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Platon

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Inhalt
  1. (Nach oben)
  2. Leben und biographischer Hintergrund
    1. Familie und Abstammung
    2. Geburt, Jugend und Name
    3. Frühe Ausbildung und künstlerische Betätigung
    4. Verbindung zu Sokrates
    5. Die Dreißig Tyrannen und der Prozess gegen Sokrates
    6. Frühe Reisen und intellektuelle Einflüsse
    7. Erste Sizilienreise und Versklavung
    8. Gründung und Wirken der Akademie
    9. Zweite und dritte Reise nach Syrakus
    10. Letzte Jahre und Tod
  3. Literarische Form und Methodik
    1. Die Dialogform und die platonische Anonymität
    2. Sokratischer Elenchos und Mäieutik
    3. Mythos und Logos
  4. Metaphysik und die Ideenlehre
    1. Natur und ontologischer Status der Ideen
    2. Teilhabe (Methexis) und das Problem der Immanenz
    3. Selbstkritik und das Argument des Dritten Mannes
    4. Die Idee des Guten
  5. Erkenntnistheorie und Dialektik
    1. Die Natur des Wissens und der Theaitetos
    2. Anamnesis und die Lehre von der Wiedererinnerung
    3. Die geteilte Linie und die Erkenntnisstufen
    4. Das Höhlengleichnis
    5. Die Dialektik als höchste Methode
  6. Seele und Psychologie
    1. Die dreigeteilte Seele
    2. Argumente für die Unsterblichkeit der Seele
    3. Eschatologie und Seelenwanderung
    4. Eros und der Aufstieg zur Schönheit
  7. Ethik und das tugendhafte Leben
    1. Gerechten als innere seelische Harmonie
    2. Sokratischer Intellektualismus und die Einheit der Tugenden
    3. Der Status der Lust und die Angleichung an Gott
  8. Politische Philosophie
    1. Der ideale Staat: Kallipolis
    2. Philosophenkönige und Gütergemeinschaft
    3. Verfall der Regierungsformen
    4. Der Staatsmann und die Gesetze
  9. Ästhetik und die Kritik der Kunst
    1. Kunst als Mimesis und ontologisches Defizit
    2. Moralische Kritik und Zensur der Poesie
  10. Naturphilosophie und Kosmologie
    1. Der Demiurg, die Weltseele und das Empfangsorgan (Chora)
    2. Geometrischer Atomismus und die platonischen Körper
    3. Anatomie und Physiologie
  11. Die ungeschriebene Lehre und die Tübinger Schule
    1. Die Prinzipienlehre: Das Eine und die unbestimmte Dyade
    2. Gelehrtenstreit: Tübinger und Mailänder Schule
  12. Textgeschichte und Corpus Platonicum
    1. Antike Anordnungen und Echtheit
    2. Handschriftliche Überlieferung und Stilometrie
  13. Rezeption und philosophisches Erbe
    1. Antike und Neoplatonismus
    2. Patristisches, mittelalterliches und islamisches Denken
    3. Renaissance bis zur Gegenwart
  14. Literatur und Quellen
Platon
Platon
Geborenca. 428/427 oder 424/423 v. Chr., Athen oder Ägina
Gestorbenca. 348/347 v. Chr. (im Alter von 80 oder 81 Jahren), Athen
EpocheAntike griechische Philosophie
SchulePlatonismus, Platonische Akademie
HauptinteressenMetaphysik, Erkenntnistheorie, Ethik, Politik, Ästhetik, Kosmologie
Wichtige IdeenIdeenlehre, dreigeteilte Seele, Philosophenkönig, Höhlengleichnis, geteilte Linie
LehrerSokrates, Kratylos, Hermogenes
Wichtige SchülerAristoteles, Speusippos, Xenokrates, Eudoxos von Knidos

Platon (ca. 428–348 v. Chr.) war ein antiker griechischer Philosoph des klassischen Athen, der die Akademie gründete, die erste Hochschule der westlichen Welt, und neben Sokrates und Aristoteles die Grundlagen der westlichen Philosophie legte.[1][2] Bekannt für seine literarischen Dialoge, entwickelte er die Ideenlehre (Theory of Forms), die unsterbliche dreigeteilte Seele und eine einflussreiche politische Philosophie, die sich um den idealen Stadtstaat dreht, der von Philosophenkönigen regiert wird.[3][4] Seine Doktrinen in den Bereichen Metaphysik, Erkenntnistheorie, Ethik, Ästhetik und Kosmologie prägten die antike, mittelalterliche christliche, jüdische, islamische und moderne Philosophie tiefgreifend.[5][6][7][8]

Leben und biographischer Hintergrund

Biographische Informationen über Platon stammen aus antiken Berichten, die historische Aufzeichnungen mit panegyrischen und satirischen Anekdoten verbinden.[2][9] Zu den wichtigsten antiken Zeugnissen gehören Philodemos von Gadaras Akademische Geschichte, geborgen aus den Papyri von Herculaneum, Apuleius' De Platone et eius dogmate, Diogenes Laertios' Leben und Meinungen berühmter Philosophen, Olympiodorus der Jüngere' Kommentar zum Ersten Alkibiades sowie das byzantinische Lexikon Suda aus dem zehnten Jahrhundert.[2][5][10][11] Die moderne Altertumswissenschaft stützt sich stark auf Platons Siebten Brief, der – ob nun völlig authentisch oder ein frühes akademisches Dokument – als unschätzbare Primärreflexion über seine politische und philosophische Laufbahn dient.[2][12] Moderne Klassische Philologen betonen, dass antike biographische Traditionen historische Daten mit legendären Verzierungen, Anekdoten und Rückschlüssen vermischten, die direkt aus den dramatischen Kulissen seiner Dialoge abgeleitet wurden.[2][13][14]

Familie und Abstammung

Platon wurde in eine aristokratische, wohlhabende und politisch prominente attische Familie geboren, die zum Demos Kollytos gehörte.[2][15] Sein Vater Ariston von Athen beanspruchte eine väterliche Abstammung von Kodros, dem legendären letzten König von Athen, und über diesen von Melanthos, dem mythischen König von Messenien.[10][13][14] Historische Aufzeichnungen bestätigen, dass Aristons Vorfahr Aristokles bereits 605 oder 604 v. Chr. als Archon von Athen amtierte.[2] Über seine Mutter Periktione stammte Platon von Dropides ab, einem engen Verwandten und Mitarbeiter des Gesetzgebers Solon, einem der Sieben Weisen Griechenlands, der das strukturelle Fundament der attischen Bürgergesetzgebung legte.[13][15][16] Mütterlicherseits war Platon mit der oligarchischen Fraktion verbunden: Periktiones Onkel Kallaeschros hatte 411 v. Chr. dem oligarchischen Rat der Vierhundert angehört, während ihr Cousin Kritias und ihr Bruder Charmides führende Persönlichkeiten der Dreißig Tyrannen waren, die Athen von 404 bis 403 v. Chr. regierten.[13][14][15]

Platon hatte zwei ältere leibliche Brüder, Adeimantus und Glaukon, die beide als Hauptgesprächspartner des Sokrates in der Politeia (Republic) auftreten, sowie eine ältere Schwester, Potone, deren Sohn Speusippos Plato als Leiter der Akademie nachfolgen sollte.[10][13][14][15] Ariston starb während Platons Kindheit, woraufhin Periktione sich um 423 v. Chr. mit ihrem mütterlichen Onkel Pyrilampes verheiratete.[13][15] Pyrilampes war ein attischer Staatsmann und häufiger Diplomat am persischen Hof, der ein enger politischer Weggefährte des Perikles gewesen war.[14][15] Aus einer früheren Ehe hatte Pyrilampes einen Sohn namens Demos, der im zeitgenössischen Athen für seine körperliche Schönheit gefeiert wurde und Platons Stiefbruder war.[13][14] Periktione und Pyrilampes bekamen daraufhin einen Sohn namens Antiphon, Platons jüngeren Halbbruder, der im einleitenden dramatischen Rahmen des Dialogs Parmenides auftaucht.[13][14][15]

Geburt, Jugend und Name

Der Chronik des Apollodor von Athen zufolge, wie sie von Diogenes Laërtios zitiert wird, wurde Platon während der achtundachtzigsten Olympiade unter dem Archontat des Diotimus geboren, was 428 oder 427 v. Chr. während des Peloponnesischen Krieges und der attischen Seuche entspricht.[2][10][13] Die antike Tradition legte seine Geburt auf den siebten Tag des attischen Monats Thargelion (Mai oder Juni), den mythischen Geburtstag des Gottes Apollon, einen Jahrestag, den Platoniker noch im dritten Jahrhundert n. Chr. als Platons Geburtstagsfest feierten.[2][5][9][10] Renaissance-Platoniker begingen seinen Geburtstag traditionell am 7. November.[14] Eine konkurrierende moderne Chronologie, die von Debra Nails vorgebracht wurde, datiert seine Geburt auf das Jahr 424 oder 423 v. Chr., gestützt auf Aussagen im Siebten Brief, die darauf hindeuten, dass sich Platon dem Mannbarkeitsalter näherte, als die Dreißig 404 v. Chr. die Macht ergriffen.[1][12][14] Während Platons Geburt in Kollytos weithin akzeptiert wird, besagte eine von Favorinus überlieferte antike Alternative, er sei auf der Insel Ägina geboren worden, wo Ariston als attischer Kleruch Land besessen haben könnte.[2][10][14] Spätere hagiographische Erzählungen behaupteten, Ariston sei von Apollon im Traum gewarnt worden, Periktiones Reinheit zu wahren, bis sie ein göttliches Kind gebäre, und eine Wunderkind-Legende besagte, Bienen hätten sich auf dem Hymettos auf den Lippen des Babys niedergelassen, was seine Beredsamkeit vorwegnahm.[5][9][10]

Antike Berichte, aufgezeichnet von Diogenes Laërtios, besagen, dass Platon ursprünglich nach seinem Großvater väterlicherseits Aristokles hieß und dass ihm der Spitzname Platon von seinem Gymnastiklehrer, dem Ringer Ariston von Argos, wegen seiner kräftigen Brust und seiner breiten Schultern verliehen wurde.[10][13][17] Andere antike Autoritäten schlugen vor, der Name beziehe sich auf die Breite seiner Stirn oder die ausladende Fließfähigkeit seines literarischen Stils.[10][13][17] Die moderne philologische Forschung betrachtet den Namen Aristokles als ein erfundenes hellenistisches Konstrukt und stellt fest, dass Platon ein gebräuchlicher attischer Vorname war, der in Dutzenden zeitgenössischer Inschriften bezeugt ist, darunter ein Einwohnerregister auf Ägina, das ihn direkt als Platon, Sohn des Ariston, aus Kollytos aufführt.[2][14][17]

