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Haus Habsburg-Lothringen

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Inhalt
  1. (Nach oben)
  2. Ursprünge und dynastische Union
  3. Österreichischer Erbfolgekrieg und kaiserliche Erhebung
  4. Regierungszeiten von Joseph II. und Leopold II.
  5. Napoleonische Kriege und das Kaisertum Österreich
  6. Der Vormärz und die Revolutionen von 1848
  7. Ungarischer Unabhängigkeitskrieg und Vergeltung
  8. Die Bach-Ära und Verfassungskrisen
  9. Der Ausgleich und die Doppelmonarchie
  10. Innere Entwicklung und Krisen des Doppelstaates
  11. Außenpolitik und der Erste Weltkrieg
  12. Fall der Monarchie und Karl I.
  13. Nebenlinien und zugehörige Territorien
  14. Hausgesetz und morganatische Linien
  15. Rechtlicher Status in den Nachfolgestaaten
  16. Die zeitgenössische Dynastie
  17. Heraldik
  18. Literatur und Quellen
Haus Habsburg-Lothringen
StammhausHaus Lothringen (agnatisch), Haus Habsburg (kognatisch)
GründerMaria Theresia von Österreich und Franz I., Heiliger Römischer Kaiser
Aktuelles OberhauptKarl von Habsburg
Gründungsjahr1736
Absetzung1918 (Österreich-Ungarn), 1867 (Mexiko), 1859–1860 (italienische Herzogtümer)
NebenlinienHabsburg-Toskana, Österreich-Este, Habsburg-Teschen, Hohenberg
WahlspruchA.E.I.O.U. und Viribus Unitis
Primäre TitelHeiliger Römischer Kaiser, Kaiser von Österreich, König von Ungarn, König von Böhmen

Das Haus Habsburg-Lothringen ist eine europäische Kaiser- und Königsdynastie, die 1736 durch die Heirat der Erzherzogin Maria Theresia von Österreich, der Erbin des Hauses Habsburg, und Franz Stephans, des Herzogs von Lothringen, begründet wurde. Die Dynastie regierte das Heilige Römische Reich, das Kaisertum Österreich, die Österreichisch-Ungarische Monarchie, das Königreich Ungarn, das Königreich Böhmen, das Großherzogtum Toskana, das Herzogtum Modena und Reggio sowie das Zweite Mexikanische Kaiserreich. Nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1918 in Mitteleuropa abgesetzt, besteht die Familie unter dem Oberhaupt Karl von Habsburg fort.

Ursprünge und dynastische Union

Das Haus Lothringen führt seine traditionellen Ursprünge auf die Gerardiner zurück, abstammend von Gerhard I., Graf von Paris, der 779 starb.[1] Die Matfriedinger des 10. Jahrhunderts wurden ebenfalls als ein Zweig dieser Familie angesehen, die die Grafschaft Metz innehatten und Gebiete in ganz Elsass und Lothringen verwalteten.[1] Während der Renaissance beanspruchten die regierenden Herzöge eine Abstammung von Karl dem Großen, obwohl frühe genealogische Verbindungen konjektural bleiben.[1][2] Im Jahr 1048 verlieh der Heilige Römische Kaiser Heinrich III. das Herzogtum Oberlothringen an Adalbert von Metz und anschließend an dessen Bruder Gerhard, dessen Nachkommen als das Haus Elsass oder das Haus Châtenois bekannt waren.[3] Die Hauptlinie behielt die Kontrolle über das Herzogtum bis 1431, als Karl II. ohne männliche Erben starb.[3] Das Herzogtum ging daraufhin durch seine Tochter Isabella an ihren Ehemann René von Anjou und von diesen an deren Enkel Nikolaus I. über. Nach Nikolaus' Tod ohne männliche Erben 1473 fiel die Erbfolge an René II., den Sohn von Nikolaus' Tante Yolande und Friedrich II., Graf von Vaudémont, wodurch Lothringen mit der Nebenlinie Vaudémont und Bar vereint wurde.[4]

Während der Französischen Religionskriege stieg eine Nebenlinie der Familie, das Haus Guise, begründet von René II.s jüngerem Sohn Claude, Herzog von Guise, in der französischen Hofpolitik zur Vormachtstellung auf und erlangte während der Regentschaft Heinrichs III. fast den französischen Thron.[5] Im 17. Jahrhundert führte die imperialistische Expansion Ludwigs XIV. zwischen 1669 und 1697 zur französischen militärischen Besetzung Lothringens. Dies zwang Herzog Karl V. ins Exil nach Österreich, wo er Eleonore, die Tochter des Heiligen Römischen Kaisers Ferdinand III., heiratete. Ihr Sohn Leopold wurde 1697 durch den Frieden von Rijswijk in das Herzogtum eingesetzt und heiratete im Anschluss Élisabeth Charlotte d’Orléans, eine Nichte Ludwigs XIV. Ihr Sohn Franz Stephan trat 1729 als Herzog Franz III. von Lothringen die Nachfolge an.

Das Haus Habsburg verdankt seinen Namen der in den 1020er Jahren von Graf Radbot aus dem Klettgau im Schweizer Aargau errichteten Habsburg. Sein Enkel Otto II. nahm als Erster den Titel Graf von Habsburg an. 1273 wurde Radbots Nachkomme Rudolf von Habsburg zum Römisch-Deutschen König gewählt, womit die dynastische Machtbasis auf das Herzogtum Österreich verlegt wurde. Der Heilige Römische Kaiser Karl VI. war der letzte Monarch der österreichischen Habsburger in direkter männlicher Linie. Nachdem er seinen einzigen im Säuglingsalter verstorbenen Sohn Leopold verloren hatte und das Aussterben der männlichen Linie voraussah, erließ Karl VI. am 19. April 1713 die Pragmatische Sanktion, welche eine unteilbare Erbfolge in weiblicher Linie festsetzte. Durch dieses Instrument wurde seine älteste Tochter, Erzherzogin Maria Theresia, zur Erbin der habsburgischen Erbländer einschließlich Österreichs, Böhmens und Ungarns bestimmt.

Karl VI. arrangierte die Heirat Maria Theresias mit Franz Stephan von Lothringen. Um die französische Zustimmung zu dieser Verbindung zu erlangen und das europäische Gleichgewicht zu wahren, mündeten diplomatische Verhandlungen nach dem Polnischen Erbfolgekrieg in einen Gebietstausch. Franz Stephan trat sein angestammtes Herzogtum Lothringen und Bar an Stanisław Leszczyński ab, den abgesetzten König von Polen und Schwiegervater Ludwigs XV., unter der Maßgabe, dass es nach Leszczyńskis Tod an Frankreich fallen würde. Als Kompensation erhielt Franz Stephan die Anwartschaft auf das Großherzogtum Toskana, wo die Medici-Dynastie kurz vor dem Aussterben stand, sowie das Herzogtum Teschen. Franz Stephan behielt die erblichen Titel eines Herzogs von Lothringen und Bar und übertrug sie auf seine Nachkommenschaft. Die Hochzeit wurde am 12. Februar 1736 in Wien gefeiert und begründete das Haus Habsburg-Lorraine.

Österreichischer Erbfolgekrieg und kaiserliche Erhebung

Nach dem Tod Kaiser Karls VI. im Jahr 1740 übernahm Maria Theresia gemäß der Pragmatischen Sanktion die Herrschaft über die habsburgischen Erbländer.[6] Ihre Thronbesteigung wurde sofort von einer Koalition aus Preußen, Frankreich, Spanien, Bayern und Sachsen angefochten, was den Österreichischen Erbfolgekrieg auslöste.[6][7] König Friedrich II. von Preußen fiel in die österreichische Provinz Schlesien ein, einem wohlhabenden Bergbau- und Textilzentrum in den böhmischen Kronländern. Der österreichische Staat sah sich organisatorischer Desorganisation und erschöpften Finanzen gegenüber, wodurch Maria Theresia gezwungen war, ihr Erbe gegen vereinte fremde Armeen zu verteidigen.

1742 wurde Karl Albrecht, Kurfürst von Bayern, mit französischer Unterstützung als Karl VII. einstimmig zum Heiligen Römischen Kaiser gewählt, wodurch eine dreihundertjährige ununterbrochene Besetzung des Kaiserthrons durch die Habsburger unterbrochen wurde.[8] Jedoch starteten österreichische Armeen Gegenoffensiven, vertrieben bayrische Truppen aus Böhmen und besetzten Bayern selbst. Als Karl VII. 1745 starb, sicherte Maria Theresia am 13. September 1745 die Wahl ihres Ehemanns Franz Stephan zum Heiligen Römischen Kaiser Franz I. Der Frieden von Aachen beendete 1745 bzw. 1748 den Konflikt und bestätigte formell die Pragmatische Sanktion sowie die internationale Anerkennung der Herrschaft der neuen Dynastie, obwohl Österreich gezwungen war, Schlesien an Preußen sowie Parma, Piacenza und Guastalla an die spanischen Bourbonen abzutreten.

Entschlossen, Schlesien zurückzuerobern, leitete Maria Theresia durch ihren Staatskanzler Wenzel Anton von Kaunitz die Diplomatische Revolution von 1756 ein, schloss ein Bündnis mit Frankreich und beendete jahrhundertelange habsburgisch-bourbonische Feindschaften. Der darauffolgende Siebenjährige Krieg zwischen 1756 und 1763 brachte zwar keine Rückgewinnung Schlesiens, aber das französische Bündnis führte zu zahlreichen politischen Eheschließungen zwischen den Kindern Franz' I. und Maria Theresias und den bourbonischen Höfen Frankreichs, Spaniens, Neapels und Palmas. Ihre Töchter Marie Antoinette und Maria Carolina wurden Königinnen von Frankreich beziehungsweise Neapel-Sizilien. Diese wiederholten unter engen Verwandtschaftsgraden stattgefundenen Eheschließungen führten zu hoher Kindersterblichkeit und körperlichen Gebrechen bei mehreren Nachkommen, während sie gleichzeitig kleinere deutsche Fürstentümer entfremdeten, die sich zunehmend nach Preußen als Führungsmacht orientierten.

Regierungszeiten von Joseph II. und Leopold II.

Nach dem Tod Kaiser Franz' I. im Jahr 1765 wurde sein ältester Sohn Joseph II. zum Heiligen Römischen Kaiser gewählt und fungierte bis zum Tod seiner Mutter im Jahr 1780 als Mitregent in den österreichischen Ländern. Joseph II. setzte weitreichende Reformen im Sinne des aufgeklärten Absolutismus um, modernisierte die Verwaltung und beschnitt die Privilegien der Römisch-Katholischen Kirche. In Ungarn weigerte sich Joseph II., sich mit der Heiligen Stephanskrone krönen zu lassen, um den obligatorischen Krönungseid, der die Verfassung des Feudalismus und ständische Privilegien schützte, nicht leisten zu müssen, was ihm den Beinamen der hütchentragende König (kalapos király) einbrachte. 1784 befahl er, die Heilige Krone als Museumsstück nach Wien zu bringen.

