher sein Volk, verletzt er dessen alte Freiheiten und benimmt er sich wie ein Tyrann, so besitzen seine Untertanen das rechtmäßige Recht, ihn abzusetzen und einen anderen Beschützer zu wählen.[133][136] Erzherzog Matthias legte sein Amt nieder und kehrte nach Österreich zurück.[130][131]

Die Herrschaft des Herzogs von Anjou erwies sich als Fehlschlag. Nach seiner Ankunft im Februar 1582 empfand Anjou seine beschränkte verfassungsmäßige Autorität und die religiösen Reibungen zwischen dem katholischen Frankreich und den calvinistischen Stadträten als Last.[131][137] Am 17. Januar 1583 versuchte Anjou, die Alleinherrschaft über Antwerpen und andere flämische Städte durch einen überraschenden Staatsstreich zu erlangen, der als Französische Furie bekannt wurde.[137][138] Die Bürger von Antwerpen errichteten Barrikaden und metzelten die französischen Regimenter auf den Straßen nieder, wodurch Anjou in Schande getrieben wurde.[137][138] Anjou verließ die Niederlande und starb im Juni 1854 an Malaria in Frankreich, womit die französische Thronkandidatur endete.[137] Am 10. Juli 1584 wurde Wilhelm von Oranien im Prinsenhof in Delft von Balthasar Gérard, einem katholischen Anhänger Philipps II., ermordet.[127][128][139] Im Jahr 1585 wurde Oraniens junger Sohn Moritz von Oranien Statthalter von Holland und Seeland.

Parma startete eine methodische Offensive, um die Rebellenhochburgen in Flandern und Brabant zu unterwerfen. Beginnend im Jahr 1579 mit der Einnahme von Maastricht nach einer 111-tägigen Belagerung schnitt Parma städtische Wasserstraßen und Nachschubwege ab, anstatt befestigte Hauptstädte direkt anzugreifen.[139][140] 1581 eroberten spanische Truppen Breda und Tournai; 1582 Oudenaarde, Lier und Ninove; im Sommer 1583 die flämischen Küstenhäfen Dünkirchen, Nieuwpoort, Veurne und Diksmuide, gefolgt von Sas van Gent und Hulst entlang der Schelde.[139][140] Ypern fiel im April 1584, Brügge im Mai, und die calvinistische Republik von Gent kapitulierte im September 1584.[139][140] Brüssel ergab sich im März 1585, wodurch Antwerpen als einziges verbliebenes südliches Bollwerk übrig blieb.[139][140] Parma belagerte Antwerpen im Juli 1584 und schloss die Stadt durch den Bau einer riesigen, 730 Meter langen befestigten Schiffsbrücke über die Schelde ein, um den maritimen Nachschub zu kappen.[140][141] Rebellenversuche, die Brücke mit mit Schießpulver beladenen Schiffen zu zerstören und die Deiche zu durchbrechen, schlugen fehl, und die Spanier gewannen eine heftige Schlacht am Kouwenstein-Deich. Am 17. August 1585 kapitulierte Antwerpen.[139][141][142] Über die Hälfte der Bevölkerung Antwerpens, rund 40.000 Protestanten, Gelehrte und Kaufleute, floh nach Norden; der Fall Antwerpens gilt als die endgültige Spaltung zwischen den nördlichen und südlichen Niederlanden.[141][142]

Verzweifelt auf fremde Hilfe angewiesen, boten die Generalstände Heinrich III. von Frankreich und Elisabeth I. von England die Souveränität über die Niederlande an, aber beide Monarchen lehnten ab.[143] Elisabeth stimmte jedoch zu, durch den Vertrag von Nonsuch am 20. August 1585 militärische Hilfe zu formalisieren, und entsandte Robert Dudley, Earl of Leicester, mit 6.000 englischen Infanteristen und 1.000 Kavalleristen im Austausch für die Kontrolle über Vlissingen, Den Briel und das Fort Rammekens als Pfändungsstädte.[143][144] Leicesters Gouvernement (1586–1587) war von politischen Wirren geprägt.[145] Er stellte sich allein auf die Seite der Calvinisten und verstand die Handelsbeziehungen, die die Rebellen nach wie vor mit Spanien unterhielten, nicht gänzlich. Sein Feldzug scheiterte infolge von Differenzen mit den niederländischen Führern.[145] Im Januar 1587 übergaben die englischen Befehlshaber William Stanley und Rowland York Deventer und das Reduit von Zutphen für spanisches Gold an Parma, was eine Welle anti-englischer Wut auslöst.[146] Nach einem gescheiterten Putschversuch reiste Leicester im Dezember 1587 ab.[146] Gestützt auf François Vrancks Rechtsschrift, die Deductie, beschlossen die Generalstände am 12. April 1588, keine ausländischen Monarchen mehr zu suchen, und übertragen die souveräne Regierung auf die Provinzialstände, womit sie die unabhängige Republik der Vereinigten Niederlande begründeten.[147][148][149]

Philipp II. beschloss, die anglo-niederländische Allianz durch die Entsendung der Armada zur Invasion Englands zu zerschlagen. Im Sommer 1588 lief eine Flotte von 130 Kriegsschiffen mit 30.000 Mann unter dem Herzog von Medina Sidonia in den Ärmelkanal ein, um sich mit Parmas bei Dünkirchen versammelter Armee zu vereinigen.[150][151] Als die Armada jedoch am 29. Juli 1588 den Süden Englands erreichte, warteten englische und niederländische Schiffe, und die langsamen spanischen Schiffe, ohnehin von Stürmen angeschlagen, konnten es nicht mit den schnelleren englischen und niederländischen Angreifern aufnehmen.[150] Nach den Kämpfen vor Gravelines im Juli 1588 mussten die verbliebenen spanischen Schiffe um Schottland und Irland herum nach Hause segeln, wo Stürme viele weitere von ihnen versenkten. Parmas anschließende Belagerung von Bergen op Zoom im Herbst 1588 wurde von anglo-niederländischen Verteidigern abgewehrt, was das Ende der spanischen Raumgewinne im Norden markierte.[150]