Frühe Ausbildung und künstlerische Betätigung

Inmitten des Peloponnesischen Krieges aufwachsend, erhielt Platon die traditionelle liberale Bildung der attischen aristokratischen Elite, die sich am Bildungsideal der Kalokagathia, der harmonischen Vollkommenheit von Körper und Charakter, orientierte.[2][10][14] Er wurde in Grammatik und Literatur von Dionysios, in Gymnastik von Ariston von Argos, in Musik von Drako von Athen und Metellaus von Agrigent sowie in Malerei unterrichtet.[2][5][10][14] Dikaiarchos zufolge war Platons athletische Leistungsfähigkeit so groß, dass er bei den Isthmischen Spielen an Ringkämpfen teilnahm, und spätere Biographen behaupteten sogar, er habe bei den Olympischen und Pythischen Festspielen Preise errungen.[2][10][14]

In seiner Jugend beschäftigte sich Platon intensiv mit Dichtung und dramatischer Kunst; er verfasste Dithyramben, lyrische Verse und dramatische Tetralogien, mit denen er bei den Großen Dionysien antreten wollte.[2][5][10] Bevor er Sokrates traf, begann seine philosophische Ausbildung unter Kratylos, einem Anhänger des Heraklit, der lehrte, dass alle sinnlichen Dinge in ständigem Fluss begriffen sind und nicht Gegenstände stabiler Begriffsbestimmung sein können, sowie Hermogenes, der eleatische Lehren des Parmenides über die unveränderliche Wirklichkeit vertrat.[2][10][13][18] Im Alter von etwa zwanzig Jahren begegnete Platon dem Sokrates vor dem Dionysostheater an den Hängen der Akropolis.[2][5][10] Tief beeindruckt von der sokratischen Erforschung der Tugend, gab Platon seine theatralischen Ambitionen auf, verbrannte all seine tragischen Gedichte und widmete sein Leben ganz der Philosophie.[2][5][10][13] Eine berühmte, von Diogenes Laërtios überlieferte Legende erzählt, dass Sokrates träumte, er halte einen jungen Schwan auf den Knien, dem Flügel wuchsen und der süße Melodien singend in den Himmel aufstieg; als er ihm am nächsten Morgen Platon vorstellte, identifizierte Sokrates den Jüngling als den heiligen Vogel des Apollon.[2][5][10]

Verbindung zu Sokrates

Platon blieb etwa ein Jahrzehnt lang, von ca. 407 v. Chr. bis zur Hinrichtung des Sokrates im Jahr 399 v. Chr., ein enger Gefährte des Sokrates.[2] Sokrates' dialektische Methode des Kreuzverhörs und sein beharrlicher Fokus auf Definitionen, menschliche Tugend und praktische Ethik lenkten Platons intellektuelle Entwicklung von einer spekulativen Naturkosmologie hin zu ethischen und erkenntnistheoretischen Problemen ab.[1][2][10][13] Sokrates' kompromisslose Suche nach dem guten Leben bildete das ethische Fundament von Platons späteren philosophischen Schriften.[1][2][13]

Der entscheidende Einfluss des Sokrates spiegelt sich in Platons gesamtem literarischen Schaffen wider, in dem Sokrates in fast jedem Dialog mit Ausnahme der Gesetze als Hauptgesprächspartner auftritt.[2][19] Allerdings stellt sich Platon niemals selbst als direkter Teilnehmer an den Diskussionen dar.[2] Er erwähnt seinen eigenen Namen im gesamten Korpus nur zweimal: in der Apologie, wo Sokrates Platon unter den unterstützenden Freunden aufführt, die anbieten, für eine Geldstrafe von dreißig Minen zu bürgen, und im Phaidon, wo der Erzähler erklärt, Platon sei wegen Krankheit bei Sokrates' Todestag nicht anwesend gewesen.[2][10][13][14][19] Gelehrte unterscheiden zwischen dem historischen Sokrates und Platons literarischer Darstellung – ein als sokratische Frage bekanntes Problem –, da Berichte von Zeitgenossen wie Xenophon und Aristophanes gegensätzliche Schilderungen liefern und Aristoteles ausdrücklich anmerkt, dass Sokrates universelle Definitionen nicht von materiellen Besonderheiten trennte, und die transzendente Trennung der Ideen Platon zuschreibt.[2][18][20]

Die Dreißig Tyrannen und der Prozess gegen Sokrates

Als Athen am Ende des Peloponnesischen Krieges 404 v. Chr. an Sparta fiel, setzten die spartanischen Sieger das oligarchische Regime der Dreißig Tyrannen ein, angeführt von Platons Verwandten Kritias und Charmides.[2][12][13] Platon wurde von seinen Verwandten eingeladen, sich an der Verwaltung der Stadt zu beteiligen – eine Einladung, die für einen jungen Aristokraten, der für ein öffentliches Amt bestimmt war, natürlich schien.[2][12][13] Er lehnte jedoch ab, nachdem er die gesetzlosen Enteignungen, gewaltsamen Säuberungen und standrechtlichen Hinrichtungen politischer Gegner durch das Regime beobachtet hatte.[2][12][13] Besonders befremdet war Platon, als die Oligarchen versuchten, Sokrates in ihre Verbrechen hineinzuziehen, indem sie ihm befahlen, an der illegalen Verhaftung und Hinrichtung des demokratischen Generals Leon von Salamis mitzuwirken – ein Befehl, den Sokrates unter persönlichem Risiko rundweg verweigerte.[2][12][13]

Als im Jahr 403 v. Chr. von Thrasybulos angeführte exilierte Demokraten nach der Schlacht von Munychia (bei der sowohl Kritias als auch Charmides getötet wurden) die Dreißig stürzten, hegte Platon zunächst Hoffnung auf eine moderate staatsbürgerliche Restauration.[2][12][13] Doch im Jahr 399 v. Chr., unter eben dieser wiederhergestellten Demokratie, wurde Sokrates von Anytos und Meletos wegen angeblicher Asebie (Gottlosigkeit) und der Verführung der attischen Jugend vor Gericht verklagt.[1][2][13] Platon nahm dem Gerichtsprozess bei, aber Sokrates wurde von den Geschworenen verurteilt und zum Schierlingsbecher verurteilt.[2][13] Platon betrachtete die Hinrichtung des Mannes, den er für den gerechtesten und weisesten in Athen hielt, als Beweis für die fundamentale Korruption zeitgenössischer politischer Systeme.[2][12][13][14] Im Siebten Brief zog er den berühmten Schluss, dass das menschliche Leid erst dann ein Ende haben würde, wenn entweder wahre Philosophen politische Macht erlangten oder Herrscher zu echten Philosophen würden.[2][12][13][14]

Frühe Reisen und intellektuelle Einflüsse

Aus Furcht vor politischer Verfolgung des sokratischen Kreises nach der Hinrichtung des Sokrates zogen sich Platon und einige Gefährten aus Athen nach Megara zurück und fanden Zuflucht bei Euklid von Megara, dem Gründer der megarischen Schule.[2][10][14] Etwa ein Dutzend Jahre lang reiste Platon ausgedehnt durch das Mittelmeerbecken.[2][10][13][14] Er besuchte Kyrene in Nordafrika, wo er bei Theodoros von Kyrene fortgeschrittene Mathematik und Geometrie studierte.[2][10][13] Antike Berichte, die von Cicero, Strabon, Apuleius und Hermodorus überliefert wurden, verzeichnen, dass er Heliopolis und Memphis in Ägypten bereiste, um Astronomie, Kalendersysteme und Priesterwissen zu studieren, obwohl viele moderne Gelehrte die ägyptische Reise als eine ausgeschmückte Legende betrachten, die Platon mit alter orientalischer Weisheit verbinden sollte.[2][5][10][14] Platon äußerte auch die Absicht, nach Osten nach Persien zu reisen, um bei den Magiern zu studieren, wurde jedoch durch militärische Feldzüge in Kleinasien davon abgehalten.[5]

Um 388 bis 387 v. Chr. reiste Platon nach Magna Graecia in Süditalien und knüpfte eine dauerhafte Freundschaft mit dem pythagoreischen Staatsmann und Mathematiker Archytas von Tarent.[2][10][13][14][21] Archytas, der wiederholt als Stratege von Tarent amtierte, bot ein praktisches lebendiges Beispiel für einen Intellektuellen, der mathematische Meisterschaft mit erfolgreicher politischer Herrschaft verband.[21] Durch Archytas und andere Pythagoreer wie Eurytos und Philolaos von Kroton studierte Platon Harmonielehre, Zahlentheorie und die mystische Lehre von der Unsterblichkeit und Seelenwanderung der Seele.[10][13][21][22] R. M. Hare identifizierte drei pythagoreische Hauptelmente, die dauerhaft in Platons Denken Eingang fanden: das Ideal einer disziplinierten philosophischen Gemeinschaft, die Überzeugung, dass die Mathematik eine sichere Grundlage für Wissenschaft und Ethik bietet, sowie eine eschatologische Konzeption des Platzes der Seele im physischen Universum.[22]

Erste Sizilienreise und Versklavung

Um 388 oder 387 v. Chr. reiste Platon von Süditalien nach Sizilien, angeblich um die vulkanische Aktivität des Ätna zu beobachten, und besuchte den Hof von Dionysios I., dem Tyrannen von Syrakus.[2][5][10][13][23] Dort knüpfte Platon ein dauerhaftes persönliches und philosophisches Band mit Dion von Syrakus, dem Schwager des Tyrannen, der ein glühender Schüler platonischer Tugend wurde.[5][10][13][23] Platons offene Vorträge gegen die Willkür der Tyrannen und seine Verteidigung der Gerechtigkeit erzürnten Dionysios I. jedoch so sehr, dass ihre Beziehungen zerbrachen.[10][23][24] Platon war von dem Luxus und Hedonismus des syrakusischen Hofes zutiefst abgestoßen, ein Eindruck, der im Siebten Brief dokumentiert ist.[2][12]