Joseph II. erließ 1781 das Toleranzpatent, das Protestanten und östlich-orthodoxen Christen Religionsfreiheit und den Zugang zu Zivilämtern auf Augenhöhe mit Römisch-Katholiken gewährte. 1782 lösten seine Säkularisationsdekrete kontemplative Orden auf, die sich weder der Lehre noch der Krankenpflege widmeten, und konfiszierten deren Eigentum; ein außerordentlicher Besuch von Papst Pius VI. in Wien konnte diese Maßnahmen nicht rückgängig machen. 1784 dekretierte er Deutsch als einzige Amtssprache zur Vereinheitlichung der bürokratischen Effizienz, was beim ungarischen Adel Empörung hervorrief. Er ordnete 1784 eine Volkszählung und 1786 eine Landesaufnahme an, welche die Stände als Vorbereitungen für eine allgemeine Besteuerung auslegten. 1785 schaffte Joseph das historische ungarische Komitatsverwaltungssystem ab, indem er Ungarn in zehn und Siebenbürgen in drei Verwaltungbezirke unter königlichen Kommissaren einteilte, während die Zentralverwaltung durch den Statthalterrat in Ofen gelenkt wurde.

Der blutige Horea-Cloșca-Bauernaufstand von 1784 in Siebenbürgen veranlasste Joseph II. zum Erlass des Untertanenpatents von 1785, das Bauern Freizügigkeit, das Recht auf Privateigentum und Grundbesitzsicherheit verlieh. 1788 trat Joseph im Bündnis mit Katharina II. von Russia in den Russisch-Österreichischen Türkenkrieg ein, was Ungarn schwere Liefer- und Einquartierungslasten aufbürdete. Als die Stände zusätzliche Steuern verweigerten, nahmen ungarische Führer geheime Verhandlungen mit König Friedrich Wilhelm II. von Preußen auf, um einem preußischen Prinzen die ungarische Krone anzubieten. Der Ausbruch der Französischen Revolution 1789 bedrückte Joseph II. und veranlasste ihn auf seinem Sterbebett 1790 dazu, sämtliche seine Dekrete bezüglich Ungarns mit Ausnahme des Toleranzpatents und des Untertanenpatents zu widerrufen.

Joseph II. starb 1790 ohne überlebende Nachkommen und wurde von seinem jüngeren Bruder Leopold II. beerbt, der zuvor die Toskana als Großherzog Pietro Leopoldo I. regiert hatte. In der Toskana hatte Leopold die Finanzen reformiert, psychiatrische Einrichtungen eröffnet und 1786 ein Strafgesetzbuch erlassen, das die Toskana zum ersten Staat Europas machte, der die Todesstrafe abschaffte. Angesichts von Unruhen in Ungarn und Belgien bei seinem Regierungsantritt schloss Leopold am 27. Juli 1790 die Reichenbacher Konvention mit Preußen ab, womit die preußische Unterstützung für den ungarischen Adelswiderstand neutralisiert wurde. Er beendete den osmanischen Krieg durch den Frieden von Sistowa am 4. August 1791 und verzichtete auf Gebietsgewinne. Leopold ließ die Heilige Krone feierlich nach Ofen zurückbringen, wurde in Pressburg zum König von Ungarn gekrönt und ernannte seinen Sohn Erzherzog Alexander Leopold zum Palatin von Ungarn.

Leopold bestätigte die religiösen Zugeständnisse des Wiener Friedens von 1606 und des Linzer Friedens von 1645, was Beschwerden katholischer Prälaten hervorrief. Zusammen mit dem König von Preußen gab Leopold im August 1791 die Pillnitzer Deklaration heraus, in der europäische Mächte ermahnt wurden, der französischen Monarchie ohne unmittelbare militärische Intervention beizustehen. Als er die französische Radikalisierung in Richtung Konflikt eskalieren sah, schloss er am 7. Februar 1792 ein Verteidigungsbündnis mit Preußen. Leopold II. starb am 1. März 1792 plötzlich, kurz bevor Frankreich Österreich den Krieg erklärte.

Napoleonische Kriege und das Kaisertum Österreich

Franz II. wurde 1792 nach dem Tod seines Vaters Leopold II. in Frankfurt zum Heiligen Römischen Kaiser gekrönt. Als die französische Revolutionsregierung König Ludwig XVI. und Königin Marie Antoinette hrichtete, bildete Franz die Erste Koalition mit Großbritannien, Preußen, Spanien und Sardinien. Französische Armeen unter Napoleon Bonaparte besiegten österreichische Streitkräfte wiederholt in Norditalien.[9] Im Frieden von Campo Formio 1797 trat Österreich die Österreichischen Niederlande und die Lombardei an Frankreich ab, während es Venetien, Istrien und Dalmatien erwarb. In Ungarn wurde 1794 eine unterirdische jakobinische Bewegung unter Führung von Ignác Martinovics aufgedeckt, was 1795 zur Hinrichtung von sieben Verschwörern in Ofen führte. Als Reaktion darauf erweiterte Franz die Geheimpolizei und eine strenge Zensur, während er sich die Loyalität des ungarischen Adels durch die Bestätigung traditioneller Steuerbefreiungen sicherte.

Kriegsausgaben zwangen die österreichische Staatskasse zur Ausgabe ungedeckten Papiergelds, was zu schwerer Inflation führte. Obwohl adelige Grundbesitzer anfangs davon profitierten, dass sie Getreide zu überhöhten Preisen verkauften und Schulden mit abgewerteten Noten beglichen, vernichteten staatliche Währungsabwertungen in den Jahren 1811 und 1816 die Finanzreserven. Das ungarische Adelsaufgebot (nemesi felkelés) zog 1809 gegen Napoleon ins Feld und erlitt in der Schlacht bei Raab (Kismegyer) eine Niederlage. Verstimmt durch adelige Beschwerden über die Geldpolitik, berief Franz II. den ungarischen Landtag zwischen 1812 und 1825 nicht ein.

Am 18. Ausgust 1804 nahm Napoleon Bonaparte den Titel Kaiser der Franzosen an. Aus Furcht vor der drohenden Auflösung des Heiligen Römischen Reiches und im Streben nach Parität mit Frankreich proklamierte Franz II. am 11. August 1804 das erbliche Kaisertum Österreich und nahm den Titel Franz I., Kaiser von Österreich, an. 1805 schloss sich Österreich Großbritannien, Russland und Schweden in der Dritten Koalition an. Nach der Niederlage österreichischer und russischer Armeen in der Schlacht bei Austerlitz am 2. Dezember 1805 unterzeichnete Österreich den Pressburger Frieden, wobei es Venetien an das Königreich Italien und Tirol an Bayern abtrat. Im Juli 1806 gründeten sechzehn deutsche Staaten den Rheinbund unter französischem Schutz. Am 6. August 1806 dankte Franz II. als Heiliger Römischer Kaiser ab und löste das Reich auf.

Nach Napoleons endgültiger Niederlage bei Waterloo 1815 ordnete der Wiener Kongress Europa unter der Führung von Staatskanzler Klemens von Metternich neu.[10] Österreich erhielt die Lombardei, Venetien, Dalmatien, Istrien und Salzburg zurück, errichtete das Königreich Lombardo-Venetien und übernahm den Vorsitz im neuerbauten Deutschen Bund. Im September 1815 bildeten Österreich, Russland und Preußen die Heilige Allianz zur Aufrechterhaltung der konservativen monarchischen Ordnung und zur Unterdrückung revolutionärer Unruhen in ganz Europa.[10] Franz I. hielt bis zu seinem Tod am 2. März 1835 an strenger innerer Überwachung und Zentralverwaltung fest.

Der Vormärz und die Revolutionen von 1848

Franz I. wurde 1835 von seinem ältesten Sohn Ferdinand I. (Ferdinand V. als König von Ungarn und Böhmen) beerbt. Aufgrund schwerer Epilepsie und neurologischer Beeinträchtigungen war Ferdinand regierungsunfähig, womit die Staatsgewalt in den Händen einer Geheimen Staatskonferenz lag, die von Metternich, Graf Franz Anton von Kolowrat-Liebsteinsky und Erzherzog Ludwig geleitet wurde. In Ungarn erzwang der Komitätswiderstand die Wiederberufung des Landtags im Jahr 1825, was den Beginn der ungarischen Reformzeit markierte. Graf István Széchenyi bot ein volles Jahreseinkommen seiner Güter an, um die Ungarische Akademie der Wissenschaften (Tudós Társaság) zu gründen. Der Landtag von 1830 erhob das Ungarische zur Gerichtssprache, und der Landtag von 1832–1836 debattierte im Zuge des Choleraaufstands von 1831 über die Aufhebung der Leibeigenschaft. Der Landtag von 1843–1844 etablierte das Ungarische als alleinige offizielle Staatssprache des Königreichs Ungarn.

Die europäischen Revolutionen von 1848 begannen am 13. März 1848 in Wien und erzwangen den Rücktritt und die Flucht von Kanzler Metternich. Kaiser Ferdinand versprach eine Verfassung und Pressefreiheit. Am 15. März brach in Pest eine unblutige Revolution aus, in deren Verlauf die Märzjugend die Zwölf Punkte sowie Sándor Petőfis Nemzeti dal veröffentlichte. Am 11. April 1848 sanktionierte Ferdinand die Aprilgesetze, die eine verantwortliche ungarische parlamentarische Regierung unter Ministerpräsident Graf Lajos Batthyány, allgemeine Besteuerung, die Aufhebung der Leibeigenschaft mit staatlicher Entschädigung sowie Pressefreiheit einführten. Am 30. Mai 1848 stimmte der Siebenbürgische Landtag für die Vereinigung mit Ungarn, die Ferdinand am 10. Juni sanktionierte, wodurch der Sonderstatus Siebenbürgens, den es seit 1691 unter dem Diploma Leopoldinum besessen hatte, beendet wurde.

Die Hofkamarilla in Wien, bestehend aus Erzherzogin Sophie, Fürst Felix zu Schwarzenberg und Militärkommandanten, beschloss, die ungarischen Verfassungszugeständnisse rückgängig zu machen. Der Hof unterstützte Graf Josip Jelačić, den Ban von Kroatien, der die Beziehungen zur ungarischen Regierung brach.[11] Am 11. September 1848 überschritten Jelačićs Truppen den Fluss Drau nach Ungarn. Das Kabinett Batthyány trat zurück, und die exekutive Gewalt ging an den Landesverteidigungsausschuss (Országos Honvédelmi Bizottmány) unter dem Vorsitz von Lajos Kossuth über. Graf Franz Philipp von Lamberg, der ohne ungarische Gegenzeichnung zum kaiserlichen Militärbefehlshaber in Ungarn ernannt worden war, wurde am 28. September von einer Menge auf der Pester Kettenbrücke gelyncht. Am 29. September besiegte die ungarische Armee Jelačić in der Schlacht bei Pákozd.

Ferdinand löste am 3. Oktober 1848 den ungarischen Landtag auf und stellte Ungarn unter Kriegsrecht. Am 6. Oktober brach in Wien eine dritte Revolution aus, bei der eine aufständische Menge den kaiserlichen Kriegsminister Graf Theodor Baillet von Latour lynchte. Die kaiserliche Familie floh nach Olmütz, während Feldmarschall Fürst Alfred zu Windisch-Grätz Wien unter Beschuss nahm und zur Unterwerfung zwang sowie eine anrückende ungarische Hilfstruppe am 30. Oktober bei Schwechat besiegte. In der Überzeugung, dass Ferdinands Verfassungseide ein entschlossenes Vorgehen verhinderten, fingierte die Hofpartei am 2. Dezember 1848 seine Abdankung in Olmütz. Ferdinands Bruder Erzherzog Franz Karl verzichtete auf seine Thronansprüche, so dass Franz Karls achtzehnjähriger Sohn als Kaiser Franz Joseph I. den Thron besteigen konnte.