Die Zehn Jahre und die republikanische Gegenoffensive: 1588–1598

Das Jahrzehnt zwischen 1588 und 1598, vom niederländischen Historiker Robert Fruin als die Zehn Jahre (niederländisch: Tien jaren) bezeichnet, erlebte eine außergewöhnliche Wendung des Schicksals, in der die Niederländische Republik von einer bedrängten Enklave zu einer europäischen Großmacht aufstieg.[152][153] Im Jahr 1589 reiste Wilhelm Ludwig von Nassau-Dillenburg, Statthalter von Friesland, nach Den Haag, um die Generalstände von einem Übergang zur offensiven Kriegführung zu überzeugen.[153] Gleichzeitig wurde die spanische strategische Aufmerksamkeit abgelenkt. Philipp II. priorisierte nach der Ermordung Heinrichs III. im Jahr 1589 die Französischen Religionskriege und befahl Parma, 1590 und 1592 nach Frankreich zu marschieren, um Paris und Rouen vom protestantischen Thronfolger Heinrich von Navarra zu entsetzen.[153][154][155] Spanien war finanziell überfordert, erklärte 1596 den Staatsbankrott, und Parma starb im Dezember 1592 in Arras an Kriegswunden, was den spanischen Oberbefehl gespalten und unterfinanziert zurückließ.[151][155]

Unter Ausnutzung von Parmas Abwesenheit vollzogen Moritz von Oranien und Wilhelm Ludwig revolutionäre Reformen in der Taktik, der Belagerungskunst und dem Exerzieren.[156] Beeinflusst von klassischen römischen Militärschriften unterteilten sie Infanterieregimenter in kleinere, bewegliche Kohorten, standardisierten Kaliber, führten systematisches Gegenmarsch-Salvenfeuer ein und setzten strenge Drill- und Disziplinarvorschriften durch.[156] Im März 1590 führte Moritz eine gewagte List aus und eroberte die befestigte Stadt Breda, indem er siebzig Elitesoldaten versteckt in einem Torfkahn (niederländisch: Turfschip van Breda) einschmuggelte.[153][157] 1591 unternahm Moritz einen Ostfeldzug und eroberte Zutphen, Deventer, Delfzijl und Nimwegen.[157] 1592 eroberten die republikanischen Truppen Steenwijk und Coevorden zurück; 1593 Geertruidenberg in Brabant; und 1594 vollbrachten sie die „Reduktion von Groningen“, womit sie spanische Truppen aus den nördlichen Provinzen vertrieben.[157]

1596 traf Erzherzog Albrecht von Österreich als neuer Generalstatthalter in den Niederlanden ein und eroberte bald darauf Calais und Hulst. England und Frankreich schlossen 1596 eine Allianz, teilweise weil die spanische Eroberung von Calais, so nah an England, als Bedrohung für England angesehen wurde; die Republik wurde gebeten, beizutreten, und so entstand die Tripelallianz. Als Erzherzog Albrecht seine Streitkräfte 1597 nach Frankreich verlegte, um Amiens zu belagern, startete Moritz einen Blitzfeldzug durch die östlichen Grenzgebiete und eroberte Rheinberg, Moers, Groenlo, Bredevoort, Enschede, Ootmarsum, Oldenzaal und Lingen.[157] Nach Moritz' Siegen befand sich das Gebiet der Utrechter Union wieder in den Händen der Stände, womit sozusagen der Garten der Republik (niederländisch: Tuin van de Republiek) geschlossen wurde.

Ausgebrannt von gleichzeitigen Kriegen schlossen Heinrich IV. von Frankreich und Philipp II. im Mai 1598 den Frieden von Vervins, der den Konflikt mit Frankreich beilegte.[155] Da er sein Ende nahen fühlte, beschloss Philipp II. 1598, dass seine Tochter Isabella Erzherzog Albrecht von Österreich heiraten sollte, damit das Paar die Niederlande gemeinsam als souveräne Fürsten regieren konnte. Im Rahmen des Friedens von Vervins stimmte er zu, die Niederlande als Mitgift an Isabella abzutreten, wobei der Erzherzog der neue Oberherr der Niederlande wurde.[158] Philipp II. starb am 13. September 1598 und wurde von seinem Sohn Philipp III. beerbt. Obwohl die Erzherzöge in Brüssel autonom regierten, blieben spanische Truppen, Finanzen und Außenpolitik unter der ultimativen Kontrolle Madrids.

Patt-Situation und der Zwölfjährige Waffenstillstand: 1599–1621

Zwischen 1599 und 1609 entwickelte sich der Krieg zu einer blutigen militärischen Pattsituation.[159][160] 1599 fiel Francisco de Mendoza in das Bommelerwaard ein und belagerte Zaltbommel mit einer Armee von 20.000 Mann, aber Moritz manövrierte die Invasoren aus, was Mendoza zwang, die Belagerung infolge verbreiteter Meutereien unter unbezahlten spanischen Truppen aufzugeben.[160] Um Freibeuter zu unterdrücken, die von Dünkirchen und Nieuwpoort aus agierten und den niederländischen Handel verwüsteten, befahlen Oldenbarnevelt und die Generalstände Moritz im Juni 1600 trotz vehementer operativer Einwände des Prinzen zu einer amphibischen Invasion Flanderns.[161] Am 2. Juli 1600 traf Moritz in den Dünen auf die Entsatzarmee von Erzherzog Albrecht in der Schlacht von Nieuwpoort.[161] In einer offenen Feldschlacht errang die reformierte niederländische Infanterie einen taktischen Sieg, aber hohe Verluste und spanische Küstenverstärkungen zwangen Moritz dazu, den Marsch auf Dünkirchen abzubrechen und sich nach Seeland zurückzuziehen, wodurch ein dauerhafter politischer Riss zwischen Moritz und Oldenbarnevelt zementiert wurde.[161]

Im Juli 1601 belagerte Erzherzog Albrecht die republikanische Küstenfestung Ostende und leitete damit die dreijährige Belagerung von Ostende (1601–1604) ein, die zu einer der blutigeren Belagerungen der europäischen Geschichte wurde.[159][162] Da Ostende an der Küste lag, konnte es auf dem Seeweg Nahrung und Verstärkung erhalten, und die Besatzung unter dem englischen Kommandanten Francis Vere hielt den schwersten Angriffen im ersten Winter stand. 1603 übernahm der genuesische Bankier Ambrogio Spinola den Oberbefehl und die Finanzierung der spanischen Belagerung und erzwang am 22. September 1604 durch fortgeschrittene Sapping-Techniken die Kapitulation Ostendes, nach schätzungsweise 50.000 Verlusten auf beiden Seiten.[159][162] Während der Belagerung eroberte Moritz Sluis und Aardenburg in Seeländisch-Flandern.[162][163] Gleichzeitig schloss König Jakob I. 1604 den Londoner Vertrag, der die englischen Feindseligkeiten mit Spanien beendete und die Niederländische Republik ohne aktiven europäischen Verbündeten zurückließ.[164]