Bei Platons Abreise aus Syrakus arrangierte Dionysios I., dass er an Bord eines spartanischen Schiffes unter dem Kommando des Botschafters Pollis gebracht wurde.[10][25] Traditionelle Biographien berichten, Dionysios habe Pollis angewiesen, Platon in die Sklaverei zu verkaufen, und er sei auf dem Sklavenmarkt von Ägina – einer Insel, die sich damals im Krieg mit Athen befand – zum Verkauf angeboten worden.[5][10][13][14][25] Platon wurde von Anniceris aus Kyrene erkannt und für zwanzig Minen gekauft; Anniceris befreite ihn sofort und lehnte jede Rückerstattung durch Platons athenische Freunde ab.[5][10][13][14][25] Entzifferungen von Philodemos' Geschichte der Akademie aus Herculaneum deuten jedoch auf eine alternative historische Chronologie hin, die darauf hindeutet, dass Platon entweder während der spartanischen Eroberung der Insel 405 oder 404 v. Chr. oder kurz nach Sokrates' Tod 399 v. Chr. auf Ägina versklavt worden sein könnte, wobei Biographen die Episode später auf Dionysios I. und die Sizilienreise trugen.[11][25][26]

Gründung und Wirken der Akademie

Nach seiner Rückkehr nach Athen um 387 v. Chr. erwarb Platon ein Grundstück nordwestlich der Stadtmauern nahe dem heiligen Olivenhain des attischen Helden Akademos.[2][10][13][14] Dort gründete er die Akademie, die weithin als das erste institutionelle Zentrum für höhere Forschung und Lehre in der westlichen Welt anerkannt ist.[1][2][10][13][14] Rechtlich als religiöse Bruderschaft zu Ehren der Musen und des Apollon organisiert, verfügte die Akademie über Grundstücke, Unterkünfte, Gärten und Vorlesungsbereiche, in denen Platon kostenlosen Unterricht anbot.[2][10][13][14] Die Akademie entwickelte sich in pädagogischer Konkurrenz zu der um 390 v. Chr. von Isokrates gegründeten Rhetorikschule, die eine praktische rednerische Ausbildung Platons anspruchsvollem wissenschaftlichen und dialektischen Lehrplan vorzog.[27][28]

Die Akademie versammelte Gelehrte und angehende Studenten zu gemeinsamer Forschung in Geometrie, Arithmetik, Astronomie, Harmonik, biologischer Klassifikation und Dialektik, gestützt auf die Überzeugung, dass mathematische Disziplinen den Intellekt zur Erfassung der Wirklichkeit reinigen.[2][10][13][21] Eine spätere Überlieferung besagte, eine Inschrift über dem Eingang habe gelautet: „Niemand, der der Geometrie unkundig ist, trete hier ein.“ Die Einrichtung diente als Ausbildungsstätte für Gesetzgeber und Verfassungsberater, die Städte in ganz Griechenland unterstützten.[2][13][24] Zu den herausragenden Mitgliedern gehörten die Mathematiker Theaitetos und Eudoxos von Knidos, die Astronomen Herakleides Pontikos und Philipp von Opus, Speusippos, Xenokrates, zwei namentlich bekannte Philosophinnen, Lastheneia von Mantineia und Axiothea von Phleious, sowie Aristoteles aus Stageira, der zwanzig Jahre lang bis zu Platons Tod an der Akademie studierte und lehrte.[1][2][10][13][14] Dramatiker der Mittleren Komödie, darunter Epikrates, verspotteten häufig die pedantischen Debatten der Akademie und machten sich über Schülerübungen zur botanischen und biologischen Diairese (Einteilung) lustig.[10][14]

Zweite und dritte Reise nach Syrakus

Als Dionysios I. 367 v. Chr. starb, übernahm sein Sohn Dionysios II. die Tyrannenherrschaft in Syrakus.[2][10][13][14][23] Dion überredete den jungen Herrscher, Platon nach Sizilien zurückzubringen, um ihn zu einem aufgeklärten Philosophenkönig zu erziehen.[2][10][13][23] Trotz großer Bedenken segelte Platon 366 v. Chr. nach Syrakus, in der Hoffnung, seine politischen Ideale zu verwirklichen und den Staat zu reformieren.[13][14][23][24] Das Unternehmen brach inmitten von Hofintrigen zusammen: Rivalen überzeugten Dionysios II., dass Dion gegen ihn konspiriere, was den Tyrannen dazu veranlasste, Dion nach Griechenland zu verbannen und seine Einkünfte zu konfiszieren.[10][13][14][23] Dionysios hielt Platon in ehrenvoller Haft in der Zitadelle von Ortygia fest, bis der Ausbruch eines Krieges in Sizilien es Platon 365 v. Chr. ermöglichte, unter dem Versprechen einer politischen Aussöhnung die Erlaubnis zur Abreise nach Athen zu erhalten.[10][13][14][23][24]

Im Jahr 361 v. Chr. rief Dionysios II. Platon dringend zu einem dritten Besuch und machte Dions finanzielle Wiederherstellung von der Anwesenheit des Philosophen abhängig.[10][13][14][23][29] Begleitet von seinen Schülern Speusippos und Xenokrates kam Platon auf einem königlichen Schiff in Syrakus an.[10][13][14][23] Die Mission erwies sich als katastrophal: Dionysios brach seine Versprechen, konfiszierte Dions verbleibende Güter und behauptete, die Metaphysik gemeistert zu haben, ohne ein langes philosophisches Studium auf sich genommen zu haben.[10][12][13][23] Als Speusippos und Angehörige der Akademie syrakusische Dissidenten zum Sturz des Regimes ermutigten, geriet Platon unter den Söldnern des Tyrannen in Verdacht.[23][24] Seine Sicherheit wurde erst dadurch gewahrt, dass Archytas von Tarent diplomatisch intervenierte und 360 v. Chr. eine Galeere unter dem Kommando von Lamiskus entsandte, um Platon herauszuholen.[10][13][14][21][23]

Nach dem diplomatischen Bruch stellte Dion in Griechenland mit aktiver Unterstützung mehrerer Akademiemitglieder eine Söldnertruppe auf und unternahm 357 v. Chr. einen Einfall in Sizilien.[10][13][14][23][24] Platon bewahrte aufgrund seiner Gastfreundschaftsbeziehungen zu Dionysios II. offizielle Neutralität, hinderte seine Schüler jedoch nicht daran, sich Dions Feldzug anzuschließen.[23][24] Dion eroberte Syrakus erfolgreich und trieb Dionysios II. ins Exil, doch seine Bemühungen um die Errichtung einer Verfassungsordnung stießen auf heftigen Widerstand des Volkes.[10][13][23] Dion wurde 354 v. Chr. in einer Verschwörung ermordet, die von Kallippos organisiert wurde – einem attischen Gefährten, von dem Platon im Siebten Brief betonte, er habe keine Verbindung zur akademischen Philosophie gehabt.[10][12][13][14][23] Platon verfasste ein schmerzerfülltes Grabepigramm auf Dion und schrieb den Siebten und Achten Brief, um Dions überlebende Anhänger zu beraten.[2][10][12][23]

Letzte Jahre und Tod

Platon verbrachte seine letzten dreizehn Jahre in Athen mit Lehren, Überarbeiten früherer Manuskripte und dem Verfassen späten Werks.[2][10][13][14] In hohem Alter hielt er einen gefeierten öffentlichen Vortrag Über das Gute, der ein athenisches Publikum, das praktische Regeln für das Glück erwartete, verwirrte, indem er stattdessen komplexe mathematische Deduktionen, Geometrie, Astronomie und die ontologische Behauptung präsentierte, das Gute sei das Eine.[10][13][14][30] Während dieser Zeit schrieb oder vollendete er den Parmenides, Theaitetos, Sophistes, Politikos, Timaios, Kritias, Philebos und die monumentalen Nomoi (Gesetze), seinen längsten Dialog, der bei seinem Tode auf Wachstäfelchen unvollendet hinterlassen und von seinem Sekretär Philipp von Opus für die Veröffentlichung vorbereitet wurde.[2][10][13][14][29]

Platon starb 348 oder 347 v. Chr. im ersten Jahr der 108. Olympiade im Alter von etwa achtzig oder einundachtzig Jahren.[1][2][10][14] Antike Berichte über seinen Tod gehen auseinander: Hermippos überlieferte, er sei während eines Hochzeitsmahls gestorben, Seneca schrieb, er sei friedlich an seinem Geburtstag dahingeschieden, Cicero erklärte, er sei beim Schreiben an seinem Schreibtisch gestorben, und Tertullian verzeichnete, er sei im Schlaf verschieden.[2][5][10][13][14] Entzifferungen von Philodemos' Geschichte der Akademie aus Herculaneum, die 2024 veröffentlicht wurden, beschreiben seine letzten Stunden: Von hohem Fieber geplagt, hörte Platon einem jungen thrakischen Sklavenmädchen beim Flötenspiel zu und behielt genügend Klarheit, um ihren fehlerhaften Rhythmus zu kritisieren.[2][11][26] Die Rollen von Herculaneum bestätigten, dass Platon in einem privaten Garten auf dem Gelände der Akademie nahe dem Heiligtum der Musen begraben wurde.[11][14][26] Sein von Diogenes Laërtios überliefertes Testament vermachte den Jüngeren Adeimantus ein Grundstück in Iphistiadae, entließ eine Sklavin namens Artemis in die Freiheit und bestimmte Speusippos und andere Gefährten zu Testamentsvollstreckern, wobei Speusippos zu seinem Nachfolger als Scholarch gewählt wurde.[2][10][14]

Literarische Form und Methodik

Platon verfasste fast alle seine Werke in Form literarischer Dialoge – eine Innovation, die seine Philosophie von den poetischen Abhandlungen der Vorsokratiker und den didaktischen Vorlesungen späterer Schulen unterscheidet.[2][31] Im Dialog fand Platon ein flexibles Medium, das es erlaubte, die philosophische Untersuchung als gemeinschaftliche Suche nach der Wahrheit darzustellen.[2] Indem er Argumente in spezifische dramatische Kontexte und persönliche Begegnungen einbettete, vermied Platon dogmatische Aussagen, hielt seine autorenhafte Person im Hintergrund und lud die Leser dazu ein, dialektische Behauptungen kritisch abzuwägen.[2][32]

Die Dialogform und die platonische Anonymität

Die Dialogform befreite Platon davon, ein geschlossenes, künstliches dogmatisches System zu präsentieren.[2] Sie spiegelte den lebendigen mündlichen Austausch wider, wie ihn Sokrates praktizierte, und erkannte die pädagogische Überlegenheit des gesprochenen Dialogs gegenüber dem statischen Schreiben an.[2][32] Im Phaidros und im Siebten Brief äußerte Platon tiefe Skepsis gegenüber der geschriebenen Philosophie und argumentierte, ein geschriebener Text könne weder auf Fragen antworten, sich an einzelne Leser anpassen noch sich gegen Missverständnisse verteidigen.[12][32] Der geschriebene Dialog diente als Abbild der lebendigen Untersuchung und funktionierte als intellektuelle Übung für die Seele des Lesers.[2][32]