Ungarischer Unabhängigkeitskrieg und Vergeltung

Der ungarische Landtag weigerte sich, Franz Josephs Thronbesteigung anzuerkennen, mit dem Argument, dass Ferdinand bis zu einer ordnungsgemäßen Nachfolge und der Leistung eines Krönungseides der rechtmäßige König bleibe. Windisch-Grätz besetzte im Januar 1849 Ofen und Pest, während die ungarische Regierung nach Debrezin umzog. Am 4. März 1849 erließ Franz Joseph die oktroyierte Olmützer Verfassung, die Ungarn, Siebenbürgen, Kroatien und die Serbische Woiwodschaft als Kronländer in ein geeintes, zentralisiertes Kaisertum Österreich einordnete. Als Reaktion darauf leitete General Artúr Görgei im April 1849 den Frühjahrsfeldzug ein, befreite Ofen und trieb österreichische Truppen nach Westen, während General Józef Bem Siebenbürgen säuberte.

Ermutigt durch militärische Triumphe und als Reaktion auf die Olmützer Charta schlug Kossuth die vollständige Unabhängigkeit vor. Am 14. April 1849 proklamierte der ungarische Landtag in der Großen Kirche von Debrezin die Absetzung des Hauses Habsburg-Lorraine und wählte Kossuth zum Gouverneur-Präsidenten.[12] Die Unabhängigkeitserklärung wurde am 19. April ratifiziert.[12] Jedoch priorisierten europäische Mächte die Aufrechterhaltung des Kaisertums Österreich als Gegengewicht in Mitteleuropa und verweigerten der ungarischen Republik die diplomatische Anerkennung.[13] Am 21. Mai 1849 schloss Franz Joseph in Warschau mit Zar Nikolaus I. ein Abkommen über eine russische Militärintervention nach den Bedingungen der Heiligen Allianz ab.[14]

Im Juni 1849 fiel eine russische Armee von 200.000 Mann unter Feldmarschall Iwan Paskewitsch in Nordungarn ein, während eine von General Julius Jacob von Haynau kommandierte österreichische Truppe von 170.000 Mann von Westen vorrückte. Unterlegen erlitten die 152.000 ungarischen Soldaten Niederlagen. Am 9. August 1849 besiegte Haynau Bem in der Schlacht bei Temeswar. Kossuth übergab am 11. August die zivile und militärische Gewalt an General Görgei und floh in das Osmanische Reich. Am 13. August 1849 kapitulierte Görgei bedingungslos vor dem russischen General Theodor von Rüdiger bei Világos.

Am 20. August 1849 dekretierte der kaiserliche Ministerrat unter Franz Joseph und Felix zu Schwarzenberg, dass politische Anführer und ehemalige österreichische Offiziere, die der ungarischen Sache gedient hatten, vor ein Kriegsgericht gestellt werden sollten. Haynau erhielt die volle Vollmacht zur Vollstreckung von Todesurteilen ohne vorherige ministerielle Überprüfung.[15][16] Am 6. Oktober 1849, dem Jahrestag von Latours Tod, wurde der ehemalige Ministerpräsident Graf Lajos Batthyány in Pest durch ein Erschießungskommando hingerichtet, während dreizehn hochrangige ungarische Generäle, bekannt als die Märtyrer von Arad, in Arad gehängt oder erschossen wurden.[17] Zwischen 100 und 130 Personen wurden während der Nachkriegsvergeltung hingerichtet. Die Vergeltung empörte die europäische Öffentlichkeit, und am 6. Juli 1850 rief die kaiserliche Regierung Haynau zurück und schickte ihn in den Ruhestand mit der Begründung, er habe seine Vollmachten überschritten.

Die Bach-Ära und Verfassungskrisen

Nach der Niederschlagung der Revolutionen von 1848 richtete Österreich ein zentralisiertes bürokratisches Regim ein, das als Neoabsolutismus bekannt wurde. Am 31. Dezember 1851 widerrief Franz Joseph die nicht umgesetzte Olmützer Verfassung förmlich durch das Silvesterpatent und errichtete eine uneingeschränkte autokratische Herrschaft. Innenminister Alexander von Bach organisierte einen Verwaltungsapparat, der mit ortsfremden deutschen und tschechischen Beamten besetzt war, die abwertend als Bach-Husaren bezeichnet wurden. In Ungarn ging ein großer Teil des Grundadels unter der Führung von Ferenc Deák in den passiven Widerstand, verweigerte Staatsämter und Steuerzahlungen. Trotz politischer Repression modernisierte das Regime den Gerichtskodex, vereinheitlichte Maße und Gewichte, legte Grundbücher an und bestätigte die Abschaffung der bäuerlichen Untertänigkeit durch das Urbarmandat von 1853. 1851 wurde die von Maria Theresia eingeführte Binnengrenze zwischen Österreich und Ungarn beseitigt.[18]

Österreichische außenpolitische Fehleinschätzungen untergruben den neoabsolutistischen Rahmen. Während des Krimkriegs von 1853–1856 mobilisierte Franz Joseph Truppen an der russischen Grenze und verbündete sich diplomatisch mit Großbritannien und Frankreich, womit er Österreichs langjähriges Bündnis mit Russland zerriss, ohne westliche Unterstützung zu gewinnen.[19] 1859 führte Österreich den Zweiten Italienischen Unabhängigkeitskrieg gegen das Königreich Sardinien und Frankreich unter Napoleon III. Geschlagen bei Magenta und Solferino, unterzeichnete Österreich den Waffenstillstand von Villafranca und verlor die Lombardei. Die militärische Niederlage brachte die Staatskasse an den Rand des Bankrotts und diskreditierte das Ministerium Bach.

Im Oktober 1860 erließ Franz Joseph das Oktoberdiplom, das einen föderalen Rahmen einführte und Provinziallandtage wiederbelebte. Ungarische Politiker lehnten das Diplom ab, weil es die Wiederherstellung der Rechtsordnung von 1848 verfehlte. Im Februar 1861 erließ Staatsminister Anton von Schmerling das Februarpatent, das einen zentralisierten zweikammerigen Reichsrat schuf. Als der ungarische Landtag 1861 zusammentrat, spachten sich die Mitglieder zwischen der von Graf László Teleki angeführten Resolutionspartei, die Verhandlungen mit dem Monarchen verweigerte, und der von Ferenc Deák geführten Adresspartei, die eine formelle Remonstration befürwortete. Nach Telekis Selbstmord am 8. Mai 1861 stimmte der Landtag für Deáks Adresse und lehnte die Anerkennung von Franz Josephs Autorität ab, bis die Verfassung wiederhergestellt sei. Franz Joseph löste den Landtag am 22. August 1861 auf und setzte erneut den provisorischen Absolutismus in Kraft.

Der Ausgleich und die Doppelmonarchie

Am 16. April 1865 veröffentlichte Ferenc Deák seinen Osterartikel im Pesti Napló, worin er Ungarns Bereitschaft erklärte, seine Gesetze mit den Sicherheitsanforderungen des Reiches in Einklang zu bringen. Der Versöhnungsprozess beschleunigte sich, nachdem Österreich im Deutschen Krieg von 1866 eine Niederlage gegen Preußen und Italien erlitten hatte.[20] Geschlagen in der Schlacht bei Königgrätz, unterzeichnete Österreich den Prager Frieden, der den Deutschen Bund auflöste, Holstein abtrat, den Ausschluss aus deutschen Angelegenheiten anerkannte und Venetien an Italien abtrat.

Am 17. Februar 1867 ernannte Franz Joseph Graf Gyula Andrássy zum ungarischen Ministerpräsidenten. Der ungarische Landtag verabschiedete das Gesetz XII von 1867, womit der Österreichisch-Ungarische Ausgleich besiegelt wurde. Das Reich wurde als eine Doppelmonarchie rekonstruiert, bestehend aus dem Kaisertum Österreich (Cisleithanien) und dem Königreich Ungarn (Transleithanien), die jeweils von einem eigenen Parlament und einem verantwortlichen Kabinett regiert wurden. Gemeinsame Angelegenheiten beschränkten sich auf Außenpolitik, Verteidigung und gemeinsame Finanzen, beaufsichtigt von drei gemeinsamen kaiserlich-königlichen Ministern, die jährlichen Delegationen von jeweils sechzig Mitgliedern aus beiden Parlamenten rechenschaftspflichtig waren. Ungarn trug 30 Prozent der gemeinsamen Ausgaben bei, was später auf 36,4 Prozent erhöht wurde, und übernahm einen Teil der österreichischen Staatsschuld. Die wirtschaftliche Partnerschaft, einschließlich einer Zollunion und gemeinsamer Währung, wurde alle zehn Jahre neu verhandelt.[21]

Am 8. Juni 1867 wurde Franz Joseph zusammen mit Kaiserin Elisabeth in der Matthias-Kirche in Ofen zum apostolischen König von Ungarn gekrönt und gewährte eine allgemeine Amnestie für politische Gefangene.[22] Aus seinem Exil in Turin verdammte Lajos Kossuth den Ausgleich in seinem Kassandrabrief vom 22. Mai 1867 und warnte, dass die Verknüpfung des Schicksals Ungarns mit der Habsburger Dynastie das Land in die Katastrophe reißen werde, wenn das Reich unter dem Druck minderheitlicher Nationalismen kollabiere.[13][23] Deák hielt dagegen, dass Ungarn den Schutzrahmen des Reiches benötige, um zwischen Deutschland und Russland zu überleben.[13]

1868 erließ das ungarische Parlament das von Baron József Eötvös verfasste Nationalitätengesetz, das eine einzige unteilbare ungarische politische Nation anerkannte, während es Sprachrechte im Elementarunterricht, bei lokalen Gerichten und in der Verwaltung gewährte. Im selben Jahr anerkannte der Kroatisch-Ungarische Ausgleich das Königreich Kroatien und Slawonien als ein autonomes politisches Territorium innerhalb der Landschaften der Krone des Heiligen Stephan. 1870 wurde die Hafenstadt Fiume zu einem separaten Körper (corpus separatum) erklärt, der direkt von einem durch die ungarische Regierung ernannten Gouverneur verwaltet wurde.

Innere Entwicklung und Krisen des Doppelstaates

Die Doppelmonarchie erlebte zwischen 1867 und 1913 eine rasche Industrialisierung und kommerzielle Expansion. Ungarns Volkseinkommen stieg von 800 Millionen Kronen in den 1850er Jahren auf 13 Milliarden Kronen im Jahr 1913.[21] Ein ausgedehntes Eisenbahnnetz verband Budapest, das nach der Vereinigung von Ofen, Pest und Altbuda im Jahr 1873 zu einer bedeutenden Metropole aufstieg. 1878 feierte das Königreich mit großen Feierlichkeiten das Millennium der Landnahme der Magyaren.[21] Allerdings verschärften sich soziale Spannungen, da landlose Landarbeiter und Industriearbeiter Streiks organisierten. Die Sozialdemokratische Partei Ungarns wurde 1890 gegründet, und die Christlichsoziale Bewegung entstand 1907. Am 23. Mai 1912 unterdrückten Polizei- und Militäreinheiten eine massive Demonstration für das allgemeine Wahlrecht in Budapest, ein Ereignis, das als Blutroter Donnerstag bekannt ist.