1605 und 1606 startete Spinola eine mobile Offensive, die Moritz' Flussverteidigungslinien umging, stürmte Oldenzaal, Lingen, Lochem und Groenlo und besiegte Moritz in der Schlacht von Mülheim.[159][165][166] Spinola war jedoch nicht in der Lage, in die Kernprovinzen vorzudringen, und ein allgemeiner spanischer Staatsbankrott im Jahr 1607 lahmlegte die Flandern-Armee durch weitverbreitete Meutereien.[159][165][167] Zur See erstarkte die niederländische Macht. Am 25. April 1607 überraschte und vernichtete eine niederländische Flotte unter Jacob van Heemskerck eine gesamte spanische Kriegsschiffsflotte, die vor Gibraltar an Anker lag, in der Schlacht von Gibraltar und demonstrierte damit die niederländische Seeherrschaft.[159][165] Erschöpft von Militärausgaben und abhängig von niederländischer Handelsschifffahrt für Ostseegetreide, stimmte Spanien Verhandlungen zu.[159][165][168]

Nach langwierigen, von Frankreich und England vermittelten Verhandlungen in Antwerpen wurde am 9. April 1609 der Zwölfjährige Waffenstillstand (1609–1621) unterzeichnet.[169][170][171] Der Vertrag war ein Triumph für den Ratspensionär Johan van Oldenbarnevelt, da Spanien die Vereinigten Provinzen „in der Eigenschaft als und sie betrachtend als freie Provinzen und Staaten, auf die sie keine Ansprüche erheben“, anerkannte.[169][171] Der Waffenstillstand behielt die niederländische Schließung der Schelde für den Handel Antwerpens bei und gewährte stillschweigend die Erlaubnis für den niederländischen Handel nach Indien.[172] In Spanien wurde das Abkommen von Hardlinern als demütigende Niederlage wahrgenommen, die das internationale Ansehen der Monarchie stark beschädigte.[168]

Während des Waffenstillstands versank die Republik in politische und theologische Konflikte.[173][174][175] Ein theologischer Streit brach zwischen den Anhängern des Jacobus Arminius (Remonstranten), die eine bedingte Prädestination und die bürgerliche Autorität über Kirchenangelegenheiten befürworteten, und Franciscus Gomarus (Gegenremonstranten), die für eine strenge calvinistische Orthodoxie eintraten, aus.[173][174][175] Das religiöse Schisma deckte sich mit einer konstitutionellen Spaltung: Oldenbarnevelt und die städtischen Regenten von Holland vertraten die provinzielle Souveränität und die Sache der Remonstranten, während Statthalter Moritz und populäre Calvinisten die Gegenremonstranten und die zentrale Autorität unterstützten.[173][174][175] Im August 1617 verabschiedeten die Stände von Holland die Scharfe Resolution (niederländisch: Scherpe Resolutie), die den Städten erlaubte, unabhängige Söldnergarden (Waardgelders) aufzustellen, um religiöse Unruhen niederzuschlagen.[176] Moritz inszenierte im Sommer 1618 einen Staatsstreich, löste die Waardgelders auf und säuberte die regierende Remonstranten-Oberschicht.[174] Oldenbarnevelt, Hugo Grotius und Rombout Hogerbeets wurden verhaftet.[173][174][175] Die Dordrechter Synode (1618–1619) verurteilte den Arminianismus als Häresie, und am 13. Mai 1619 wurde der einundsiebzigjährige Johan van Oldenbarnevelt wegen Hochverrats auf dem Binnenhof in Den Haag hingerichtet.[173][175][177] Grotius wurde zu lebenslanger Haft auf Schloss Loevestein verurteilt, aus dem er 1621 in einer Bücherkiste entkam.[173][178]

Die Endphase: 1621–1648

Der Zwölfjährige Waffenstillstand lief am 9. April 1621 aus, und die Feindseligkeiten wurden inmitten der Anfangsphasen des größeren Dreißigjährigen Krieges in Deutschland wieder aufgenommen.[179][180] König Philipp III. war am 31. März 1621 gestorben und wurde von dem sechzehnjährigen Philipp IV. beerbt, dessen Erster Minister, der Graf-Herzog von Olivares, eine aggressive Politik zur Wiederherstellung der spanischen Größe verfolgte.[180] Erzherzog Albrecht starb im Juli 1621, und die kinderlose Herrschaft über die Spanischen Niederlande fiel direkt an die spanische Krone unter Erzherzogin Isabella zurück.[180] Madrid erhöhte die Finanztransfers nach Brüssel auf 900.000 Gulden monatlich, baute die Marine aus, finanzierte die Dünkirchener Freibeuter und verhängte ein striktes Handelsembargo gegen die niederländische Schifffahrt.[181] Als Reaktion darauf gründeten die Niederländer 1621 die Niederländische Westindien-Kompagnie (WIC), um den spanischen und portugiesischen Atlantikhandel anzugreifen, und stationierten Blockadegeschwader entlang der flämischen Küste.[181][182]

Spinolas Belagerung von Bergen op Zoom in Brabant schlug mit schweren Verlusten fehl und wurde aufgehoben, als Moritz eintraf.[183] Im August 1624 belagerte Spinola die Festung Breda.[184][185] Breda kapitulierte im Juni 1825, ein Ereignis, das in Diego Velázquez' Gemälde Die Übergabe von Breda (Las Lanzas) verewigt wurde.[184] Moritz war im April 1825 an einer Krankheit gestorben, und sein Halbbruder Frederik Hendrik von Oranien-Nassau folgte ihm als Prinz von Oranien, Oberbefehlshaber (Kapitän-General) und Statthalter von fünf Provinzen nach.[184][185] Die Belagerung von Breda kam die spanische Staatskasse teuer zu stehen, und währenddessen beschloss Philipp IV., das Heer zu verkleinern und zu einem billigeren Abwehrkrieg an Land überzugehen, während die Marineoffensive aktiv gehalten wurde.[184] Spanien ging 1627 bankrott.[186]