Ein grundlegendes Merkmal von Platons Werken ist die Autornonymität: Platon spricht niemals direkt mit seiner eigenen Stimme, fungiert nie als Gesprächspartner und tritt nie als Erzähler auf.[2] Während andere sokratische Autoren wie Xenophon, Antisthenes und Aischines sokratische Diskurse verfassten, erhob Platon die Gattung zu hochstehender philosophischer Literatur.[2] Dramatische Schauplätze – wie die Gefängniszelle des Sokrates im Kriton und Phaidon, das Haus des Kephalos im Piräus in der Politeia, das Gastmahl im Symposion oder das Flussufer unter der Platane im Phaidros – fungieren nicht als wörtliche Mitschriften, sondern als gestaltete literarische Rahmen, die zum Nachdenken anregen sollen.[2][19][32]

Sokratischer Elenchos und Mäieutik

In den frühen Dialogen führt Sokrates Diskussionen mittels des Elenchos, einer Methode des gezielten Fragens und der Widerlegung.[2][31] Sokrates fordert einen Gesprächspartner, der Expertise beansprucht – wie Euthyphron in Bezug auf Frömmigkeit, Laches in Bezug auf Tapferkeit oder Charmides in Bezug auf Besonnenheit –, eine wesentliche Definition einer moralischen Eigenschaft zu liefern.[2] Durch Gegenbeispiele zeigt Sokrates, dass die vorgeschlagenen Definitionen entweder zu eng oder zu weit gefasst sind, was den Gesprächspartner in logische Widersprüche verwickelt.[2][31] Dieses Kreuzverhör entlarvt ungeprüfte Annahmen, räumt falschen Dünkel beiseite und führt den Gesprächspartner zu dem Eingeständnis der Unwissenheit oder Aporie.[2][31]

Im Theaitetos vergleicht Sokrates seine dialektische Praxis mit der mäieutischen Kunst oder Hebammenkunst, die von seiner Mutter Phainarete ausgeübt wurde.[33] Im Gegensatz zu den Sophisten, die beträchtliche Gebühren verlangten, um fertiges Wissen zu vermitteln, gibt Sokrates vor, bar persönlicher Weisheit zu sein.[2][33] Stattdessen agiert er als Hebamme für die Seelen junger Männer, hilft ihnen dabei, ihre eigenen verborgenen Einsichten hervorzubringen, und prüft, ob die Geburt eine lebensfähige Wahrheit oder ein leeres Trugbild ist.[33] Das Ziel des Elenchos ist nicht der rhetorische Sieg, den Platon in eristischen Disputen tadelte, sondern eine existenzielle Umkehr zu Selbsterkenntnis und moralischer Integrität.[2][31][33]

Mythos und Logos

Platon integrierte erzählende Mythen in seine philosophischen Werke und schuf Allegorien, die intuitive Einsichten dort vermitteln, wo diskursive Argumentation an ihre Grenzen stößt.[2][34] Zu den bekanntesten platonischen Mythen gehören die Geschichte von Atlantis im Timaios und Kritias, Aristophanes' Mythos von den ursprünglichen kugelartigen Wesen im Symposion, der Ring des Gyges und der Er-Mythos in der Politeia, der geflügelte Wagen und die Erfindung der Schrift durch Theuth im Phaidros, die kosmische Umkehrung des Goldenen Zeitalters im Politikos sowie die Unterweltsgerichte im Gorgias und Phaidon.[2][34][35]

Das Verhältnis von Mythos und Logos in Platons Schriften ist unterschiedlich interpretiert worden.[2][34] Während Platon häufig den Logos als verifizierte Argumentation dem Mythos als unbegründeter Erzählung gegenüberstellt, verwischt er die Unterscheidung auch, indem er komplexe philosophische Erklärungen als Mythen bezeichnet oder mythische Berichte wie im Fall von Atlantis als wahren Logos präsentiert.[2][34][35] Moderne Kommentatoren betrachten den platonischen Mythos nicht als billigen Ersatz für die Argumentation, sondern als unverzichtbares pädagogisches Hilfsmittel, das darauf ausgelegt ist, die imaginative und emotionale Kapazität der Seele anzusprechen und Wahrheiten zu veranschaulichen, die die direkte empirische Beobachtung übersteigen.[2][34][35]

Metaphysik und die Ideenlehre

Der Kern der platonischen Metaphysik ist die Ideen- oder Formenlehre (Theory of Forms).[1][3] Als Reaktion auf den Konflikt zwischen Heraklits Ontologie des absoluten Flusses und der Lehre des Parmenides von einem unveränderlichen, einheitlichen Sein teilte Platon die Wirklichkeit in zwei unterschiedliche ontologische Bereiche: die sinnliche Welt der materiellen Einzeldinge, die sich ständig verändert, und das intelligible Reich der unimmateriellen, ewigen und unveränderlichen Ideen, die allein durch die Vernunft erfasst werden.[1][13][18][36]

Natur und ontologischer Status der Ideen

In der platonischen Philosophie ist eine Idee (Form) kein mentaler Begriff oder subjektiver Gedanke, sondern eine objektiv existierende, transzendente und immaterielle Wirklichkeit.[1][2] Materielle Gegenstände, die durch die Sinne wahrgenommen werden, besitzen nur eine abgeleitete, mangelhafte Existenz; ein physischer Gegenstand mag in einer Beziehung schön oder gleich sein, in einer anderen jedoch hässlich oder ungleich.[2][36] Im Gegensatz dazu ist die Idee – wie die Schönheit an sich, die Gerechtigkeit an sich oder die Gleichheit an sich – absolut, einheitlich, unzerstörbar und völlig frei von ihrem Gegenteil.[2][13][19] Ideen dienen als ewige Urtypen und Paradigmen der sinnlichen Phänomene.[2][3]

Ontologisch haben Ideen einen höheren Status als Einzeldinge, weil sie mit sich selbst identisch, ewig und unzusammengesetzt sind.[2] Erkenntnistheoretisch sind Ideen die einzigen Gegenstände echtem Wissens, während flüchtige sinnliche Dinge nur Gegenstände der Meinung sein können.[2][4] In der Politeia veranschaulicht Platon dies anhand mathematischer Objekte: Wenn Geometer ein Quadrat und seine Diagonale untersuchen, gilt ihre Untersuchung nicht den unvollkommenen Kreidefiguren an einer Tafel, sondern dem idealen, intelligiblen Quadrat an sich.[2][4] Die Ideen definieren die wahre Natur der Dinge und bilden die Grundlage für universelle Begriffe, womit sie eine frühe systematische Lösung für das Universalienproblem bieten.[1][2]

Teilhabe (Methexis) und das Problem der Immanenz

Platon untersuchte die genaue ontologische Verbindung zwischen transzendenten Ideen und sinnlichen Einzeldingen.[2] In Dialogen wie dem Phaidon und der Politeia verwendet er verschiedene Metaphern: Einzeldinge haben an der Idee teil (methexis), ähneln ihr oder empfangen ihre Gegenwart.[2][13][19] Eine Entität ist nur deshalb gerecht oder schön, weil sie an der Idee des Gerechten oder Schönen teilhat.[2][13] Im Timaios wird der sinnliche Kosmos als ein gestaltetes Abbild beschrieben, das vom Demiurgen aus präexistierender Materie unter Verwendung der ewigen Ideen als intelligibles Modell geformt wurde.[2][37]

Platon hat diese Beschreibungen nie zu einem starren Dogma systematisiert, und grundlegende Schwierigkeiten blieben offen.[2] Im Politikos scheint die Existenz einer Idee von einer formalen Begriffsteilung unabhängig vom ethischen Wert abzuhängen, während im Parmenides Sokrates Zweifel darüber äußert, ob weltliche oder abstoßende Dinge – wie Haare, Schlamm und Schmutz – transzendente Ideen besitzen.[2] Darüber hinaus blieb es zweifelhaft, ob negative Zustände, Unvollkommenheiten oder hergestellte Artefakte eigene unabhängige Ideen besitzen – Fragen, die unter seinen unmittelbaren Nachfolgern in der Akademie diskutiert wurden.[2][38]

Selbstkritik und das Argument des Dritten Mannes

Im Parmenides unterzieht Platon seine frühere Ideenlehre einer strengen kritischen Untersuchung.[2][20] Der ältere Philosoph Parmenides konfrontiert den jungen Sokrates mit der radikalen Trennung zwischen dem Bereich der Ideen und den sinnlichen Einzeldingen.[2][20] Wenn eine Idee getrennt ist, wie kann sie dann als Ganzes in zahlreichen verstreuten Einzeldingen gegenwärtig sein, ohne sich selbst aufzuteilen?[2][20] Umgekehrt: Wenn sie geteilt ist, wie kann sie dann ihre unteilbare Einheit bewahren?[2][20]

Parmenides formuliert daraufhin das Argument des Dritten Mannes: Wenn alle großen Dinge dadurch groß sind, dass sie an einer separaten Idee der Größe teilhaben, und wenn diese Idee der Größe selbst groß ist, dann muss eine zweite Idee der Größe postuliert werden, um zu erklären, warum sowohl die ursprünglichen großen Dinge als auch die erste Idee groß sind, was einen unendlichen Regress auslöst.[2][13][20] Parmenides argumentiert ferner, dass die absolute Trennung die Ideen für den menschlichen Geist und die sinnlichen Angelegenheiten für Götter unerkennbar mache.[2][20] In späten Dialogen wie dem Sophistes untersuchte Platon die Gemeinschaft der höchsten Gattungen – Sein, Identität, Verschiedenheit, Ruhe und Bewegung –, um zu zeigen, dass das Nichtsein kein absolutes Nichts, sondern relative Verschiedenheit ist, womit er eleatische Rätsel falscher Aussagen auflöste.[2][13]

Die Idee des Guten

In den Büchern VI und VII der Politeia führt Platon die Idee des Guten als das oberste ontologische und erkenntnistheoretische Prinzip ein.[2][13][39] Das Gute ist nicht bloß eine Idee unter anderen; Sokrates erklärt, es sei nicht das Sein, sondern übertreffe das Sein an Würde und Kraft.[2][13][39] So wie die Sonne im sichtbaren Bereich den sinnlichen Dingen ihre Erleuchtung, Sichtbarkeit, ihr Wachstum und Leben verleiht, so erleuchtet die Idee des Guten die intelligiblen Ideen und gewährt ihnen ihre Erkennbarkeit, Wahrheit und ihr Sein.[2][13][39]