Wahlrechtseinschränkungen sicherten die politische Kontrolle traditioneller Eliten. Bei den ungarischen Wahlen von 1910 besaßen lediglich 6,4 Prozent der Gesamtbevölkerung das Wahlrecht, entsprechend einem Wahlsystem, das den ungarischen Nationalstaat und das System des Ausgleichs von 1867 bewahren sollte.[24][25] Nicht-magyarische Nationalitäten, die ungefähr die Hälfte der Bevölkerung ausmachten, protestierten gegen Assimilierungspolitiken, darunter die Apponyischen Schulgesetze von 1907, die den ungarischen Sprachunterricht in staatlichen und konfessionellen Schulen vorschrieben.[26] Rumänische und serbische Minderheitenabgeordnete protestierten gegen die Zentralisierung der Verwaltung und die Unterdrückung regionaler Autonomie.[26]

Eine schwere Verfassungskrise brach in Ungarn nach den Wahlen von 1905 aus, bei denen die regierende Liberale Partei von einer Oppositionskoalition unter Führung der Unabhängigkeitspartei und von ‚48 besiegt wurde. Die Koalition forderte ein eigenes ungarisches Zollgebiet und ungarische Kommandosprache in der gemeinsamen Armee. Da sich Franz Joseph weigerte, die Regierung einer Koalition zu übergeben, die das gemeinsame Heer infrage stellte, ernannte er am 18. Juni 1905 General Géza Fejérváry, den Hauptmann der königlichen Trabantengarde, zum Ministerpräsidenten.[27] Das Kabinett Fejérváry, als Leibwächter-Regierung bezeichnet, regierte ohne parlamentarische Unterstützung und schlug die Einführung des allgemeinen Männerwahlrechts vor, um der Adelsdominanz entgegenzuwirken. Am 19. Februar 1906 drangen Militärtruppen in das Parlamentsgebäude ein und lösten den Gesetzgeber auf. Die Koalition kapitulierte im April 1906 und gab ihre militärischen Forderungen auf im Austausch gegen den Eintritt in die Regierung unter Ministerpräsident Sándor Wekerle, wodurch die Krise beendet wurde.[28]

Außenpolitik und der Erste Weltkrieg

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870–1871 ernannte Franz Joseph Graf Gyula Andrássy zum Gemeinsamen Außenminister. Um den russischen Einfluss auf dem Balkan zu kontrollieren, förderte Andrássy die enge Zusammenarbeit mit dem neuerbauten Deutschen Kaiserreich und beteiligte sich 1873 am Dreikaiserbündnis mit Russland und Deutschland. Auf dem Berliner Kongress 1878 ermächtigten die europäischen Mächte Österreich-Ungarn zur Besetzung und Verwaltung der osmanischen Provinzen Bosnien und Herzegowina.[29] Österreich-ungarische Truppen stießen während der Besetzung auf bewaffneten Widerstand und erlitten über 7.000 Verluste. Am 7. Oktober 1879 schloss Andrássy den geheimen Zweibund mit Deutschland zum gegenseitigen Schutz gegen Russland ab.[30] Italien trat 1882 bei, womit der Dreibund entstand, und Rumänien schloss sich 1883 heimlich an. 1887 trat Österreich-Ungarn Großbritannien und Italien in den Mittelmeerententem bei, um den regionalen Status quo gegen die russische Expansion zu wahren.[31]

Im September 1908 trafen sich der Gemeinsame Außenminister Alois Lexa von Aehrenthal und der russische Außenminister Alexander Iswolski auf Schloss Buchlau in Mähren. Aehrenthal verstand, dass Russland die Annexion von Bosnien und Herzegowina im Austausch für österreichische diplomatische Rückendeckung akzeptieren würde, um die türkischen Meerengen für russische Kriegsschiffe zu öffnen. Am 6. Oktober 1908 proklamierte Franz Joseph einseitig die Annexion von Bosnien und Herzegowina unter Berufung auf historische Rechte der ungarischen Krone.[32] Diese Aktion löste die Bosnische Krise aus und rief Proteste aus Serbien, dem Osmanischen Reich, Großbritannien und Frankreich hervor. Deutschland gab Österreich-Ungarn bedingungslose Rückendeckung, während Österreich drohte, diplomatische Korrespondenz zu veröffentlichen, die ein früheres russisches Einverständnis bestätigte.[33] Russland gab nach, und Serbien erkannte die Annexion am 31. März 1909 formell an, wenngleich die Krise die österreichisch-russischen Beziehungen dauerhaft schädigte.

Am 28. Juni 1914 wurde Erzherzog Franz Ferdinand, Neffe von Franz Joseph und Thronfolger, zusammen mit seiner Frau Sophie, Herzogin von Hohenberg, in Sarajevo von Gavrilo Princip, einem Mitglied der Organisation Junges Bosnien, die das Attentat gemeinsam mit der serbischen Geheimorganisation Schwarze Hand vorbereitet hatte, ermordet.[34] Am 5. Juni hatte der serbische Gesandte Jovan Jovanović eine vage Warnung an den Gemeinsamen Finanzminister Leon Biliński übermittelt, aber der Erzherzog setzte den Besuch fort.[34][35] Der österreichische Chef des Generalstabs Franz Conrad von Hötzendorf und Außenminister Leopold von Berchtold drängten auf eine militärische Vergeltung gegen Serbien. Der ungarische Ministerpräsident István Tisza war das einzige Mitglied des gemeinsamen Ministerrats, das sich gegen ein militärisches Vorgehen aussprach, änderte jedoch seine Haltung, sobald er von Deutschlands Unterstützung erfuhr.[36]

Am 23. Juli 1914 überreichte Österreich-Ungarn Serbien ein hartes Ultimatum. Als die serbische Regierung den Großteil der Forderungen annahm, jedoch die Teilnahme österreichisch-ungarischer Beamter an richterlichen Untersuchungen auf serbischem Boden ablehnte, erklärte Österreich-Ungarn Serbien am 28. Juli 1914 den Krieg, wodurch der Erste Weltkrieg ausgelöst wurde.[37][38] Die russische Mobilmachung eskalierte den Konflikt in ganz Europa. Österreich-Ungarn sah sich einem Mehrfrontenkrieg gegen Serbien, Russland und ab Mai 1915 Italien gegenüber. Am 21. November 1916 starb Kaiser Franz Joseph im Schloss Schönbrunn im Alter von 86 Jahren und beendete damit eine fast achtundsechzigjährige Regierungszeit.[39]

Fall der Monarchie und Karl I.

Franz Joseph wurde von seinem Großneffen Kaiser Karl I. (König Karl IV. von Ungarn) beerbt. Karl versuchte, geheime Friedensverhandlungen über seinen Schwager Prinz Sixtus von Bourbon-Parma einzuleiten, aber seine Bemühungen um Frieden blieben erfolglos. Als innenmilitärische Mängel, Streiks und militärische Erschöpfung wuchsen, trafen sich Vertreter unterdrückter Nationalitäten im April 1918 in Rom, um volle Unabhängigkeit zu fordern. Am 16. Oktober 1918 erließ Karl ein kaiserliches Manifest, das Cisleithanien-Österreich in einen Bundesstaat autonomer Nationalitäten umwandelte, doch das Zugeständnis kam zu spät, um den Zerfall des Reiches aufzuhalten.[40]

Nationalräte bildeten sich rasch im ganzen Reich. Am 18. Oktober 1918 wies der US-Präsident Woodrow Wilson österreichisch-ungarische Friedenssignale zurück und erklärte, dass die Selbstbestimmung seine ursprünglichen Vierzehn Punkte abgelöst habe. In Budapest installierte die Aster-Revolution am 31. Oktober 1918 eine Regierung unter Graf Mihály Károlyi, wodurch die dualistische Union mit Österreich formell beendet wurde. Nach dem Waffenstillstand von Villafranca am 3. November gab Karl am 11. November 1918 eine Erklärung im Schloss Schönbrunn ab, in der er auf jegliche Teilnahme an den österreichischen Staatsgeschäften verzichtete, ohne formell seiner Krone zu entsagen.[40] Am 13. November unterzeichnete er einen äquivalenten Verzicht für Ungarn auf Schloss Eckartsau.[40] Karl und seine Familie siedelten am 23. März 1919 in die Schweiz über.

Ungarn stellte 1920 unter Admiral Miklós Horthy als Reichsverweser seinen monarchischen Status wieder her, obwohl der königliche Thron verwaist blieb.[41] König Karl IV. unternahm 1921 zwei Restaurationsversuche. Im Frühjahr 1921 reiste er heimlich nach Budapest, wo Horthy ihm versicherte, er werde das Land bald auf seine offizielle Rückkehr vorbereiten, das Versprechen jedoch nicht einhielt. Die Aussichten auf eine Restauration schwanden auch deshalb, weil die Tschechoslowakei, Jugoslawien und Rumänien Truppen an Ungarns Grenzen mobilisierten und drohten, das Land erneut anzugreifen, sollte die Dynastie restauriert werden. Im Oktober 1921 flog Karl nach Sopron und rückte mit loyalen Truppen unter Oberst Anton Lehár per Zug nach Budapest vor. Der Feldzug scheiterte an mehreren Missverständnissen und dem Verrat eines von Karls Befehlshabern, General Hegedüs. Von der ungarischen Regierung festgenommen, wurden Karl und Königin Zita dem britischen Militär übergeben, die Donau hinabtransportiert und nach Madeira ins Exil geschickt. Unter Druck der siegreichen Ententemächte erließ das ungarische Parlament am 6. November 1921 das Enthronungsgesetz, das dem Haus Habsburg-Lorraine formell die Rechte auf den ungarischen Thron entzog.[41] Karl starb am 1. April 1922 im Alter von 34 Jahren auf Madeira an einer Lungenentzündung und wurde 2004 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.[42]

Nebenlinien und zugehörige Territorien

Das Großherzogtum Toskana bildete die primäre Sekundogenitur des Kaiserhauses. Als Franz Stephan Lothringen 1737 abtrat, erhielt er nach dem Tod Gian Gastone de’ Medicis die Toskana. Nach Franz' Tod im Jahr 1765 ging das Großherzogtum an seinen zweiten Sohn Peter Leopold über. Als Leopold 1790 zum Heiligen Römischen Kaiser aufstieg, wurde die Toskana seinem zweiten Sohn Ferdinand III. übertragen. Während der napoleonischen Kriege vertrieben, wurde Ferdinand 1814 wieder eingesetzt. Sein Nachfolger Leopold II. erließ 1848 eine Verfassung, dankte jedoch 1859 während der italienischen Einigungsbewegung ab. Sein Sohn Ferdinand IV. wurde 1860 abgesetzt, als die Toskana nach einer Volksabstimmung in das Königreich Sardinien eingegliedert wurde. Der toskanische Zweig bestand als Teil des österreichischen Adels fort, wobei Mitglieder im 20. Jahrhundert die karlistische Thronfolge in Spanien beanspruchten.