Frederik Hendrik startete eine aggressive Gegenoffensive, beginnend mit der Einnahme von Oldenzaal 1626 und Groenlo 1627.[186][187] Im September 1628 fing der niederländische Flottenbefehlshaber Piet Hein eine gesamte spanische Silberflotte in der Schlacht in der Matanzas-Bucht vor Kuba ab und erbeutete sechzehn mit Silber, Indigo und Cochenille beladene Schiffe im Wert von über 11,5 Millionen Gulden.[182][188] Dieser Geldsegen lieferte das Kapital zur Finanzierung der Belagerung von 's-Hertogenbosch im Jahr 1629.[182][188][189] Um die Stadt zu entsetzen, fielen spanische und kaiserliche Truppen unter Ernesto Montecuccoli in die Veluwe ein und besetzten Amersfoort, aber Frederik Hendrik hielt an den Belagerungslinien fest, während niederländische Truppen unter Otto van Gendt den spanischen Nachschubstützpunkt in Wesel in einem überraschenden Handstreich am 19. August 1629 einnahmen.[189] Ohne Munition und Nachschub kapitulierte 's-Hertogenbosch am 14. September 1629, was einen verheerenden Schlag für die spanische Macht im nördlichen Brabant bedeutete.[187]

Frederik Hendrik dehnte die republikanische territoriale Kontrolle entlang der Maas aus. 1632 lief Hendrik van den Bergh, ein Cousin Frederik Hendriks und Statthalter von Obergelderland in spanischen Diensten, zur Republik über und verschaffte ihr damit einen Weg durch die spanischen Verteidigungsanlagen.[190] Im berühmten Maaskampagne von 1632 eroberte Frederik Hendrik Venlo und Roermond, bevor er Maastricht belagerte.[187][190] Trotz eines Entsatzversuchs einer kaiserlichen Armee unter Pappenheim kapitulierte Maastricht am 23. August 1632.[190] Erzherzogin Isabella leitete 1632 direkte Friedensgespräche mit der Republik ein, die jedoch an niederländischen territorialen Forderungen und ihrem Tod Ende 1633 scheiterten.[191] Am 4. November 1634 traf der Bruder Philipps IV., der Kardinal-Infant Ferdinand von Österreich, Sieger der Schlacht bei Nördlingen, als neuer Generalstatthalter in den Spanischen Niederlanden ein, mit der Absicht, die Offensive wieder aufzunehmen.[192][193][194][195]

Aus Furcht vor habsburgischer Hegemonie nach Nördlingen schloss der französische Erste Minister Kardinal Richelieu im Februar 1635 ein Offensivbündnis mit den Vereinigten Provinzen, wodurch Frankreich direkt in den Krieg gegen Spanien hineingezogen wurde.[196][197][198][199] Der Vertrag sah die gemeinsame Eroberung und Aufteilung der Spanischen Niederlande vor.[199] Im Juni 1635 fiel eine alliierte französisch-niederländische Armee von 50.000 Mann in Brabant ein, nahm Tienen ein und plünderte es, wobei zügellose Plünderungen und Gräueltaten die katholische Bevölkerung der südlichen Provinzen entfremdeten.[198][200][201] Die Logistik brach zusammen und die Belagerung von Löwen schlug fehl, während der Kardinal-Infant einen Gegenangriff startete und die strategische Festung Schenkenschans in Geldern einnahm.[201][202][203] Frederik Hendrik blockierte Schenkenschans den Winter über und eroberte sie im April 1636 nach heftigem Beschuss zurück.[202][203] 1637 eroberte Frederik Hendrik Breda nach einer elfwöchigen Belagerung zurück, während der Kardinal-Infant Venlo und Roermond an der Maas wieder einnahm.[187][204][205][206][207]

Größere Feldschlachten und Marineoperationen prägten die späten 1630er Jahre. Im Juni 1638 versuchte eine republikanische Armee unter Wilhelm von Nassau-Siegen, Antwerpen zu belagern, wurde aber vom Kardinal-Infant in der Schlacht von Kallo zerschlagen.[208][209][210] Unterdessen wurde der Spanische Weg abgeschnitten, als französische und alliierte Truppen im Dezember 1638 Breisach einnahmen.[211][212][213] Des Landkorridors beraubt, schickte Spanien eine Flotte unter Admiral Antonio de Oquendo mit rund 20.000 Mann, um Flandern über den Seeweg zu verstärken.[211][214][215] Im Ärmelkanal abgefangen, wurde die Armada in die englischen neutralen Gewässer vor den Downs verfolgt, wo Generalleutnant Maarten Tromp die spanische Flotte in der Seeschlacht bei den Downs am 21. Oktober 1639 vernichtete.[211][214][215] Der Sieg zerstörte die spanische Seeherrschaft und ließ die Spanischen Niederlande strategisch isoliert zurück.[211][214][215]

1630 wurde das Spanische Reich von internen Rebellionen erschüttert: Der Schnitterkrieg (Katalanischer Aufstand) brach in Katalonien mit französischer Unterstützung aus, gefolgt im Dezember 1640 vom Portugiesischen Restaurationskrieg, der Portugal und sein Überseereich von der Iberischen Union abtrennte.[216][217][218] Der Kardinal-Infant starb im November 1641 in Brüssel; sein Nachfolger wurde Francisco de Melo.[219][220][221] Melo eröffnete 1642 eine erfolgreiche Offensive und gewann die Schlacht von Honnecourt gegen die Franzosen.[222][223] Am 19. Mai 1643 wurde Melo jedoch vom Herzog von Enghien (später der Große Condé) in der Schlacht von Rocroi entscheidend geschlagen, wodurch die spanischen Veteranen-Tercios zerschlagen und Spaniens Fähigkeit, große Offensiven von den Niederlanden nach Frankreich zu starten, dauerhaft beendet wurde.[224][225] Frederik Hendrik eroberte 1644 Sas van Gent und 1645 Hulst, womit er die republikanische Kontrolle über Seeländisch-Flandern festigte.[187][226][227][228] Frederik Hendrik starb im März 1647 und wurde von seinem Sohn Wilhelm II. als Statthalter beerbt, während Erzherzog Leopold Wilhelm von Österreich Generalstatthalter der Spanischen Niederlande wurde.[229][230][231]