Die Erfassung der Idee des Guten bildet das ultimative Ziel der philosophischen Dialektik und die wesentliche Qualifikation für Philosophenherrscher.[2][4][13] Das Gute vereint theoretisches Wissen mit ethischem Handeln: Wer eine Vision des höchsten Guten erlangt, kann nicht entgegen dieser Einsicht handeln, wodurch das Problem der Akrasia (Willensschwäche) gelöst wird.[2][39] Moderne Gelehrte debattieren darüber, ob Platon das Gute als absolute transzendente Einheit über aller Wirklichkeit begriff – was das neoplatonische Eine vorwegnimmt – oder als immanente strukturelle Harmonie innerhalb des Seins.[39][40]

Erkenntnistheorie und Dialektik

Die platonische Erkenntnistheorie zieht eine scharfe Trennlinie zwischen der Meinung (doxa), die aus der Sinneswahrnehmung entspringt, und dem wahren Wissen (episteme), das allein durch Intellekt und rationale Reflexion erlangt wird.[2][13][33] Da materielle Phänomene ständiger Entstehung, Ver Falls und Veränderung unterworfen sind, kann die Sinneswahrnehmung keine unveränderliche Wahrheit liefern.[2][13][33] Wahres Wissen muss stabil, unfehlbar und in der ewigen Wirklichkeit begründet sein.[2][13][33]

Die Natur des Wissens und der Theaitetos

Im Theaitetos unternimmt Platon eine erschöpfende Untersuchung der Definition von Wissen.[33] Sokrates widerlegt drei aufeinanderfolgende Vorschläge von Theaitetos: dass Wissen Sinneswahrnehmung sei, dass Wissen wahres Urteil sei und dass Wissen wahres Urteil verbunden mit einer Rechenschaft (Logos) sei.[33] Die Sinneswahrnehmung wird verworfen, weil sie instabil, subjektiv und unfähig ist, Wahrheit oder Sein zu erfassen, womit der protagoräische Relativismus und der heraklitische Fluss widerlegt werden.[6][13][33]

Sokrates zeigt, dass ein wahres Urteil allein noch kein Wissen sein kann, da eine Geschworenengerichtsbarkeit durch Überredung oder Glück ein korrektes Urteil ohne echtes Verständnis fällen kann.[33] Schließlich analysiert Platon die Definition von Wissen als gerechtfertigten wahren Glauben mit einer begründeten Erklärung.[6][33] Sokrates zeigt, dass die Erläuterung der geforderten Rechenschaft entweder zu einem unendlichen Regress von Erklärungen oder zu einer zirkulären Definition führt, da das Definieren eines Logos ein Vorkenntnis des Unterschieds erfordert.[6][33][41] Der Dialog endet in Aporie, nimmt das moderne Gettier-Problem vorweg und legt nahe, dass Wissen die direkte Erfassung transzendenter Ideen erfordert.[6][33][41]

Anamnesis und die Lehre von der Wiedererinnerung

Im Menon, Phaidon und Phaidros führt Platon die Lehre von der Wiedererinnerung (Anamnesis) ein, um Menons Paradoxon zu lösen: Wie kann eine Person nach dem suchen, was sie nicht kennt, wenn sie es nicht erkennen kann, falls sie es findet, oder warum sollte sie nach dem suchen, was sie bereits weiß?[1][2][13][42] Platon behauptet, dass Lernen nicht der passive Erwerb neuer Informationen durch sinnliche Eingaben ist, sondern die Wiedergewinnung angeborener Kenntnisse, die die unsterbliche Seele in einem pränatalen, körperlosen Zustand besaß, bevor sie in einen physischen Körper fiel.[1][2][13][42]

Um dies zu demonstrieren, befragt Sokrates im Menon einen ungebildeten Sklavenjungen zu einem Problem der ebenen Geometrie: wie man die Fläche eines Quadrats verdoppelt.[1][2][13] Ohne Antworten zu geben, leitet Sokrates den Jungen durch Fragen an, seine anfänglichen Irrtümer zu erkennen und abzuleiten, dass das Quadrat über der Diagonale die doppelte Fläche des ursprünglichen Quadrats ergibt.[1][2][13] Sokrates zieht den Schluss, dass der Sklavenjunge, da er niemals Schulunterricht erhalten hatte, diese wahren Meinungen aus seiner eigenen Seele hervorgeholt hat.[1][2][13] Die Lehre von der Wiedererinnerung beweist, dass Sinnerfahrungen kein Wissen erzeugen, sondern als Katalysatoren wirken, die die Seele an die Ideen erinnern, die sie vor der Geburt geschaut hat.[1][2][13][42]

Die geteilte Linie und die Erkenntnisstufen

Am Ende des VI. Buches der Politeia veranschaulicht Platon die Hierarchie von Sein und Erkennen durch das Gleichnis von der geteilten Linie.[2][4][13][14] Eine vertikale Linie wird in zwei ungleiche Abschnitte unterteilt, die den sichtbaren und den intelligiblen Bereich repräsentieren, und jeder Abschnitt wird im selben Verhältnis unterteilt, um vier aufsteigende Erkenntnisstufen zu erzeugen.[2][4][13][14] Im sichtbaren Bereich ist der unterste Unterabschnitt Eikasia (Mutmaßung), dessen Gegenstände Schatten, Spiegelungen und bildliche Darstellungen sind.[2][4][13] Darüber steht Pistis (Glaube), die physische Lebewesen, Artefakte und Naturgegenstände erfasst.[2][4][13] Zusammen bilden Eikasia und Pistis den Bereich der Meinung.[2][4][13]

Im intelligiblen Bereich ist die dritte Stufe Dianoia (Verstand), veranschaulicht durch Geometrie, Arithmetik und Astronomie.[2][4][13] Der Geometer verwendet sichtbare Diagramme als heuristische Modelle, aber der Geist schließt deduktiv über ideale Gegenstände aus unbewiesenen Axiomen und Hypothesen.[2][4][13] Die vierte und höchste Erkenntnisstufe ist Noesis (Vernunft) oder reines dialektisches Verständnis.[2][4][13] Ohne sinnliche Bilder operierend, behandelt der Dialektiker Axiome als Sprungbretter, um zu einem unhypothetischen ersten Prinzip, der Idee des Guten, aufzusteigen, und steigt systematisch durch die Hierarchie der Ideen herab, wobei er voraussetzungsfreie Wahrheit erlangt.[2][4][13][39]

Das Höhlengleichnis

Im VII. Buch der Politeia veranschaulicht Platon den Zustand des Menschen und den transformativen Weg der Bildung durch das Höhlengleichnis.[1][2][4][13] Die Menschen werden als Gefangene dargestellt, die seit ihrer Kindheit in einer unterirdischen Höhle angekettet und so fixiert sind, dass sie nur auf die Rückwand blicken können.[1][2][4][13] Hinter und über ihnen brennt ein Feuer, und zwischen dem Feuer und den Gefangenen verläuft eine erhöhte Mauer, auf der Puppenspieler Bildnisse von Menschen, Tieren und Gegenständen tragen, die Schatten an die Höhlenwand werfen.[2][4][13] Da die Gefangenen nichts anderes kennen, halten sie diese Schatten für die Realität und wetteifern miteinander, Muster unter den flüchtigen Projektionen zu erkennen.[2][4][13]

Wenn ein Gefangener befreit und gezwungen wird, sich umzudrehen, schmerzt das Feuerlicht seine Augen, wodurch die Puppen weniger wirklich erscheinen als die vertrauten Schatten.[2][4][13] Gewaltsam aus der Höhle ins Sonnenlicht gezerrt, ist er geblendet, bis sich seine Sehkraft allmählich anpasst: erst erkennt er Schatten und Wasserspiegelungen, dann reale Gegenstände in der Nacht und schließlich die Sonne selbst, wobei er sie als Ursache für die Jahreszeiten, Jahre und alles in der sichtbaren Welt begreift.[2][4][13] Kehrt der erleuchtete Philosoph in die Höhle zurück, um seine Mitgefangenen zu befreien, kämpft seine unangepasste Sehkraft mit der Dunkelheit, was Spott, Feindseligkeit und sogar den Tod heraufbeschwört – eine unverkennbare Anspielung auf die Hinrichtung des Sokrates.[2][4][13] Das Gleichnis symbolisiert den mühsamen Aufstieg der Seele aus der Schattenwelt der sinnlichen Meinung zur höchsten Schau des Guten.[1][2][4][13]

Die Dialektik als höchste Methode

Der Begriff Dialektik wurde von Platon entwickelt, um die höchste philosophische Kunst zu definieren.[2][43] In den mittleren Dialogen ist die Dialektik die Methode der Hypothesenprüfung, die über empirische Annahmen hinaus zu fundamentalen Prinzipien aufsteigt.[2][13][31] In späteren Dialogen, darunter Phaidros, Sophistes und Politikos, konzipiert Platon die Dialektik als die strenge Methode der Sammlung (Synagoge) und Teilung (Dihairesis) neu.[2][13][44] Der Philosoph fasst disparate Phänomene in einen einheitlichen Gattungsbegriff zusammen und teilt diese Gattung dann an ihren natürlichen Gelenken durch dichotome Verzweigungen, bis eine unteilbare Art isoliert und definiert ist.[2][13][44]

Seele und Psychologie

In der platonischen Philosophie ist die Seele ein immaterielles, sich selbst bewegendes Prinzip des Lebens und des Bewusstseins, das dem physischen Körper vorausgeht und ihn überdauert.[2][13][42] Die Seele vermittelt zwischen dem ewigen Bereich intelligibler Ideen und dem vergänglichen Bereich materieller Einzeldinge.[2][13][42] Platon formulierte das berühmte orphisch-pythagoreische Wortspiel Soma-Sema (Leib-Grab), indem er im Phaidon erklärte, dass wahre Philosophen das Sterben üben, indem sie ihren Intellekt von körperlichen Freuden, Leidenschaften und sinnlichen Ablenkungen abtrennen.[2][10][13][30]