Das Herzogtum Modena und Reggio wurde vom Haus Österreich-Este regiert, gegründet von Erzherzog Ferdinand Karl, dem vierten Sohn Maria Theresias, durch seine Heirat mit Maria Beatrice d'Este, der Erbin des Herzogs Ercole III. d’Este.[43][44] Ihr Sohn Francesco IV. wurde 1814 als souveräner Herzog eingesetzt. Sein Nachfolger Francesco V. wurde während des Zweiten Italienischen Unabhängigkeitskrieges 1859 abgesetzt, und Modena wurde in Sardinien eingegliedert. Nach Francesco V.s Tod ohne Erben 1875 ging die Este-Vertretung an Erzherzog Franz Ferdinand über und nach dessen Ermordung 1914 an den künftigen Kaiser Karl I., der den Titel 1917 auf seinen zweiten Sohn Erzherzog Robert übertrug. Heute wird der Zweig von Erzherzog Lorenz von Österreich-Este angeführt, der Prinzessin Astrid von Belgien heiratete und den Titel Prinz von Belgien trägt.

Das Herzogtum Parma und Piacenza wurde von der Erzherzogin Marie Louise von Österreich regiert, der ältesten Tochter Kaiser Franz' I. und ehemaligen Kaiserin der Franzosen. Gemäß dem Vertrag von Fontainebleau von 1814 und dem Wiener Kongress erhielt Marie Louise Parma, Piacenza und Guastalla als lebenslanges souveränes Herzogtum. Sie regierte bis zu ihrem Tod im Jahr 1847, wonach das Herzogtum an das Haus Bourbon-Parma zurückfiel. Ihre morganatische Ehe mit Graf Adam Albert von Neipperg brachte das fürstliche Haus Montenuovo hervor.

Der Teschener Zweig der Dynastie (Habsburg-Teschen) stammte von Erzherzog Karl, Herzog von Teschen, dem dritten Sohn von Kaiser Leopold II., ab. Karl wurde von seiner kinderlosen Tante Erzherzogin Maria Christina und deren Ehemann Prinz Albert von Sachsen, Herzog von Teschen, adoptiert. Karl erlangte militärischen Ruhm beim Befehl über österreichische Armeen gegen Napoleon. Seine Nachkommen hielten Güter in Schlesien und Westgalizien um Żywiec. Erzherzog Friedrich diente von 1914 bis 1916 als Oberbefehlshaber der österreichisch-ungarischen Streitkräfte. Die Nebenlinie schloss zudem Erzherzog Karl Stefan ein, einen Admiral, der während des Ersten Weltkriegs als Kandidat für den polnischen Thron gehandelt wurde. Nach dem Zusammenbruch des Reiches wurde das Herzogtum Teschen zwischen Polen und der Tschechoslowakei aufgeteilt.[45]

Der ungarische palatinale Zweig wurde von Erzherzog Joseph, Palatin von Ungarn, dem siebten Sohn Leopolds II., begründet, der 1796 nach dem Unfalltod seines Bruders Alexander Leopold zum Palatin gewählt wurde. Erzherzog Joseph förderte die Entwicklung Pests und residierte bis zu seinem Tod 1847 in Ungarn. Sein Sohn Erzherzog Stephan diente als letzter verfassungsmäßiger Palatin während der Revolution von 1848. Zu späteren Nachkommen gehörte Feldmarschall Erzherzog Joseph August, der im August 1919 nach dem Fall der Ungarischen Räterepublik kurzzeitig als Staatsoberhaupt Ungarns fungierte. Sein Enkel Erzherzog Joseph Árpád und Urenkel Erzherzog Joseph Karl pflegten aktive Verbindungen zum ungarischen öffentlichen Leben.

1864 nahm Erzherzog Ferdinand Maximilian, der jüngere Bruder Kaiser Franz Josephs, mit militärischer Unterstützung von Napoleon III. und mexikanischen konservativen Monarchisten die Kaiserwürde des Zweiten Mexikanischen Kaiserreichs an. In Mexiko mit seiner Frau Charlotte von Belgien eingetroffen, setzte Maximilian moderate Reformen durch, verlor jedoch die konservative Unterstützung und sah sich bewaffnetem Widerstand republikanischer Kräfte unter Benito Juárez ausgesetzt. Nach dem Abzug französischer Expeditionsstreitkräfte 1866 übernahm Maximilian den Befehl über die verbliebenen kaiserlichen Truppen, wurde in Querétaro gefangen genommen und am 19. Juni 1867 mit seinen Generälen durch ein Erschießungskommando hingerichtet. Vor seiner Hinrichtung adoptierte Maximilian die Enkel des ersten mexikanischen Kaisers Agustín de Iturbide, womit das titulare Haus Habsburg-Iturbide begründet wurde.

Hausgesetz und morganatische Linien

Zwischen 1780 und 1918 funktionierte das Haus Habsburg-Lorraine als streng geregelte dynastische Körperschaft, die durch das Allerhöchste Familienstatut von 1839 geregelt wurde.[46][47][48] Alle legitimen Mitglieder trugen ab der Geburt den Titel eines Erzherzogs oder einer Erzherzogin von Österreich sowie eines Königsprinzen oder einer Königsprinzessin von Ungarn und Böhmen.[46] Der regierende Kaiser übte als Oberhaupt der Dynastie absolute patriarchalische Autorität aus und bestimmte Heiratsgenehmigungen, finanzielle Zuwendungen, Berufe, Wohnorte und Auslandsreisen für alle Mitglieder.[47][49] Rechtliche Schritte gegen Familienmitgliedern wurden vor einem eigenen Gericht verhandelt, dem der Obersthofmarschall vorstand.[50] Eheschließungen mussten dynastisch ebenbürtig sein und wurden ausschließlich mit Mitgliedern regierender oder ehemals regierender ritterlich-katholischer Häuser geschlossen.[47] Der Abschluss einer ungleichen Ehe ohne kaiserliche Zustimmung zog den Ausschluss aus der Familie, den Entzug von Titeln und Apanagen sowie den Verlust der Erbfolgerechte für alle Nachkommen nach sich.[51]

Mehrere bedeutende morganatische Linien trennten sich im 19. und frühen 20. Jahrhundert vom Kaiserhaus. Erzherzog Johann, Sohn Leopolds II., heiratete 1829 Anna Plochl, die Tochter eines steirischen Postmeisters; ihre Nachkommen erhielten den Titel Grafen von Meran und wurden von der kaiserlichen Erbfolge ausgeschlossen.[52] Erzherzog Heinrich heiratete 1868 gegen Franz Josephs Willen die Opernsängerin Leopoldine Hofmann; obschon später rehabilitiert, erhielt ihre Tochter den Titel Gräfin von Waideck. 1889 verzichtete Erzherzog Johann Salvator aus dem toskanischen Zweig auf seinen kaiserlichen Rang und seine Privilegien, nahm den Namen Johann Orth an und heiratete die Tänzerin Milli Stubel; er verscholl 1890 auf See vor Südamerika.[53] 1902 entsagte Erzherzog Leopold Ferdinand seinem dynastischen Status und lebte unter dem Namen Ferdinand Wölfling.[53] Erzherzog Ferdinand Karl heiratete 1909 heimlich Berta Czuber, die Tochter eines Mathematikprofessors; er wurde 1911 gezwungen, das Haus zu verlassen, und nahm den Namen Ferdinand Burg an.[53]

Die bedeutsamste morganatische Verbindung ereignete sich 1900, als Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand Gräfin Sophie Chotek von Chotkowa und Wognin heiratete.[54] Da die Familie Chotek adelig und nicht ebenbürtig war, stimmte Franz Joseph der Heirat erst zu, nachdem Franz Ferdinand eine formelle Erklärung unterschrieben hatte, die jegliche Erbfolgeansprüche für seine künftigen Kinder ausschloss.[54] Sophie wurde 1909 zur Herzogin von Hohenberg erhoben, und ihre Nachkommen bildeten das nichtdynastische herzogliche Haus Hohenberg.[54] Andere morganatische Linien umfassten die Fürsten von Altenburg, abstammend von Erzherzog Karl Albert aus dem Zweig Teschen und der schwedischen Adligen Alice Ankarcrona.

Am 3. April 1919 erließ die Konstituierende Nationalversammlung der Republik Deutschösterreich das Habsburgergesetz. Das Statut verbannte Kaiser Karl dauerhaft aus Österreich und verwies alle anderen Mitglieder des Hauses Habsburg-Lorraine des Landes, es sei denn, sie verzichteten formell auf ihre dynastischen Herrschaftsansprüche und erklärten sich zu loyalen Bürgern der Republik. Das Gesetz verstaatlichte sämtliches vom Staat verwaltete Hofvermögen (Hofärar) und konfiszierte die kollektive Familien-Stiftung (Privat- und Familienfonds). Familienmitglieder, die die erforderlichen Verzichtserklärungen unterzeichneten, behielten jedoch ihre individuellen Privatgüter; die Linie von Erzherzog Franz Salvator und Erzherzogin Marie Valerie (Tochters Franz Josephs) behielt das Eigentum am Schloss Persenbeug, Schloss Wallsee und der Kaiservilla in Bad Ischl. Am selben Tag erließ Österreich das Adelsaufhebungsgesetz, das alle Adelstitel und Adelspräfixe wie von tilgte.

In der Tschechoslowakei hoben die provisorische Verfassung von 1918 und nachfolgende Verfassungsgesetze Adelstitel auf, entzogen Mitgliedern des Hauses Habsburg-Lorraine die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft und konfiszierten ihre Ländereien entschädigungslos.[55] Nach Gesetz 50/1923 wurde ein unbefugter Aufenthalt oder Aufenthalt von Mitgliedern der ehemaligen Herrscherfamilie unter Strafe gestellt. Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes 1989 besuchten Familienmitglieder die Tschechoslowakei ohne rechtliche Hindernisse und nahmen an kulturellen Gedenkfeiern wie der jährlichen Audienz bei Kaiser Karl I. in Brandýs nad Labem teil, wo Otto von Habsburg die Ehrenbürgerschaft erhielt.[56][57] In Ungarn verabschiedete die Nationalversammlung am 6. November 1921 ein Gesetz zur Thronentsetzung des Hauses Habsburg-Lorraine, und Ungarn blieb bis 1946 eine Monarchie, obgleich es ein Königreich ohne König blieb.[41] Eine interalliierte Entschließung von 1919 hatte festgelegt, dass Polen, die Tschechoslowakei, Rumänien und Jugoslawien jeweils eine jährliche Rente von 5.000 Pfund Sterling zur Unterstützung der exilierten kaiserlichen Familie beitragen sollten, aber keiner der Nachfolgestaaten leistete diese Zahlungen jemals.[55]