Globaler Kolonialkonflikt

Der Achtzigjährige Krieg weitete sich zu einem globalen Seekrieg über den Atlantischen, Indischen und Pazifischen Ozean aus, der als Niederländisch-Portugiesischer Krieg bekannt ist.[181][182][232] Da Philipp II. die Kronen von Spanien und Portugal 1580 vereint hatte, wurde das portugiesische Kolonialreich zu einem Hauptziel der niederländischen kommerziellen und militärischen Expansion.[181][232] Die Niederländische Ostindien-Kompagnie (niederländisch: Vereenigde Oostindische Compagnie, VOC) wurde gegründet, um die Handelsposten im Indischen Ozean zu betreiben, und die Kämpfe um die Handelsposten breiteten sich auf Macao, Ostindien, Ceylon, Formosa und die Philippinen aus.[182] Niederländische Handelsmonopole bei asiatischen Gewürzen generierten kommerziellen Reichtum und befeuerten den Aufstieg des Goldenen Zeitalters der Niederlande.[182][233]

Im Atlantik führte die 1621 gegründete Niederländische Westindien-Kompagnie (WIC) den Großen Entwurf (niederländisch: Groot Desseyn) aus, um portugiesische Zucker- und Sklavenhandelskolonien in Brasilien und Westafrika zu erobern.[181][234] 1624 eroberte eine Armada unter Jacob Willekens und Piet Hein São Salvador da Bahia, obwohl die Stadt im folgenden Jahr von einer gemeinsamen spanisch-portugiesischen Flotte zurückerobert wurde.[234] Anfang 1630 eroberten die Niederländer Recife und Olinda, das Zentrum der brasilianischen Zuckerplantagen, und hielten die portugiesische Kolonie Pernambuco bis 1654. Die Niederländer trafen im Pazifik auch auf spanische Seestreitkräfte; niederländische Geschwader plünderten den spanischen Schiffsverkehr vor Peru und den Philippinen und kollidierten in den Schlachten von La Naval de Manila 1646 und der Seeschlacht von Puerto de Cavite 1647, obwohl die Spanier den philippinischen Archipel erfolgreich verteidigten.[235]

Der Friede von Münster: 1648

Formelle Friedensverhandlungen begannen im Januar 1646 als Teil der allgemeineren Friedensverhandlungen des Dreißigjährigen Krieges und wurden im heutigen Haus der Niederlande in Münster abgehalten.[236] Die Generalstände entsandten acht Delegierte, die sieben Provinzen vertraten: Willem van Ripperda (Overijssel), Frans van Donia (Friesland), Adriaen Clant tot Stedum (Groningen), Adriaan Pauw und Jan van Mathenesse (Holland), Barthold van Gent (Gelderland), Johan de Knuyt (Seeland) und Godert van Reede (Utrecht).[236] Die spanische Delegation wurde von Gaspar de Bracamonte, 3. Graf von Peñaranda, angeführt.[236] In Holland drängte eine mächtige Kriegspartei aus Amsterdamer und Dordrichter Patriziern, angeführt von Cornelis und Andries Bicker, Cornelis und Andries de Graeff sowie Jacob de Witt, vehement auf Frieden und argumentierte, dass der langwierige Krieg den Kaufmannshandel schädigte, Schulden anhäufte und unangemessene militärische Macht in den Händen der Statthalter konzentrierte.[237][238] Spanien, finanziell erschöpft und von den Aufständen in Katalonien und Portugal geplagt, war bereit, praktisch allen niederländischen Forderungen nachzugeben, um Frieden zu schließen.[238][239][240]

Die Bedingungen des Vertrags waren dem Zwölfjährigen Waffenstillstand von 1609 nachempfunden.[241][242] Spanien erkannte die Vereinigten Provinzen der Niederlande formell als souveränen, unabhängigen Staat an und entsagte allen dynastischen Ansprüchen der spanischen Krone.[241][243] Die Republik behielt alle territorialen Eroberungen im nördlichen Brabant, in Seeländisch-Flandern und im Maastal, die in den Generalitätslanden (niederländisch: Generaliteitslanden) zusammengefasst und direkt von den Generalständen regiert wurden.[244] Der Vertrag garantierte die dauerhafte Schließung der Schelde für den ozeangehenden Handel nach Antwerpen, was Antwerpens Handelspriorität untermauerte, und sicherte die Aufhebung spanischer Handelsembargos gegen die niederländische Schifffahrt.[241][242] Darüber hinaus wurden die von VOC und WIC in Asien, Afrika und Amerika gemachten territorialen Eroberungen formell anerkannt.[241] Frühere Friedensversuche waren teilweise daran gescheitert, dass Spanien die Position der Katholiken in der Republik geschützt wissen wollte, aber Mitte der 1640er Jahre wollte Spanien an dieser Forderung nicht mehr hartnäckig festhalten.[239][240]

Die Verhandlungen zwischen der Republik und Spanien schritten rasch voran, aber Frankreich, das durch den Bündnisvertrag von 1635 an die Niederländer gebunden war, behinderte eine allgemeine Einigung durch wiederholtes Einbringen neuer territorialer Forderungen.[241][245][246] Als die Spanier geheime Vorschläge von Kardinal Mazarin offenbarten, das französisch besetzte Katalonien gegen die Spanischen Niederlande einzutauschen, beschlossen die niederländischen Regenten, einen Separatfrieden zu schließen.[245][246][247] Der definitive Vertrag von neunundsiebzig Artikeln wurde am 30. Januar 1648 vereinbart.[243][245][248] Der Text wurde von Philipp IV. in Madrid und von fünf Provinzen in den Generalständen am 4. April 1648 ratifiziert, ungeachtet der Proteste von Statthalter Wilhelm II. sowie der Provinzen Utrecht und Seeland.[248][249] Utrecht stimmte schließlich zu, während Seeland sich weigerte, aber überstimmt wurde.[248][249] Der Friede wurde am 15. Mai 1648 in Münster beschworen und am 5. Juni 1648, dem achtzigsten Jahrestag der Hinrichtung von Egmont und Hoorn, feierlich in der Republik verkündet.[245][248][250] Im weiteren Kontext des im Oktober 1648 unterzeichneten Westfälischen Friedens erlangte die Niederländische Republik die formelle Unabhängigkeit vom Heiligen Römischen Reich, während Spanien und Frankreich bis zum Pyrenäenfrieden von 1659 im Krieg verblieben.[244]