Die dreigeteilte Seele

Im IV. Buch der Politeia präsentiert Platon seine dreigeteilte Seelenlehre und argumentiert, dass interne psychologische Konflikte beweisen, dass die Seele keine einfache Einheit ist, sondern aus drei unterschiedlichen motivationalen Elementen besteht.[2][13][14][42] Der vernünftige Teil (Logistikon), der sich im Kopf befindet, liebt Wahrheit und Weisheit, berechnet, was für das Ganze förderlich ist, und ist einzig dazu geeignet zu herrschen.[2][13][14][42] Der thumoeidische oder mitsprachliche Teil (Thumoeides), der sich im Brustkorb nahe dem Herzen befindet, ist der Sitz von Mut, rechtem Zorn, Ehre und Ehrgeiz und verhält sich im unverdorbenen Zustand natürlicherweise als Verbündeter der Vernunft.[2][13][14][42] Der begehrliche Teil (Epithymetikon), der im Unterleib unterhalb des Nabels liegt, strebt nach körperlichen Begierden einschließlich Nahrung, Trinken, sexueller Befriedigung und Reichtum.[2][13][14][42]

Im Phaidros veranschaulicht Platon diese dreigeteilte Seele durch das Gleichnis vom geflügelten Wagen.[2][13][14][19] Der Wagenlenker repräsentiert die Vernunft, die ein Gespann aus zwei geflügelten Pferden lenkt: Das edle, weiße Pferd repräsentiert die muthafte Seelenkraft, die Ehre liebt, bescheiden und zugänglich für sprachliche Befehle ist; das dunkle, rebellische Pferd repräsentiert das körperliche Begehren, das taub für Ratschläge ist und Peitsche und Zügel zu seiner Bändigung erfordert.[2][13][14][19] In seinem späten Dialog Timaios verfeinert Platon diese Doktrin, indem er argumentiert, dass nur die vernünftige Seele unsterblich und direkt vom Demiurgen geschaffen ist, während die muthaften und begehrlichen Kräfte sterbliche Zusätze sind, die sich bei der körperlichen Inkarnation mit der Seele verbinden.[2][13][42]

Argumente für die Unsterblichkeit der Seele

Im Phaidon legt Platon verschiedene philosophische Argumente dar, um die Unsterblichkeit der Seele vor dem Trinken des Schierlingsbechers durch Sokrates zu beweisen.[2][10][13] Das Zyklenargument besagt, dass jedes Entstehen aus Gegensätzen hervorgeht; da das Sterben aus dem Leben entsteht, muss das Leben gleichermaßen aus dem Tod wieder hervorgehen, wodurch eine zyklenhafte Erhaltung der Seelen gewahrt wird.[2][10][13] Das Argument der Wiedererinnerung schließt daraus, dass, da Menschen absolute Maßstäbe erfassen, die in der unvollkommenen sinnlichen Welt nicht zu finden sind, die Seele dieses Wissen in einem körperlosen Zustand vor der physischen Geburt erworben haben muss.[2][10][13][42]

Das Affinitätsargument besagt, dass die Wirklichkeit zwei Klassen von Dingen umfasst: zusammengesetzte, sichtbare, veränderliche Dinge, die zerfallen, und einfache, unsichtbare, gleichförmige Entitäten, die unsterblich sind; die Seele, da sie unsichtbar und vernünftig ist, weist eine Verwandtschaft zu den ewigen Ideen auf und ist daher unvergänglich.[2][10][13] Sokrates widerlegt Simmias' Einwand, die Seele sei lediglich die Harmonie physischer Körperkomponenten, mit dem Hinweis, dass eine Harmonie ihrem Instrument nicht entgegengesetzt sein kann, während die Seele routinemäßig den Körper befehligt.[2][10][13] Schließlich begründet das Argument aus der Idee des Lebens, dass die Seele wesentlich an der Idee des Lebens teilhat und, da Gegensätze ihre jeweiligen Gegenparts nicht zulassen, die Seele niemals den Tod zulassen kann und unzerstörbar bleibt.[2][10][13]

Platon bietet in anderen Werken zwei weitere Beweise für die Unsterblichkeit an.[2][13] Im X. Buch der Politeia argumentiert er, dass alles nur durch sein eigenes spezifisches inneres Übel zerstört wird; Laster, Ungerechtigkeit und Feigheit sind die spezifischen Übel der Seele, doch obwohl sie die Seele moralisch herabwürdigen, lösen sie ihre Existenz nicht auf, was beweist, dass sie nicht zerstört werden kann.[2][13] Im Phaidros und in den Gesetzen zeigt Platon, dass die Seele sich selbst bewegt, und da dasjenige, was die ultimative Quelle und der Anfang aller Bewegung ist, nicht entstanden sein oder ein Ende finden kann, ist die Seele notwendigerweise ungeschaffen und ewig.[2][13][42]

Eschatologie und Seelenwanderung

Platon formuliert eine ausgeklügelte Eschatologie mit Seelenwanderung (Metempsychose) und Vergeltung nach dem Tod.[2][10][13][42] Im Gorgias, Phaidon und in der Politeia beschreibt er ein Jenseits, in dem entkörperte Seelen nackt vor Richtern – Minos, Rhadamanthys und Aiakos – stehen und die Narben und Verzerrungen tragen, die ihre irdischen Laster hinterlassen haben.[2][10][13] Heilbare Seelen unterziehen sich einer läuternden Reinigung, während unheilbare Tyrannen zur ewigen Pein als mahnende Schaustücke in den Tartaros geworfen werden.[2][10][13][42]

Im Er-Mythos im X. Buch der Politeia berichtet der auferstandene pamphylische Krieger Er, dass sich die Seelen nach einem tausendjährigen Kreislauf von Lohn oder Strafe an der kosmischen Spindel der Notwendigkeit versammeln, die von den Moiren – Lachesis, Klotho und Atropos – beaufsichtigt wird.[2][10][13][14] Lose werden geworfen, und Seelen wählen ihre kommenden irdischen Inkarnationen aus verschiedenen Losen; nur in der Philosophie geschulte Seelen besitzen die Weisheit, ein bescheidenes, tugendhaftes Leben dem glitzernden Los eines Tyrannen vorzuziehen.[2][10][13] Nachdem sie aus dem Fluss Lethe getrunken haben, um ihre Erinnerungen zu löschen, werden sie wie Sternschnuppen in neue Körper geschossen.[2][10][13] Im Timaios deutet Platon ein Schema des moralischen Verfalls an, wonach Seelen, die töricht leben, in späteren Leben als Frauen, Vierbeiner, kriechende Tiere und Wassertiere reinkarniert werden.[2][13][42]

Eros und der Aufstieg zur Schönheit

Im Symposion und im Phaidros untersucht Platon das Wesen der Liebe als einen dynamischen Impuls, der die Seele zu Wahrheit, Weisheit und Schönheit antreibt.[2][10][13][14][45] Im Symposion präsentiert Aristophanes den Mythos von den ursprünglichen kugelförmigen Menschen, die von Zeus in zwei Hälften geteilt wurden und deren getrennte Hälften ihr Leben damit verbringen, die Wiedervereinigung zu suchen.[2][10][13] Sokrates erzählt daraufhin die Belehrung durch die Priesterin Diotima von Mantineia, die den Eros als einen großen Daimon definiert, das Kind von Poros (Fülle) und Penia (Marmut/Armut), angesiedelt zwischen menschlicher Unwissenheit und göttlicher Weisheit.[2][10][13][45]

Diotima beschreibt die Stufenleiter der Liebe: Das Begehren beginnt mit der Anziehung zu einem einzelnen schönen Körper, dehnt sich auf die Wertschätzung physischer Schönheit in allen Körpern aus, steigt zur Verehrung moralischer und intellektueller Schönheit in Seelen, Handlungen und Wissenschaften auf und gipfelt in der direkten Kontemplation der absoluten Idee der Schönheit an sich.[2][10][13][14][45] Die absolute Schönheit ist ewig, unveränderlich, nicht-physisch und ungetrübt von sterblichem Fleisch; ihre Kontemplation befähigt den Philosophen, wahre Tugend zu gebären.[2][10][13][45] Im Phaidros wird die platonische Liebe als göttlicher Wahnsinn gefeiert, der die Flügel der Seele erweckt und sie befähigt, sich an die vor der Inkarnation geschauten transzendenten Ideen zu erinnern.[2][13][14][19]

Ethik und das tugendhafte Leben

Die platonische Ethik ist im Wesentlichen eudämonistisch; sie postuliert, dass das oberste Ziel der menschlichen Existenz das Erreichen wahren Glücks und Wohlergehens durch die Pflege der Tugend ist.[2][4][10][13] Platon weist die sophistische Behauptung zurück, moralische Regeln seien künstliche Konventionen zur Unterdrückung natürlicher Rechte, und argumentiert, dass Gerechtigkeit und Tugend objektive Zustände der Seele sind, die für echtes Glück unerlässlich sind.[2][4][13]

Gerechten als innere seelische Harmonie

Im I. Buch der Politeia widerlegt Sokrates konventionelle Gerechtigkeitsvorstellungen: Kephalos' Ansicht, Gerechtigkeit sei die Wahrheit zu sagen und Schulden zu begleichen; Polemarchos' Formel, Freunden Gutes und Feinden Schönes bzw. Übles zu tun; sowie Thrasymachos' zynisches Diktum, Gerechtigkeit sei das Vorteil des Stärkeren.[2][4][13] Im II. Buch belebt Glaukon die Herausforderung des Thrasymachos durch die Geschichte vom Ring des Gyges neu – einen magischen Talisman, der Unsichtbarkeit verleiht und es seinem Träger ermöglicht, Verbrechen ungestraft zu begehen –, und fordert den Beweis, dass Gerechtigkeit um ihrer selbst willen und nicht bloß wegen ihrer äußeren Belohnungen und ihres sozialen Rufs wünschenswert ist.[2][4][13]

Platon löst diese Herausforderung im IV. Buch, indem er Gerechtigkeit nicht als äußeres Verhalten gegenüber anderen definiert, sondern als innere Ordnung der Seele.[2][4][13][14] In einem Einzelnen herrscht Gerechtigkeit, wenn jede der drei Seelenkräfte ihre natürliche Funktion erfüllt, ohne sich in die der anderen einzumischen: Die Vernunft herrscht mit Weisheit, der Mut unterstützt die Vernunft mit Tapferkeit, und beide mäßigen die körperlichen Begierden mit Besonnenheit.[2][4][13][14] Ungerechtigkeit ist psychische Krankheit, innerer Zwist und Rebellion im Inneren.[2][4][13] So wie Gesundheit die optimale physische Ordnung der Körperkomponenten ist, so ist Gerechtigkeit die natürliche Gesundheit der Seele, was beweist, dass das gerechte Leben von Natur aus glücklich ist, während das Leben des Tyrannen ungeordnet, furchtserfüllt und elend ist.[2][4][13]