In Österreich baute Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg die antihabsburgische Gesetzgebung in den Jahren 1935 und 1936 teilweise ab und gab konfiszierte Privatvermögen zurück. Adolf Hitler lehnte jegliche monarchische Restauration in Österreich ab und plante im Falle einer Rückkehr der Dynastie eine sofortige militärische Invasion.[58] Im Februar 1938 schrieb Otto von Habsburg einen offenen Brief an Schuschnigg und bot an, die Bundeskanzlerschaft zu übernehmen, um die bewaffnete Verteidigung gegen das nationalsozialistische Deutschland zu organisieren, doch Schuschnigg lehnte ab.[58] Nach dem Anschluss im März 1938 setzte das nationalsozialistische Regime das Habsburgergesetz von 1919 vollumfänglich in Kraft. 1945 stellte die wiedererrichtete Republik Österreich die Bundesverfassung von 1920 wieder her und verwies Familienmitglieder erneut des Landes.[59] 1961 unterzeichnete Otto einen formellen Verzicht auf Herrschaftsansprüche, was ihm 1966 die Rückkehr nach Österreich erlaubte. Artikel 60 Absatz 3 der Österreichischen Bundesverfassung untersagte Mitgliedern ehemals regierender Dynastien die Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten; von dem Grünen-Politiker Ulrich Habsburg-Lothringen angefochten, wurde diese Beschränkung im Juni 2011 vom österreichischen Parlament aufgehoben.[60][61][62] Als Otto 2011 starb, fand im Stephansdom und in der Kapuzinergruft in Wien ein aufwendiges Begräbnis statt, an dem europäische Staatsoberhäupter und schätzungsweise 100.000 Zuschauer teilnahmen.[63][64]

Die zeitgenössische Dynastie

2007 trat Otto von Habsburg als Oberhaupt des Hauses Habsburg-Lorraine zurück und übergab die Führung an seinen ältesten Sohn Karl von Habsburg.[65][66][67] Karls mutmaßlicher Erbe ist sein ältester Sohn Ferdinand Zvonimir Habsburg-Lothringen. Er ist Automobilrennfahrer.[68] Abstammend von der Verbindung Franz Stephans und Maria Theresias aus dem Jahr 1736, ist das Haus Habsburg-Lorraine auf über 500 lebende Mitglieder auf mehreren Kontinenten angewachsen, wobei etwa die Hälfte in Österreich lebt und der Rest in Deutschland, Ungarn, anderen europäischen Nationen, den Amerikas und in Afrika zu Hause ist.[69][70][71] Die Nachfolge im Oberhaupt folgt der halbsalischen agnatischen Primogenitur. Die Familie hält über eine aktive WhatsApp-Gruppe mit 280 Mitgliedern Kontakt, wie Georg von Habsburg beschrieb.[70] 2014 formulierte die Familie anlässlich des hundertsten Jahrestags des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs einen gemeinsamen historischen Konsens bezüglich des Konflikts.[71] Im November 2016 nahmen schätzungsweise 300 Familienmitglieder an einer Privataudienz bei Papst Franziskus im Vatikan teil.[72][73]

Die strengen Hausstatuten bezüglich der Ebenbürtigkeit wurden im späten 20. Jahrhundert gelockert. Ehepartner müssen nicht mehr regierenden oder adelig betitelten Familien angehören; die dynastische Gültigkeit setzt im Allgemeinen die vorherige Benachrichtigung des Haushaltsvorstands und die Einhaltung katholischer Ehetraditionen voraus. Mehrere zuvor als morganatisch erachtete Verbindungen, wie jene von Erzherzog Carl Salvator mit Baronin Edith Wenzl von Sternbach und Erzherzog Rudolf mit Baronin Hélène de Villenfagne de Vogelsanck, wurden rückwirkend als dynastisch anerkannt, wodurch die Erbfolgerechte ihrer Nachkommen gewahrt blieben.[74] In Belgien wurden zwei Nebenlinien 1978 und 1983 mit dem Titel eines Prinzen oder einer Prinzessin und dem Prädikat Durchlaucht in den belgischen Adel eingegliedert.[75] Durch die Heirat von Erzherzog Lorenz mit Prinzessin Astrid von Belgien wurden ihre Kinder zu Prinzen und Prinzessinnen von Belgien ernannt.

Die Familie pflegt historische Verbindungen zu Nancy, der Stammeshauptstadt des Herzogtums Lothringen. Otto feierte seine Heirat mit Prinzessin Regina von Sachsen-Meiningen am 10. Mai 1951 in der Cordeliers-Kirche in Nancy und erklärte dabei seine Identität als Lothringer. Das Paar kehrte 2001 in dieselbe Kirche zurück, um seine goldene Hochzeit zu feiern. Im Dezember 2012 heiratete Ottos Urenkel Erzherzog Christoph Adélaïde Drapé-Frisch in der Basilika Saint-Epvre in Nancy im Gedenken an das Erbe von Herzog Franz III.

Die Beziehungen zwischen der Dynastie und Ungarn bleiben herzlich.[76] 2017 gründete die ungarische Regierung die Otto-Habsburg-Stiftung, um das Archiv und das Erbe des ehemaligen Kronprinzen zu bewahren.[77] Mitglieder der Familie dienen in diplomatischen Rollen für Ungarn; Georg von Habsburg hat als Botschafter in besonderen Missionen und Diplomat gedient, während Eduard Habsburg-Lothringen als Ungarns Botschafter beim Heiligen Stuhl fungiert.[76] Zu den vom Haus unterhaltenen erblichen dynastischen Orden zählen der österreichische Zweig des Ordens vom Goldenen Vlies, der K.u.k. St. Georgs-Orden und der Sternkreuzorden.[65]

Heraldik

Das Hauswappen, das nach der Gründung des Kaisertums Österreich im Jahr 1804 formalisiert und in seiner definitiven Anordnung 1806 festgelegt wurde, spiegelt die genealogischen Bestandteile der Dynastie wider.[78] Der Schild ist gespalten und geteilt bzw. in drei Teile geschoben (geviert und gespalten): das rechte Feld zeigt das Wappen Habsburgs, einen rot gekrönten, rot bezungeten und bewehrten goldenen Löwen auf goldenem Grund; der mittlere Pfahl zeigt den österreichischen Bindenschild, bestehend aus einem silbernen Balken auf rotem Grund; und das linke Feld zeigt das Wappen Lothringens, einen roten Schrägbalken belegt mit drei silbernen Alerions (Alerions d'argent) auf goldenem Grund.[78] Dieses Wappen wurde auf der Brust des schwarzen, gold-haloed doppelköpfigen Adlers geführt und diente sowohl als dynastisches Hauswappen als auch als kleines Wappen des Kaisertums Österreich.[78] Der toskanische Nebenzweig nutzte eine eigene Variante mit regionalen Quartieren.[79]

Wo sich Ausgaben widersprechen (5)
Year of dynastic foundation
  • Englisch: 1736, the year of the marriage between Maria Theresa and Francis Stephen of Lorraine
  • Tschechisch: 1780, marked by the death of Maria Theresa and the accession of Joseph II as sole ruler of the Habsburg hereditary lands
  • Slowakisch: 1780, with Joseph II as the dynastic founder
Designated founder of the house
  • Englisch: Maria Theresa of Austria and Francis I, Holy Roman Emperor
  • Chinesisch: Holy Roman Emperor Joseph II
  • Slowakisch: Joseph II of Habsburg
Year of headship transfer from Otto to Karl
  • Englisch: 2007, when Otto renounced his role as head of the imperial house
  • Japanisch: 2006, when Otto relinquished the headship due to advanced age
  • Bulgarisch: 2006, when Otto ended his leadership of the house
Death year of Ferdinand IV, Grand Duke of Tuscany
  • Englisch: 1908
  • Ungarisch: 1905
  • Polnisch: 1908
Nature of Charles I's step down in November 1918
  • Englisch: Renounced the exercise of power and participation in state affairs without a formal abdication
  • Polnisch: Abdicated the throne in November 1918
  • Chinesisch: Abdicated as the last emperor of Austria on 11 November 1918
Quellen (35 Wikipedia-Versionen)

Die nicht-englischsprachigen Ausgaben bieten umfangreiche historische Details, die im englischen Artikel nicht enthalten sind. Die ungarische Ausgabe liefert umfassende Darstellungen der ungarischen Reformära, der legislativen Maßnahmen Josephs II., der Schlachten und politischen Debatten des Unabhängigkeitskrieges von 1848–1849 sowie der spezifischen Bedingungen des Ausgleichs von 1867 und der Verfassungskrise von 1905–1906. Die tschechische Ausgabe liefert exakte Artikel und Bestimmungen des Höchsten Familienstatuts von 1839, detaillierte Rechtssatzungen bezüglich der Konfiszierung und des Exils in der Tschechoslowakei und dem Nachkriegsösterreich sowie spezifische Umstände bezüglich morganatischer Ausschlüsse. Die japanischen und arabischen Ausgaben beschreiben detailliert die vollständige mittelalterliche Genealogie des Hauses Lothringen sowie moderne dynastische Aktivitäten, darunter die Kommunikationsgruppe der Familie mit 280 Mitgliedern, den Konsens zum hundertsten Jahrestag des Ersten Weltkriegs 2014 und die Audienz beim Papst 2016.

Zusammengefügt aus den untenstehenden Wikipedia-Artikeln, jeweils fixiert auf die am 26. September 2026 gelesene Revision. Zusammen enthalten sie 176 Referenzen; der englische Artikel allein hat 22.

AusgabeArtikelRevisionGrößeQuellen
EnglischHouse of Habsburg-Lorraine137446526630.7 KB22
UngarischHabsburg–Lotaringiai-ház29242980111.2 KB36
Japanischハプスブルク=ロートリンゲン家10927552076.0 KB17
Thailändischราชวงศ์ฮาพส์บวร์ค-ลอแรน1296608557.9 KB1
TschechischHabsbursko-lotrinská dynastie2621998151.2 KB35
RussischГабсбург-Лотарингский дом15373188150.1 KB5
Arabischأسرة لورين7245072839.3 KB10
VietnamesischVương tộc Habsburg-Lothringen7516182632.2 KB26
BaschkirischГабсбургтар -Лотарингскийҙар нәҫеле109510430.8 KB0
SpanischCasa de Habsburgo-Lorena17138989030.1 KB3
FranzösischMaison de Habsbourg-Lorraine23235361022.6 KB1
Chinesisch哈布斯堡-洛林王朝9312790120.0 KB0
PolnischHabsburgowie-Lotaryńscy8057517119.9 KB0
ItalienischAsburgo-Lorena15229107717.0 KB1
DeutschHabsburg-Lothringen26435240714.5 KB0
SchwedischHabsburg-Lothringen5502060012.6 KB1
SlowakischHabsbursko-lotrinská dynastia800894610.3 KB0
KroatischHabsburško-Lotaringovci74020999.9 KB1
GriechischΟίκος των Αψβούργων-Λωρραίνης114270729.3 KB0
SlowenischRodbina Habsburško-Lotarinška62431759.2 KB0
PortugiesischCasa de Habsburgo-Lorena725517888.4 KB2
UkrainischГабсбурги-Лотаринзькі458054567.0 KB0
Persischخاندان هابسبورگ-لورن434864916.6 KB1
Koreanisch합스부르크로트링겐가391768275.7 KB0
RumänischHabsburg-Lorena175493165.4 KB0
BulgarischХабсбург-Лотаринги124825985.4 KB0
NiederländischHuis Habsburg-Lotharingen702518874.8 KB0
Serbisch (Lateinisch)Habsburg-Lothringen423971334.3 KB10
Georgischჰაბსბურგ-ლოთარინგიის დინასტია33466423.4 KB0
EstnischHabsburgid-Lotringid66740003.0 KB0
NiederdeutschHuus Habsborg-Lothringen7018302.7 KB0
FinnischHabsburg-Lothringen238425021.7 KB4
TürkischHabsburg-Lorraine Hanedanı379707351.5 KB0
Birmanischဟာ့ပ်စ်ဘွတ်ရ်ခ်-လော့သရင်ဂဲန် အိမ်တော်8675651.3 KB0
LuxemburgischHabsburg-Loutrengen19172561.1 KB0
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Literatur und Quellen