Nachwirkungen und historische Bedeutung

Der Achtzigjährige Krieg zersplitterte die Einheit der Siebenzehn Provinzen dauerhaft und schuf zwei verschiedene politische und religiöse Einheiten.[244][251] Die nördlichen sieben Provinzen gingen als die Vereinigten Provinzen der Niederlande (die Niederländische Republik) hervor, eine Föderativrepublik, die von städtischen Patriziern und der calvinistischen Kirche dominiert wurde und zu einem globalen See- und Handelsimperium heranwuchs.[244][251] Umgekehrt verblieben die südlichen zehn Provinzen als Spanische Niederlande unter habsburgischer Herrschaft, die durch die Gegenreformation stark rekatholisiert und wirtschaftlich der nördlichen Scheldeblockade untergeordnet wurden.[139][141] Diese strukturelle Spaltung hielt bis ins neunzehnte Jahrhundert an und legte den Grundstein für die späteren Grenzen des modernen Belgiens, der Niederlande und Luxemburgs.[141]

Der Konflikt führte zu seismischen demografischen Verschiebungen in den Niederlanden.[139][142] Die Rückeroberung Flanderns und Brabants durch den Herzog von Parma löste eine Abwanderung von Fachkräften, Kapital und intellektuellem Talent aus dem Süden in den Norden aus.[141][142] Die Bevölkerung Antwerpens stürzte von etwa 90.000–100.000 in den 1560er Jahren auf kaum noch 42.000 im Jahr 1590 ab, während das Textilzentrum Hondshoote von 18.000 Einwohnern im Jahr 1566 auf 385 im Jahr 1586 schrumpfte und Löwen von 17.000 auf 9.700 fiel.[142]

In der Militärgeschichte diente der Achtzigjährige Krieg als Laboratorium für die Militärische Revolution.[156][252]

Der Krieg brachte tiefgreifende konstitutionelle und politische Präzedenzfälle hervor.[136][253] Das Abschwörungsgesetz von 1581 forderte die europäische Doktrin des Gottesgnadentums der Könige heraus, indem es erklärte, dass die souveräne Macht ein vertragliches Treuhandverhältnis zwischen Fürst und Untertanen sei; wenn ein Monarch fundamentale Freiheiten verletzt und sich wie ein Tyrann verhält, besitzen Untertanen das Recht, ihre Treue zu widerrufen.[133][136] Diese politische Philosophie nahm den Englischen Bürgerkrieg (1642–1651), die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und die Französische Revolution (1789) vorweg.[136] Das Aufkommen der Niederländischen Republik bestätigte die Lebensfähigkeit einer föderativen, repräsentativen republikanischen Regierung im frühneuzeitlichen Europa, die neben monarchischen Mächten existierte und beispiellosen religiösen Pluralismus, kommerzielle Innovation und säkulares Rechtsdenken förderte.[136][244]

Historiographie

Die Historiographie des Achtzigjährigen Krieges hat sich über vier Jahrhunderte hinweg entwickelt und anhaltende wissenschaftliche Kontroversen erzeugt.[1][254] Siebzehnteljahrhundert-Chronisten wie Pieter Corneliszoon Hooft (Nederlandsche Historiën, 1642–1647), Hugo Grotius, Pieter Bor und Emanuel van Meteren stützten sich auf Zeugenaussagen aus erster Hand und bemühten sich um ausgewogene Darstellungen, indem sie sowohl spanische als auch niederländische Quellen heranzogen.[254] Im 18. Jahrhundert standardisierten archivalische Kompendien wie Jan Wagenaars mehrbändige Geschichte die patriotische republikanische Erzählung.[254] Im 19. Jahrhundert dominierten liberale und calvinistisch-konfessionelle Interpretationen: Guillaume Groen van Prinsterer (Handboek der geschiedenis van het vaderland, 1846) porträtierte den Aufstand als einen von der Oranier-Dynastie angeführten göttlichen Kreuzzug zur Erlangung religiöser und nationaler Freiheit unter göttlicher Führung.[255] Der amerikanische Historiker John Lothrop Motley schrieb The Rise of the Dutch Republic (1856), das Reinier Cornelis Bakhuizen van den Brink 1857 übersetzte.[256]

Wissenschaftlicher und archivalischer Revisionismus begann Mitte des 19. Jahrhunderts unter Robert Fruin, dem ersten Inhaber des Lehrstuhls für niederländische Geschichte an der Universität Leiden, der den Aufstand anhand institutioneller und politischer Strukturen in Werken wie Tien jaren uit den Tachtigjarigen Oorlog (1857) und Het voorspel van de Tachtigjarigen Oorlog (1859) analysierte.[257][258] Belgische Historiker Louis-Prosper Gachard und Joseph Kervyn de Lettenhove erforschten Brüsseler und Simancas-Archive und betonten die Perspektiven des Südens.[259] Im 20. Jahrhundert argumentierte Pieter Geyl, dass der Aufstand gegen den logischen Lauf der Geschichte verlief, in dem jedes Volk am Ende in der Lage sein sollte, seinen eigenen Staat zu bilden, da dies nicht für die Flamen galt, die er als Teil des niederländischen Volkes ansah; er vertrat die Ansicht, dass die Republik hätte weiterkämpfen sollen, um die zwischen 1579 und 1585 verlorenen niederländischsprachigen Provinzen zu gewinnen, und forderte in seiner Großniederland-Idee (Groot-Nederlandse gedachte) die Wiederherstellung der während des Aufstands verlorenen flämisch-niederländischen Einheit.[260] Die moderne Forschung debattiert weiterhin darüber, ob der Konflikt am besten als Unabhängigkeitskrieg, religiöser Kreuzzug, bürgerliche Revolution oder komplexer Bürgerkreislauf charakterisiert wird, während sie gleichzeitig die Rolle der Schwarzen Legende Spaniens in der frühneuzeitlichen protestantischen Propaganda kritisch neu bewertet.[1]