Sokratischer Intellektualismus und die Einheit der Tugenden

Platon setzt sich intensiv mit dem sokratischen Intellektualismus auseinander: der Überzeugung, dass Tugend identisch mit Wissen ist und dass niemand freiwillig Unrecht tut.[2][10][13] Im Protagoras argumentiert Sokrates, dass scheinbare moralische Fehlschläge Rechenfehler sind, bei denen ein Handelnder kurzfristige unmittelbare Lust mit langfristigem Nutzen verwechselt, da ihm die Messkunst der Weisheit fehlt.[2][13] Die Kardinaltugenden – Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit – sind eins, weil sie alle Ausdruck eines einzigen zugrundeliegenden Wissens von Gut und Böse sind.[2][4][13][14]

Im Euthyphro stellt Sokrates das berühmte euthyphronische Dilemma: Wird das Fromme von den Göttern geliebt, weil es frömmig ist, oder ist es frömmig, weil es von den Göttern geliebt wird?[1][2][13][19] Indem er Euthyphro dazu bringt zuzugeben, dass das Fromme geliebt wird, weil es von Natur aus frömmig ist, zeigt Platon, że ethische Werte keine willkürlichen Dekrete göttlichen Willens sind, sondern objektive Prinzipien, die in der inneren Natur des Guten begründet sind.[1][2][13][19]

Der Status der Lust und die Angleichung an Gott

Im Gorgias, in der Politeia und im Philebos entwickelt Platon eine Kritik des Hedonismus.[2][13] Er widerlegt Kallikles' radikalen Hedonismus im Gorgias und zeigt, dass körperliche Lüste lediglich Wiederherstellungsprozesse sind, die körperliche Leiden lindern, vergleichbar mit dem Füllen eines löchrigen Gefäßes.[2][13] Im Philebos analysiert Platon Lust und Intellekt und schließt, dass das gute Leben ein gemischtes Leben ist, das aus Weisheit und reinen, ungetrübten Freuden besteht – wie der Kontemplation geometrischer Schönheit und harmonischer Klänge –, streng bemessen nach Proportion, Symmetrie und Wahrheit.[2][13][14][45]

Im Theaitetos und in den Gesetzen definiert Platon das höchste Ziel des philosophischen Lebens als die Angleichung an Gott, soweit dies möglich ist.[2][46] Dem Göttlichen ähnlich zu werden bedeutet, Gerechtigkeit, Heiligkeit und Weisheit zu erlangen und die eigene Seele in Übereinstimmung mit der kosmischen rationalen Harmonie zu ordnen, die von der göttlichen Intelligenz gestiftet wurde.[46] Indem er sich von den Unvollkommenheiten der sinnlichen Welt abwendet, um die ewigen Ideen zu betrachten, verwirklicht der Philosoph die göttliche Ordnung in seiner eigenen Seele und übernimmt aktive ethische Verantwortung für die Welt.[2][46]

Politische Philosophie

Platon gilt als der Begründer der westlichen politischen Philosophie.[1][2][13] Seine politischen Hauptwerke – die Politeia, der Politikos und die Gesetze – untersuchen das Wesen der Gerechtigkeit, die Verfassungsarchitektur, die Herrschaft des Gesetzes und die erzieherischen Pflichten des Staates.[2][4][13] Platon lehnt sowohl die athenische direkte Demokratie als auch den spartanischen Militarismus ab und formuliert ein ideales Modell, in dem politische Macht mit philosophischem Wissen in Einklang gebracht wird.[2][4][13]

Der ideale Staat: Kallipolis

In der Politeia konstruiert Sokrates einen idealen Stadtstaat, Kallipolis, um die Gerechtigkeit im Großen zu entdecken, bevor er sie in der Seele des Einzelnen analysiert.[2][4][13][14] Aus der wirtschaftlichen Notwendigkeit gegenseitiger Kooperation und Arbeitsteilung hervorgehend, entwickelt sich die Stadt von einer primitiven Gemeinschaft zu einem üppigen, aufgeblähten Staat, der eine engagierte Kriegerklasse zur Sicherung des Territoriums erfordert.[2][4][13] Platon reinigt diesen Staat von luxuriöser Korruption und organisiert seine Bürgerschaft in eine dreigeteilte Klassenhierarchie, die die drei Teile der Seele widerspiegelt.[2][4][13][14]

Die unterste Klasse umfasst die Produzenten – Bauern, Handwerker, Bauleute und Kaufleute –, deren vorherrschende Tugend die Besonnenheit ist und die dem begehrlichen Seelenteil entsprechen.[2][4][13][14] Die Mittelschicht umfasst die Wehrhaften (Auxiliaren), die die Stadt verteidigen und Gesetze ausführen, Tapferkeit verkörpern und dem muthaften Seelenteil entsprechen.[2][4][13][14] Die höchste Klasse umfasst die Wächter oder Philosophenkönige, die Weisheit besitzen, die Idee des Guten verstehen und dem vernünftigen Seelenteil entsprechen.[2][4][13][14] Gerechtigkeit im Staat ist dann verwirklicht, wenn jede Klasse ihre zugewiesene Aufgabe erfüllt, ohne sich in die Funktionen der anderen einzumischen.[2][4][13]

Philosophenkönige und Gütergemeinschaft

Platons zentrales politisches Paradoxon besagt, dass ein ideales Gemeinwesen niemals Realität werden kann, bis politische Macht und Philosophie in der Herrschaft von Philosophenkönigen zusammenfallen.[2][4][13] Kandidaten für die Herrschaft werden durch eine strenge, lebenslange Bildung ausgewählt.[2][4][13] Nach früher Ausbildung in Gymnastik und Musik, gefolgt von einem Jahrzehnt mathematischer Wissenschaften (Arithmetik, ebenen und räumlichen Geometrie, Astronomie und Harmonik), studieren ausgewählte Kandidaten von ihrem dreißigsten bis fünfunddreißigsten Lebensjahr Dialektik, worauf fünfzehn Jahre Verwaltungs- und Militärdienst folgen.[2][4][13] Im Alter von fünfzig Jahren übernehmen diejenigen, die die Schau des Guten erlangt haben, abwechselnd die Regierungsgeschäfte der Polis allein aus staatsbürgerlicher Pflicht und ziehen die philosophische Kontemplation dem politischen Amt vor.[2][4][13]

Um Korruption und politische Fraktionsbildung zu verhindern, leben Herrscher und Krieger in gemeinschaftlichen Verhältnissen und besitzen weder Privateigentum noch private Kleinfamilien.[2][4][10][13] Wächtern ist es untersagt, Privateigentum, Gold, Silber oder eigene Häuser zu besitzen; sie leben in Gemeinschaftsunterkünften und erhalten ihren Grundunterhalt von der produktiven Klasse.[2][4][10][13] Traditionelle Kleinfamilien werden unter den Wächtern abgeschafft: Eheschließungen werden vom Staat durch Paarungslotterien arrangiert, um die besten Bürger für eine eugenische Zucht zusammenzubringen, und Kleinkinder werden in gemeinsamen Kinderkrippen aufgezogen, ohne ihre leiblichen Eltern zu kennen.[2][4][10][13]

Platon nimmt im V. Buch eine egalitäre Haltung hinsichtlich des Geschlechts ein und argumentiert, dass biologische Unterschiede in der Fortpflanzungsfunktion keine staatsbürgerliche Eignung bestimmen.[2][4][13][14] Frauen unter den Wächtern erhalten dieselbe physische und intellektuelle Bildung in Gymnastik, Musik und Kriegführung wie Männer und dienen gemeinsam mit ihnen als Krieger und Philosophenkönige.[2][4][13][14] Um den staatsbürgerlichen Zusammenhalt zu fördern, bedienen sich die Herrscher der Edlen Lüge oder des Metalle-Mythos, indem sie den Bürgern beibringen, Mutter Erde habe sie unter der Erde mit unterschiedlichen Metallen in ihren Seelen gebildet: Gold für Herrscher, Silber für die Krieger sowie Bronze und Eisen für die Produzenten.[2][4][10][13]

Verfall der Regierungsformen

In den Büchern VIII und IX der Politeia analysiert Platon den Verfall politischer Verfassungen und zeichnet einen psychologischen und institutionellen Niedergang von der idealen Aristokratie bis hin zur Tyrannei nach.[2][4][10][13][14] Wenn die Herrscherklasse die eugenische Hochzeitszahl falsch berechnet, werden minderwertige Wächter geboren, was Fraktionskämpfe einleitet, zu einer Privatisierung des Landes führt und in die Timokratie degeneriert, wie sie durch Sparta verkörpert wird.[2][4][10][13] Wenn sich Privatvermögen anhäuft, werden Zensusgesetze erlassen, die eine Oligarchie etablieren, welche die Polis in zwei feindliche Lager spaltet: die Reichen und die Armen.[2][4][10][13]

Wenn die verarmte Menge revoltiert, entsteht die Demokratie, gekennzeichnet durch absolute Freiheit, Gleichheit unter Ungleichen und das Verfolgen gesetzloser Begierden.[2][4][10][13] Die demokratische Lizenz führt zur Anarchie: Ein ehrgeiziger Demagoge schwingt sich zum Anführer der Massen auf, inszeniert Krisen zur Machtkonsolidierung, errichtet eine persönliche Leibwache und wandelt sich in einen Tyrannen.[2][4][10][13] Die Tyrannei stellt den Tiefpunkt des politischen Lebens dar: Der Tyrann ist unersättlichen verbrecherischen Leidenschaften versklavt, umgibt sich mit Söldnern, ermordet die besten Bürger und lebt in ständiger Furcht, womit er sich als der ungerechteste und elendeste aller Menschen erweist.[2][4][10][13]

Der Staatsmann und die Gesetze

Im Politikos überdenkt Platon die politische Herrschaft und definiert die Staatskunst als die königliche Webkunst, die gegensätzliche Temperamente der Bürger – die tapferen und die besonnenen – zu einem einheitlichen sozialen Gewebe verschmilzt.[2][13] Der ideale Herrscher regiert durch flexible Weisheit über kodifizierten Gesetzen, aber da göttliche Herrscher selten sind, ist der zweitbeste Weg die strenge Oberherrschaft geschriebener Gesetze.[2][10][13] Platon klassifiziert tatsächliche Regimes danach, ob sie das Gesetz achten: Monarchie ist die beste gesetzliche Regierung und Tyrannei die schlimmste gesetzlose; Aristokratie ist mäßig gut und Oligarchie schlecht; während Demokratie die schwächste gesetzliche Regierung, aber die am wenigsten unterdrückende bei Gesetzlosigkeit ist.[2][10][13]