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  11. E szócikk nem tér ki az 1848/49-es, román, szerb és szlovák nemzeti követelésekre, valamint a román-magyar és a szerb-magyar fegyveres összecsapásokra.
  12. Kossuth Lajos kormányzóelnökké választására tekintettel, megalakult az új kormány: 1849. május 2-án, Szemere Bertalan miniszterelnökkel az élen, hivatalba lépett a Szemere-kormány.
  13. A napóleoni háborúkat lezáró békerendszer (1815, bécsi kongresszus), nem változtatott Magyarország nemzetközi jogi helyzetén, a Magyar Királyság a Habsburg-birodalom része maradt. Továbbá: A korszak vezető nagyhatalmának, a Brit Birodalomnak (hivatalos nevén: az Egyesült Királyságnak), az Európát érintő külpolitikája, öt nagyhatalom (Anglia, Franciaország, a Habsburg-birodalom, az Orosz Birodalom és Poroszország) egyensúlyának a fenntartásán alapult, és a britek, az Orosz Birodalom feltartóztatásában, Ausztriával számoltak. Franciaország, a német egység megteremtésétől tartott, ebben erős Ausztriára számított, Poroszországgal szemben. Az Orosz Birodalomnak szintén nem állt érdekében Magyarország függetlensége, hiszen ez a birodalom lengyel alattvalói számára, követendő példa lett volna. A Szent Szövetség keretében, az Ausztria mellett történt orosz beavatkozás, nem is volt a brit politika ellenére: Ha a Habsburg-birodalom egységes, erős marad, akkor akadálya lesz a balkáni orosz előre-nyomulásnak; és ha Ausztriát az oroszok segítsége menti meg, annál jobb. Balkáni érdekösszeütközéskor ugyanis, az Orosz Birodalom és Ausztria szembefordulását, orosz részről, erősíti a neheztelés majd amiatt, hogy Ausztria annak ellenére nem tudja a balkáni befolyásukat elfogadni, hogy a segítségüket kérte (és kapta), a nagyhatalmi státuszának a fennmaradásához. Lord Palmerston, brit külügyminiszter ezért tájékoztatta Szalay Lászlót, Kossuth angliai képviselőjét arról, hogy "a brit kormánynak Magyarországról csak mint az osztrák birodalom részéről van tudomása." (1848. december 13.). Kossuth 1849. évi londoni megbízottja, Pulszky Ferenc, arról informálta Kossuthot, hogy az angolok "... erős Ausztriát akarnak mind az orosz, mind a német ellen, annyiban jó, hogy rendkívül ellenséges az orosz ellen." Továbbá, Lord Palmerston megjegyezte, "... Ausztria oly hatalom, melyet fel kellene találni, ha nem léteznék már, mint európai szükségességet, s Angolországnak szövetségesét keleten"; és tőle nem lehet többet várni, mint "legfeljebb rokonszenvét Ausztria politikájának mérséklésére". Az orosz beavatkozás kapcsán, a várható brit álláspontról érdeklődő cári követnek, Lord Palmerston által adott, a magyarokra utaló válasza közismert: "Talán igazuk van, de végezzenek velük gyorsan.". A szabadságharc bukását követő megtorlás miatt, Lord Palmerston rendkívül éles szavakkal elítélte az osztrákokat, amelyre válaszul – nem éppen diplomatikusan – Felix zu Schwarzenberg herceg, az osztrák miniszterelnök, a kanadai és az írországi szabadságmozgalmaknak a britek általi vérbe fojtására utalt. – Dr. Csermőy-Schneidt Ottó: Nagy magyar államférfiak, Budapest, 1996.; HAZA ÉS HALADÁS. A REFORMKORTÓL A KIEGYEZÉSIG (1790-1867). Encyclopaedia Humana Hungarica 07. - hozzáférés: 2023. június 18.; Pulszky Ferenc Londonba érkezik - hozzáférés: 2023. június 18.
  14. Az ifjú Ferenc József, a középkorú Miklós cárt, ahogyan azt az orosz hagyomány követelte, kézcsókkal köszöntötte.
  15. Ferenc József utasítása Haynau részére: "Akaratom, hogy a halálbüntetést csak a legbűnösebb és legveszedelmesebb egyéneken hajtsák végre, és hogy ön a többiek esetében akként éljen az önre ruházott kegyelmezési joggal, hogy megfelelő szabadságvesztésbüntetéssel sújtsa őket. Azokról a személyekről, akiken a halálbüntetést végrehajtották, esetről esetre tegyen jelentést nekem. Ez a rendelkezésem egyébként csak a múltban elkövetett cselekményekre vonatkozik, és nem érinti a Magyarország területére kiterjesztett hadiállapot értelmében haditörvényszék vagy rögtönítélő bíróság elé tartozó, jövőben elkövetendő bűncselekményeket." AZ ARADI VÉRTANÚK. Válogatta, szerkesztette, az előszót és a jegyzeteket írta Katona Tamás. Budapest: Neumann Kht., 2001; - hozzáférés: 2023. június 29.
  16. Magyar Történelmi Emlékek. Értekezések. A véreskezű kamasztól Ferenc Jóskáig. I. Ferenc József és a magyarok. Szerkesztette: Fónagy Zoltán. MTA Bölcsészettudományi Kutatóközpont Történettudományi Intézet, Budapest, 2018.; Franz Herre: Ferenc József élete és kora, Magyar Könyvklub, Budapest, 2000.
  17. Az 1849. október 6-án kivégzett tizenhárom aradi vértanú: Kiss Ernő altábornagy, Aulich Lajos, Damjanich János, Dessewffy Arisztid, Knezić Károly, Lahner György, Leiningen-Westerburg Károly, Nagysándor József, Poeltenberg Ernő, Schweidel József, Török Ignác, Vécsey Károly vezérőrnagyok, és Lázár Vilmos ezredes. – Aradi vértanúk továbbá a szintén Aradon kivégzett Ormai Norbert ezredes (1849. augusztus 22.), Kazinczy Lajos ezredes (1849. október 25.), Ludwig Hauk alezredes (1850. február 19.), és az elborult elmével az aradi várbörtönben elhunyt Lenkey János vezérőrnagy (1850. február 8.). – A megtorlás első honvédtiszt áldozata a Temesváron, 1849. augusztus 20-án kivégzett Hruby Gyula őrnagy volt.
  18. - hozzáférés: 2023. június 18.
  19. 1855. március 2-án, teljesen váratlanul meghalt I. Miklós cár, a szentpétervári udvar Ferenc Józsefet hibáztatta az uralkodó haláláért, mondván, a cár szíve azért „szakadt meg”, mert I. Miklós nem tudta feldolgozni a "hálátlanságot", azt, hogy az általa kedvelt és segített Ferenc József ellene fordult. A Habsburgokkal korábban jó kapcsolatokat ápoló Romanovok, a kapcsolatok fenntartása ellenére, lassan eltávolodtak a Habsburgoktól, ami a XX. század elejére nyilvánvaló lett. Franz Herre: Ferenc József élete és kora, Magyar Könyvklub, Budapest, 2000.
  20. A porosz haderő kötelékébe tartózott Klapka György egykori honvédtábornok egysége, a Klapka-légió. Mielőtt az egység a magyar határhoz ért volna, a poroszok visszarendelték őket, mert már az osztrákokkal békét kötöttek. A légió, ennek ellenére, behatolt Trencsén vármegyébe, de pár nap elteltével elhagyták az országot, látták, hogy a vállalkozásuk eredménytelen, a lakosság támogatására nem számíthattak. – A porosz-osztrák konfliktus azt volt hivatott eldönteni, hogy porosz vezetéssel, a kisnémet egység, avagy osztrák vezetéssel, a nagynémet egység valósuljon-e meg.
  21. Mitták Ferenc: 1000 év – 100 híres történelmi személy, Szent Istvántól Antall Józsefig, Tóth Könyvkereskedés és Kiadó Kft., Debrecen, év nélkül. (2000)
  22. Ferenc József formálisan sohasem kért bocsánatot a megtorlásáért, de – ahogyan arra Ligeti Dávid, a VERITAS Történetkutató Intézet és Levéltár történésze is rámutatott –, idővel több jelét adta annak, hogy megbánhatta ( - hozzáférés: 2023. június 18.). Ilyen jelek lehettek a következők: Erzsébet királyné Horváth Mihály püspök-történészhez: "Higgye el, hogyha hatalmunkban állana, férjem és én volnánk az elsők, akik Batthyány Lajost és az aradi vértanúkat ismét életre keltenők." (Halász Imre: Egy letűnt nemzedék. Gróf Batthyány Lajos. Nyugat, 1910. 18. szám, - hozzáférés: 2023. június 18.) A koronázási ajándékot, százezer forintot, teljes egészében a szabadságharc honvédjeinek az árvái és özvegyei között osztották szét. Az 1894-ben elhunyt Kossuth Lajos, bár állami temetésben nem részesülhetett, holttestét a család, Ferenc József döntése alapján, vámmentesen hozhatta haza. Az uralkodó 1904-ben arra utasította gróf Tisza István miniszterelnököt, hogy várja a javaslatait II. Rákóczi Ferenc hamvainak hazahozatalát illetően; Rákóczinak és bujdosótársainak hamvait 1906-ban ünnepélyesen haza is hozták.
  23. KOSSUTH LAJOS ÜZENETEI. Szabad György összeállítása. Budapest: Neumann Kht., 2004; - hozzáférés: 2023. június 25.
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  26. - hozzáférés: 2023. június 18.
  27. Az ellenzéki koalíció vezérlő bizottsága 1904. november 19-én alakult meg, összetétele az idők folyamán változott. Tagjai voltak, többek között: Kossuth Ferenc, Justh Gyula, Thaly Kálmán, Polónyi Géza, Barabás Béla, Ugron Gábor, Apponyi Albert, Batthyány Tivadar, Zichy Aladár, Vázsonyi Vilmos, Bánffy Dezső, Hock János, Rakovszky István, Eötvös Károly, Károlyi István, Szederkényi Nándor, ifjabb Andrássy Gyula és Darányi Ignác. Eötvös Károly: HARCZ AZ ALKOTMÁNYÉRT, Budapest, MXMIX, Révai Testvérek., - hozzáférés: 2023. június 24.
  28. A megállapodás előkészítésében vezető szerephez jutott Barabás Béla és Polónyi Géza, ő később igazságügy-miniszter lett. – Apponyi Albert grófnak a visszaemlékezései szerint (gróf Apponyi Albert: Emlékirataim, Helikon Kiadó, Budapest, 2016), 1906 április elején, Ferenc József őt is fogadta; sőt, másokat is fogadott, nemcsak ifjabb Andrássyt és Kossuthot. (Apponyi és "mások" fogadása, úgy tűnik, azonban már a második Wekerle-kormány tagjainak az eskütételéhez kapcsolódott.)