Wo sich Ausgaben widersprechen (3)
Beginning of the war
  • Englisch: Virtually all historians place the start somewhere between the 1566 Beeldenstorm and early 1572, but there is no historical consensus on the exact beginning date, with 1566, 1567, or the Battle of Heiligerlee on 23 May 1568 widely cited.
  • Niederländisch: The Battle of Heiligerlee on 23 May 1568 is traditionally seen as the starting point, though events from 1566 or the Battle of Oosterweel on 13 March 1567 can also be considered the beginning.
  • Koreanisch: The war began on 13 March 1567 (Battle of Oosterweel).
  • Thailändisch: The war took place between 1566 and 1648.
  • Spanisch: The rebellion began in 1568, with the formal opening of hostilities at the Battle of Heiligerlee on 23 May 1568.
Executions and death toll under the Duke of Alba's regime
  • Englisch: During Alba's governorship, the total number of people killed in the Netherlands by executions, burnings, and massacres is estimated to have reached 50,000.
  • Niederländisch: Under Alba's regime, approximately 1,100 persons were arrested, condemned, and executed, while another 8,950 to 9,000 were condemned to death in absentia.
  • Deutsch: Under Alba's Council of Troubles, 1,037 rebels were executed.
  • Finnisch: During Alba's governorship, 18,000 people were executed.
  • Polnisch: Around 6,000 rebels were executed during Alba's campaign of repression.
Authenticity of the 16 February 1568 Roman Inquisition death sentence on all Netherlanders
  • Dänisch: On 16 February 1568, the Pope and the Inquisition declared all inhabitants of the Netherlands heretics condemned to death, confirmed ten days later by Philip II.
  • Deutsch: The claim that the Roman Inquisition under Pope Pius V issued a decree on 16 February 1568 sentencing all three million Netherlanders to death for heresy is based on a historical forgery.
  • Serbisch (Lateinisch): In 1568, Philip II sentenced the entire population of the Netherlands to death, representing the most extensive legal act of its kind in history.
Quellen (73 Wikipedia-Versionen)

Die nicht-englischsprachigen Ausgaben, insbesondere die niederländische (nl), katalanische (ca), niederdeutsche (nds_nl) und französische (fr), fügen erhebliche operative, institutionelle und demografische Details hinzu, die im englischen Artikel fehlen. Sie liefern spezifische Statistiken zu den massiven Flüchtlingsmigrationen aus den südlichen Städten (wie Hondschoote, das von 18.000 Einwohnern auf 385 schrumpfte, und den südlichen Emigranten, die 1622 67 % von Leiden ausmachten), dokumentieren die Geheimdiplomatie zwischen Wilhelm von Oranien und dem Osmanischen Reich über Joseph Nasi und beschreiben einzelne Feldzüge wie die überraschende Einnahme von Wesel 1629 und die Seegefechte bei Kallo, Gibraltar und den Downs. Darüber hinaus schildern die niederländischen und deutschen Ausgaben die internen politischen und rechtlichen Debatten der Republik der Vereinigten Niederlande, darunter die Deductie von François Vranck, das Friedensmanövrieren des Bicker-De-Graeff-Clans in Amsterdam und die kritischen historiographischen Schulen von Fruin, Nuyens und Geyl.

Zusammengefügt aus den untenstehenden Wikipedia-Artikeln, jeweils fixiert auf die am 26. September 2026 gelesene Revision. Zusammen enthalten sie 396 Referenzen; der englische Artikel allein hat 10.

AusgabeArtikelRevisionGrößeQuellen
EnglischEighty Years' War137393541233.8 KB10
NiederländischTachtigjarige Oorlog71686907111.7 KB10
KatalanischGuerra dels Vuitanta Anys3831048590.5 KB64
FranzösischGuerre de Quatre-Vingts Ans23922100890.3 KB59
BulgarischОсемдесетгодишна война1276643181.6 KB16
RussischНидерландская революция15412105977.3 KB10
NiedersächsischTachtigjoarigen Oorlog32942072.2 KB2
KasachischНидерланд буржуазиялық революциясы355560659.8 KB0
SpanischGuerra de los Ochenta Años17541501452.2 KB3
ItalienischGuerra degli ottant'anni14887464150.6 KB11
RumänischRăzboiul de Optzeci de Ani1610109248.5 KB1
Arabischحرب الثمانين عاما7668533147.9 KB10
UngarischNémetalföldi szabadságharc2935596245.4 KB39
AlbanischLufta Tetëdhjetë Vjeçare304742442.5 KB39
Hebräischהמרד ההולנדי4373947941.2 KB1
AsturischGuerra de los Ochenta Años453422039.6 KB2
Koreanisch네덜란드 독립 전쟁4192564537.1 KB29
GalicischGuerra de Flandres743745428.9 KB0
Chinesisch八十年戰爭9213623828.5 KB8
Ägyptisches Arabischحرب التمانين سنه1321380724.4 KB4
SerbischОсамдесетогодишњи рат3106062824.3 KB12
DeutschAchtzigjähriger Krieg26583637323.0 KB8
Hindiअस्सी वर्षीय युद्ध624134321.6 KB4
TürkischSeksen Yıl Savaşı3721154419.9 KB10
AserbaidschanischSəksənillik müharibə898046719.6 KB0
GriechischΟγδοηκονταετής Πόλεμος1166004017.8 KB0
IsländischÁttatíu ára stríðið196026716.7 KB7
MazedonischОсумдесетгодишна војна510444115.4 KB7
Japanisch八十年戦争11034406414.8 KB4
PolnischWojna osiemdziesięcioletnia8048825213.6 KB0
UkrainischВісімдесятирічна війна (1568—1648)4748643012.1 KB4
PortugiesischGuerra dos Oitenta Anos7172289711.1 KB0
BaskischLaurogei Urteko gerra1044458410.9 KB0
Norwegisch (Nynorsk)Åttiårskrigen299836110.9 KB0
Persischجنگ هشتادساله4432374510.9 KB1
Serbisch (Lateinisch)Nizozemska revolucija4239441110.1 KB1
NorwegischÅttiårskrigen246373659.6 KB0
FinnischKahdeksankymmenvuotinen sota233784449.3 KB2
KroatischOsamdesetogodišnji rat70004999.0 KB3
VietnamesischChiến tranh Tám Mươi Năm690625568.4 KB1
DänischFirsårskrigen121264528.4 KB0
EstnischKaheksakümneaastane sõda68587078.3 KB5
WestfriesischTachtichjierrige Oarloch12268017.9 KB0
AlbanischAchtzigjähriger Krieg9342337.7 KB0
Georgischნიდერლანდების რევოლუცია48819717.6 KB1
AfrikaansTagtigjarige Oorlog28785497.0 KB0
SchwedischNederländska frihetskriget571003826.8 KB2
TschechischOsmdesátiletá válka242303166.4 KB1
Thailändischสงครามแปดสิบปี127551035.9 KB1
Bengalischওলন্দাজ বিদ্রোহ67320215.4 KB1
LettischNīderlandes Neatkarības karš42938964.0 KB0
WestflämischTachtigjoarign Oorlog3078494.0 KB0
Tamilஎண்பதாண்டுப் போர்26962733.6 KB1
MalaiischPerang Lapan Puluh Tahun56282003.5 KB1
IndonesischPerang Delapan Puluh Tahun285922813.3 KB0
SlowakischNizozemská revolúcia78247343.1 KB0
azbسکسن ایللیک ساواش6374432.9 KB0
LimburgischTachtigjaorige Oorlog4743882.3 KB0
LuxemburgischAchtzegjärege Krich26272372.0 KB0
OkzitanischGuèrra d'Ochanta Ans24676471.8 KB0
EsperantoOkdekjara Milito83926451.7 KB0
zh_yue八十年戰爭21911941.5 KB0
Uigurischسەكسەن يىللىق ئۇرۇش1677191.4 KB0
BretonischBrezel ar Pevar-Ugent Vloaz21115091.3 KB0
PapiamentoGuera di Ochenta Aña1968981.3 KB0
Newariचेदंयागु युद्ध10687941.1 KB0
zh_min_nanPeh-cha̍p-nî Chiàn-cheng32573480.9 KB0
simpleEighty Years' War95279400.8 KB0
SlowenischNizozemska osamosvojitvena vojna62040710.7 KB0
SeeländischTachtigjaerige Oôrlog1791830.7 KB0
Wu八十年战争2730250.6 KB0
SundanesischPerang Dalapan Puluh Taun4954610.5 KB1
WarayKawaloan ka tuig nga gyera55905840.3 KB0
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Literatur und Quellen

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  21. Groenveld 2020, p. 104–105.
  22. Groenveld 2020, p. 104.
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  24. Stipriaan, René van (2021): De Zwijger. Het leven van Willem van Oranje blz. 330
  25. Denys et Paresys, page 49.
  26. Quilliet 1994, p. 121.
  27. Pieter (2001).
  28. Quilliet 1994, p. 216.
  29. Quilliet 1994, p. 217.
  30. Quilliet 1994, p. 218.
  31. Quilliet 1994, p. 221.
  32. Quilliet 1994, p. 220.
  33. Quilliet 1994, p. 222.
  34. Schulze Schneider, Ingrid (2008). La leyenda negra en España - Propaganda en la guerra de Flandes (1566-1584). Editorial Complutense. p. 8. ISBN 978-84-7491-928-8.
  35. Erich Kuttner, Het hongerjaar 1566 (1949).
  36. Quilliet 1994, p. 291.
  37. Groenveld 2020, p. 125–126.
  38. Quilliet 1994, p. 285.
  39. Термин «компромисс» является устоявшимся, но чрезмерно буквальным переводом французского термина compromis, который в данном контексте означает скорее «соглашение».
  40. Quilliet 1994, p. 286.
  41. La phrase exacte prononcée par Berlaymont est sujette à controverse. Cf. page néerlandaise Geuzen (Tachtigjarige Oorlog).
  42. Putnam, R. (1911) William the Silent, Prince of Orange (1533—1584) and the Revolt of the Netherlands, pp. 161f
  43. Quilliet 1994, p. 288-289.
  44. Soen, Violet «The Beeldenstorm and the Spanish Habsburg Response (1566-1570)» (en anglès). Low Countries Historical Review, 131, 1, 2016, p. 105.
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  54. Le burgraviat d'Anvers était une institution remontant au Saint-Empire.
  55. Israel 2001, p. 164. (Israel, Jonathan (2001). De Republiek 1477–1806. Uitgeverij Van Wijnen, Franeker. ISBN 9789051941326.)
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  107. La « reine Margot », sœur de Henri III, épouse de Henri de Navarre, venue aux Pays-Bas pour une cure à Spa, mais aussi pour promouvoir les intérêts de son frère François d'Anjou, qui est au contact de certains Néerlandais.
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  133. « SCAVOIR FAISONS, que consideré ce que dessus, & l'extrême necessité nous pressant, comme a esté dit, nous avons, par commun Accord, déliberation & consentement, déclaré & déclarons le Roy d'Espaigne decheu, ipso Jure, de sa Souveraineté, Droit & Héritage de ces Pays. » Texte traduit en français par Emmanuel de Meteren, L'histoire des Pays-Bas d'Emanuel de Meteren, Hillebrant Jacobz Wou imprimeur ordinaire des illust. seign. Estats Generaux, 1618 (lire en ligne).
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  144. Във връзка с това българският историк Борислав Гаврилов пише: „Политиката, която Елизабет следва в този момент, цели поддържането на бунта в такова състояние, че да ангажира Филип колкото се може по-дълго.“ Виж Борислав Гаврилов, Война и мир. Кризи, войни и дипломация в Европа (1559 – 1918), София 2016, с. 84
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  151. L'Espagne parvint toutefois à reprendre au fil des années le contrôle des mers, multiplia ses importations d'or et d'argent depuis l'Amérique, ce qui lui permit pour quelques décennies encore de limiter l'expansion de l'Angleterre et de la France.
  152. Fruin 1899, p. 3. (Fruin, Robert Jacobus (1899). Tien jaren uit den Tachtigjarigen Oorlog. 1588–1598. The Hague: Martinus Nijhoff. p. 386. Archived from the original on 24 September 2009. Retrieved 28 July 2022.)
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