  29. A Monarchia és az Orosz Birodalom 1877-ben megkötött budapesti szerződésében, Oroszország megígérte a Monarchiának azt, hozzájárul, hogy a Monarchia megszállhassa Boszniát, a Monarchia pedig ahhoz járult hozzá, hogy Besszarábia visszakerüljön Oroszországhoz, és semleges marad egy orosz-török háborúban, ami 1877-ben ki is robbant. – A Monarchia egyes vezetői, közöttük Andrássy is, a következők miatt tartották szükségesnek Bosznia és Hercegovina birtoklását: Egyrészt, a régió megfelelő hátországként, megerősíti – a Monarchián belül, az Osztrák Császárságnak a részét képező – Dalmáciának a biztonságát. Másrészt, ha Szerbia és Montenegró válik Bosznia-Hercegovina birtokosává, és ezáltal új, délszláv államalakulat jön létre, az a Monarchiát veszélyezteti; továbbá, ha a Monarchia, egy ilyen államnak a megalakulását, nem akarja, vagy nem tudja megakadályozni, az a Monarchia önfeladásával lesz egyenértékű. – Szerbia, Montenegróval együtt, az 1875-ben, Boszniában kirobbant, törökellenes felkelőknek a megsegítésére hivatkozással, 1876-ban hadat üzent az Oszmán Birodalomnak, bízva Bosznia megszerzésében, a törököktől azonban vereséget szenvedtek. Oroszország, a győztes törökök megállítása céljából (akik a bolgár felkelőket is leverték), 1877-ben, hadat üzent az Oszmán Birodalomnak, így robbant ki a már említett, 1877-78-as orosz–török háború.
  30. A kettős szövetség lett az alapja az első világháború egyik szövetségesi tömbjének, a központi hatalmaknak; a szövetség a németek részéről a franciák ellen is irányult, nemcsak az oroszok ellen.
  31. 1886. szeptemberben, az orosz politika kilátásba helyezte Bulgária megszállását. Tisza Kálmán magyar miniszterelnök, élesen tiltakozott a megszállás terve ellen, ezt a fellépést – a Monarchia dualista szerkezetéből adódóan – a közös külügyminiszter, Kálnoky Gusztáv gróf, nem hagyhatta figyelmen kívül, és fel is adta azt a külpolitikai álláspontot, hogy Bulgária orosz érdekszférának minősül. Olyan erős lett Oroszország és a Monarchia közötti feszültség, hogy 1887 nyarától, az oroszok csapatokat vontak össze a közös határon, de végül harcok nem robbantak ki, a háborús feszültség 1888 elejére feloldódott. – Bulgáriát végül az oroszok nem szállták meg.
  32. A magyar királyi címbe beletartózott a "Ráma királya" cím is; "Ráma" a középkorban Boszniát jelentette. Lásd: - hozzáférés: 2023. június 18.
  33. Az Orosz Birodalom nem kapta meg azt, hogy hadihajói a török tengerszorosokon áthaladhassanak. Nagy-Britannia ezt annak ellenére ellenezte, hogy az Antant már létrejött; az 1904-es angol-francia szerződés megkötését, az 1907-es angol-orosz szerződés megkötése követte; a francia-orosz szerződést már 1892-ben megkötötték. A francia-orosz megállapodás előzménye az volt, hogy 1890-ben, amikor már Bismarck nem volt hatalmon, a németek nem hosszabbították meg az oroszokkal az 1887-ben, három évre megkötött, viszontbiztosítási szerződést, és ez a magára maradt oroszokat, a franciák felé orientálta.
  34. Franz Herre: Ferenc József élete és kora, Magyar Könyvklub, Budapest, 2000.
  35. Ferenc Ferdinánd feltehetően nem ismerte azt a felhívást, ami 1913. december 3-án, a Chicagóban megjelenő szerb újságban („Srbobran” /„Szerbvédő”/) volt olvasható: „Az osztrák trónörökös tavaszra bejelentette látogatását Szarajevóba… Szerbek, ragadjátok meg, ami a kezetek ügyébe esik… Halál a Habsburg-dinasztiára, dicsőség ama hősöknek, akik kezet emelnek rá.”. Franz Herre: Ferenc József élete és kora, Magyar Könyvklub, Budapest, 2000. – Az időpont választása nem volt szerencsés: Az ortodox naptárban június 28-a csak június 15-e volt, amely a „Vidovdan”, azaz, Szent Vitus (Vid) napja, amely gyásznap a szerb történelemben, ezért a merénylet szervezői provokációnak tartották a trónörökösnek a hadgyakorlattal egybekötött látogatását. 1389-ben ugyanis ezen a napon, az első rigómezei csatában, a szerbek döntő vereséget szenvedtek az oszmán-törököktől.
  36. Tisza István az 1914. november 5-én kelt levelében, amelyet a német kormányhoz intézett, maga írja azt, hogy a háborút a Monarchia a német kormány „közvetlen buzdítására” kezdte meg. Fejtő Ferenc: Rekviem egy hajdanvolt birodalomért. Ausztria-Magyarország szétrombolása. Atlantisz-Minerva, Budapest, 1997.
  37. A két állam viszonyában azonban nem volt példa nélküli: Obrenović Mihály fejedelem, Belgrádban, 1868. június 10-én történt meggyilkolása után, mivel a szerb kormány állítása szerint, a merénylők a Monarchia területén voltak fellelhetőek, oda menekültek; a Monarchia lehetővé tette a szerb hatóságoknak a Magyar Királyság területén történő eljárásukat. – Szerbia maga mögött tudhatta az Orosz Birodalom támogatását. Spalajkovićnak, Szerbia szentpétervári nagykövetének a Belgrádba, 1914. július 26-án küldött táviratában ez állt: „A jelen pillanat óriási horderejű, mivel Oroszország el van szánva arra, hogy elmenjen a legvégsőkig és történelmi tettet hajtson végre. Nézetem szerint, ragyogó alkalom kínálkozik számunkra, hogy az eseményt okosan használjuk ki és megvalósítsuk a szerbek teljes egyesülését. Ezért kívánatos, hogy az Osztrák-Magyar Monarchia megtámadjon bennünket.” Elisabeth Heresch: II. Miklós. Gyávaság, hazugság, árulás. Az utolsó orosz cár élete és halála. Magyar Könyvklub, Budapest, 1995. – E távirat küldése előtt, Raymond Poincaré francia köztársasági elnök szentpétervári látogatása során (1914. július 20-23.) hangzott el, a francia elnök és Szergej Dmitrijevics Szazonov orosz külügyminiszter találkozóján, hogy „Nem az a fontos, hogy elkerüljük a háborút, hanem az, hogy úgy tűnjék, mintha mindent elkövettünk volna, hogy elkerüljük.” Fejtő Ferenc: Rekviem egy hajdanvolt birodalomért. Ausztria-Magyarország szétrombolása. Atlantisz-Minerva, Budapest, 1997. – Nikola Pašić elképzeléseitől nem állt távol a Monarchia elleni fellépés. A Szerbia jelentős megerősödését hozó Balkán-háborúk befejezését követően kijelentette: "Az első menetet megnyertük, s most a másodikra kell készülnünk, Ausztria ellen.". Romsics Ignác: Nemzet, nemzetiség és állam Kelet–Közép– és Délkelet–Európában a 19. és 20. században. Helikon Kiadó, Budapest, 2020.
  38. 1914. augusztus 1-e és 12-e között német-orosz, német-francia, angol-német, osztrák-magyar–orosz, illetve angol-francia–osztrák-magyar hadüzenetekre került sor.
  39. E szócikk nem tér ki a háború eseményeire, illetve a háború alatti más történésekre.
  40. Magyar kormányok IV. Károly trónra lépésétől a lemondásáig: második Tisza István-kormány, Esterházy-kormány, harmadik Wekerle-kormány, Hadik-kormány, Károlyi Mihály-kormány.
  41. PERNES, Jiří. Poslední Habsburkové. Brno: Barrister & Principal, 2010. ISBN 978-80-87029-50-3. Kapitola Pokusy o návrat, s. 211–229.
  42. “Felavatták IV. Károly szobrát Budapesten”. Origo.hu. 2016年11月28日. 2019年10月5日閲覧.
  43. Fernando Carlos de Habsburgo-Lorena (1754-1806), archiduque de Austria, hijo de María Teresa de Austria y de Francisco III de Lorena, se casó en Milán en 1771 con la princesa María Beatriz de Este (1750-1829), hija única de Hércules III de Este, último duque de Módena y Reggio de la dinastía Este, y María Teresa Cybo-Malaspina, última duquesa de Massa y princesa de Carrara de la dinastía Cybo-Malaspina. El hijo de Fernando y María Beatriz, Francisco IV de Habsburgo-Este (1779-1846), y su nieto Francisco V de Habsburgo-Este (1819-1875), hijo de Francisco IV, fueron los dos últimos soberanos que reinaron sobre el Ducado de Módena y Reggio y el Ducado de Massa y Principado de Carrara, antes de su anexión en 1859 al Reino de Italia.
  44. El descendiente real y último de esta rama menor fue el duque Francisco V, fallecido en 1875. Sin embargo, cedió su nombre, títulos y gran parte de sus bienes a su primo Francisco Fernando de Austria, con la condición de que añadiera el apellido "Este". Francisco Fernando, sin embargo, no era descendiente real de la familia Este, y sus hijos nacieron de un matrimonio morganático. No obstante, el emperador Carlos I de Austria otorgó las armas, títulos y nombre de la familia Austria-Este a su hijo Roberto y a sus descendientes. El hijo de Roberto, Lorenzo, es el actual jefe de la Casa.
  45. Généalogie de Albrecht II herzog Techen Archduke of Austria, Prince Royal of Hungary and Bohemia, Duke of Teschen 1897-1955 . Geneanet. Дата обращения: 14 октября 2016. Архивировано 18 октября 2016 года.
  46. Vocelka, Karl - Heller, Lynn: Die Lebenswelt der Habsburger. Kultur- und Mentalitätgeschichte einer Familie, Styria: Graz-Wien-Köln 1997, s.145.
  47. Urban, s. 70-72.
  48. Urban, Otto, c.d., s. 70.
  49. Urban, Otto: František Josef I. Mladá Fronta: Praha 1991, s. 70-71.
  50. Princ, M. Soudnictví v českých zemích v letech 1848–1938 (soudy, soudní osoby, dobové problémy). Praha: Wolters Kluwer, 2015. s. 102.
  51. Urban, s. 70-71
  52. Urban, s. 67.
  53. Urban s. 254-256.
  54. Galandauer, Jan: František Ferdinand D’Este, Svoboda: Praha 1993, s. 66-67.
  55. PERNES, Jiří. Poslední Habsburkové. Brno: Barrister & Principal, 2010. ISBN 978-80-87029-50-3. Kapitola Smrt na Madeiře, s. 11.
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  65. "Kaiser zu sein, ist kein Job, den man anstrebt" (German: "To be emperor is not a job to strive for")
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