In seinem letzten Dialog, den Gesetzen, lässt Platon den radikalen Kommunismus und die Philosophenkönige der Politeia hinter sich, um eine praktische, zweitbeste Verfassung für eine neue Kolonie namens Magnesia zu entwerfen.[2][10][13][14] Magnesia ist eine landwirtschaftliche Binnenstadt, die auf 5.040 landbesitzende Bürgerhaushalte beschränkt und fernab korrumpierenden Seehandels gelegen ist.[2][10][13][14] Privateigentum und Kleinfamilien werden wiederhergestellt, allerdings dürfen Grundbesitze weder geteilt, verkauft noch beliehen werden.[2][10][13] Die Verfassung verbindet monarchische Autorität mit demokratischen Wahlen und errichtet ein ausgeklügeltes System von Ämtern, Magistraten zur Überwachung von Musik und Erziehung sowie einen obersten Nachtrat aus Ältesten und Astronomen, um die verfassungsrechtliche und philosophische Rechtschaffenheit zu wahren.[2][10][13][14]

Ästhetik und die Kritik der Kunst

Obwohl Platon ein vollendeter Prosastilist war, dessen Dialoge poetisches Drama und bildhafte Sprache integrierten, war seine philosophische Beurteilung der Künste intensiv kritisch.[2][13][45] Seine ästhetischen Theorien in der Politeia, im Ion und in den Gesetzen entwickelnd, bewertete Platon künstlerische Praktiken vor allem nach ihrem ontologischen Status sowie ihrer psychologischen und moralischen Wirkung auf die menschliche Seele.[2][13][45]

Kunst als Mimesis und ontologisches Defizit

Im X. Buch der Politeia verurteilt Platon Malerei, Bildhauerei und dramatische Dichtung als Formen der Mimesis (Nachahmung).[2][10][13][14][45] In der Hierarchie des Seins wird eine Idee (wie das Bett an sich) von Gott als wahre Realität geschaffen; ein Tischler fertigt ein physisches Bett als unvollkommene materielle Kopie; und ein Maler malt ein Bild von diesem Bett.[2][10][13][45] Das Werk des Malers ist lediglich die Kopie einer Kopie, die Nachahmung eines Scheins statt der Realität, drei Stufen von der Wahrheit entfernt.[2][10][13][45] Der Künstler benötigt kein wahres Wissen über die dargestellten Gegenstände und erzeugt trügerische Illusionen, die den unphilosophischen Geist dazu verleiten, Schatten für Substanz zu halten.[2][10][13][45]

Platon nimmt die Architektur von dieser pauschalen Verurteilung aus und klassifiziert sie nicht als nachahmende, sondern als produktive Kunst, die reale Artefakte herstellt.[2][45] Im Philebos formuliert er eine formalistische Theorie der Schönheit: Echte ästhetische Schönheit liegt nicht in lebendigen Körpern oder Gemälden, sondern in reinen geometrischen Formen, geraden Linien, Kreisen und regelmäßigen Körpern, die aufgrund von Proportion, Ordnung und Symmetrie von sich aus schön sind.[2][45]

Moralische Kritik und Zensur der Poesie

Platons einflussreichste Kunstkritik zielt auf die demoralisierende Wirkung tragischer Dichtung und Dramatik ab.[2][10][13][45] In den Büchern II und III der Politeia fordert Sokrates eine strenge Zensur der traditionellen Epen von Homer und Hesiod.[2][10][13][45] Er verurteilt deren Darstellungen von Göttern, die Ehebruch, Vatermord und Täuschung begehen, und besteht darauf, dass die Gottheit vollkommen gut ist und niemals Ursache des Übels sein kann.[2][10][13][45] Darüber hinaus untergraben poetische Schilderungen, in denen Helden den Tod beklagen, weinen oder zügellosem Lachen nachgeben, den Mut junger Wächter und flößen ihnen eine lähmende Furcht vor dem Hades ein.[2][10][13][45]

Platon unterscheidet zwischen rein erzählender Poesie, rein nachahmender Poesie und gemischter Poesie.[2][45] Das Drama ist am gefährlichsten, weil Schauspieler in die Charaktere böser, feiger oder unausgeglichener Individuen schlüpfen und damit ihre eigenen moralischen Dispositionen kontaminieren.[2][10][13][45] Indem es Trauer, Empörung und erotische Lust im Theater stimuliert, nährt die dramatische Dichtung den irrationalen, begehrlichen Teil der Seele auf Kosten der Vernunft.[2][10][13][45] Folglich verbannt Platon bekanntermaßen mimetische Dichter und Dramatiker aus der idealen Republik, gestattet lediglich nüchterne Hymnen an die Götter und Loblieder auf tugendhafte Bürger und fordert Verteidiger der Poesie heraus, ihren ethischen Nutzen zu beweisen.[2][10][13][45]

Im Ion und Phaidros untersucht Platon das Wesen der künstlerischen Schöpfung und argumentiert, dass Dichter nicht durch technisches Handwerk komponieren, sondern durch göttlichen Wahnsinn und Inspiration von den Musen.[2][13][14][45] Wie eiserne Ringe, die durch einen herakleischen Magnetstein magnetisiert sind, fließt die Inspiration von der Gottheit durch den Dichter zum Rhapsoden und schließlich zum Publikum, wobei das rationale Verständnis umgangen wird.[2][45] Während echte Inspiration schöne Verse hervorbringt, bleibt der Dichter ein irrationaler Kanal, der nicht imstande ist, die ethische Wahrheit dessen zu erklären, was komponiert wurde.[2][13][45]

Naturphilosophie und Kosmologie

Platons Naturphilosophie wird im Timaios dargelegt, einem späten kosmologischen Dialog, der von der pythagoreischen Mathematik beeinflusst ist.[2][13][37] Im Phaidon schildert Sokrates seine jugendliche Enttäuschung über die frühe Naturwissenschaft, insbesondere über Anaxagoras, der den Geist nur heranzog, um physische Ereignisse durch plumpe mechanistische Ursachen wie Luft und Äther zu erklären.[2][10][13] Im Timaios präsentiert Platon die Kosmologie als wahrscheinliche Erzählung (eikos mythos) und erkennt an, dass, da der physische Kosmos eine erschaffene Kopie eines ewigen Modells ist, unsere wissenschaftlichen Erklärungen nur Wahrscheinlichkeit, keine mathematische Gewissheit erreichen können.[2][10][13][14][37]

Der Demiurg, die Weltseele und das Empfangsorgan (Chora)

Der Kosmos wird von einem göttlichen Handwerker, dem Demiurgen, gestaltet, der völlig gut ist und will, dass alles ihm selbst so ähnlich wie möglich wird.[2][10][13][14][37] Da er präexistierende Materie in chaotischer, ungeordneter Bewegung vorfindet, bringt der Demiurg Ordnung ins Chaos, indem er die Materie nach den ewigen, intelligiblen Ideen formt.[2][10][13][14][37] Die Schöpfung ist kein historisches Ereignis ex nihilo, sondern eine ewige, kontinuierliche Auferlegung rationaler Ordnung auf die materielle Notwendigkeit.[2][37] Der Demiurg ist kein allmächtiger Schöpfer, sondern ein göttlicher Architekt, der durch die widerspenstige Natur der Notwendigkeit eingeschränkt ist.[2][10][13][14][37]

Um den Kosmos vollständig und rational zu machen, pflanzt der Demiurg eine Weltseele in ihn ein und gestaltet das Universum als ein einziges lebendiges, mit Vernunft begabtes Organismus.[2][10][13][14][37] Die Weltseele setzt sich aus vermitteltem Sein, Identität und Verschiedenheit zusammen, mathematisch in harmonische musikalische Proportionen unterteilt und über die gesamte kosmische Sphäre verteilt.[2][10][13][14][37] Sie lenkt die Himmelssphären und Planetenumläufe, wodurch der Kosmos sich selbst bewegend und ewig wird.[2][10][13][37] Gleichzeitig führt Platon die Chora (das Empfangsorgan oder die Raum-Materie) ein – die formlose, gestaltlose Amme des Werdens, die alle materiellen Eindrücke aufnimmt, ohne eigene Eigenschaften zu besitzen, und als Arena für physische Körper dient.[2][10][13][14][37]

Geometrischer Atomismus und die platonischen Körper

Platon entwickelt einen mathematischen Atomismus, in dem die vier klassischen Elemente des Empedokles – Feuer, Luft, Wasser und Erde – auf regelmäßige geometrische Polyeder reduziert werden, die als die platonischen Körper bekannt sind.[2][10][13][14][37] Dem Feuer wird das spitze, mobile Tetraeder zugewiesen; der Luft das Oktaeder; dem Wasser das Ikosaeder; und der Erde der stabile Würfel.[2][10][13][14][37] Der fünfte reguläre Körper, das Dodekaeder, wird vom Demiurgen verwendet, um die Sternbilder über den ganzen Himmel anzuordnen.[2][10][13][14][37]

Platon zerlegt diese Polyeder in zwei fundamentale rechtwinklige Dreiecke: das gleichschenklig-rechtwinklige Dreieck und das ungleichseitig-rechtwinklige (skalene) Dreieck.[2][13][37] Da die gleichseitigen Flächen von Tetraedern, Oktaedern und Ikosaedern aus denselben grundlegenden skalenen Dreiecken zusammengesetzt sind, können sich Feuer, Luft und Wasser auflösen und ineinander umwandeln.[2][13][37] Die Erde, die aus gleichschenkligen Dreiecken besteht, die quadratische Flächen bilden, kann sich nicht in die anderen drei Elemente umwandeln.[2][13][37] Physikalische Eigenschaften – wie Temperatur, Schärfe und Fließfähigkeit – werden rein durch die geometrischen Dimensionen, Winkel und Kanten dieser Polyeder erklärt, womit die moderne mathematische Physik vorweggenommen wird.[2][13][37]

Anatomie und Physiologie

Im letzteren Teil des Timaios liefert Platon einen anatomischen Rahmen, der die Seele auf den menschlichen Körper abbildet.[2][13][37] Die unsterbliche, vernünftige Seele ist im kugelförmigen Gehirn untergebracht, dem anatomischen Gipfel, der die kosmische Sphäre widerspiegelt.[2][13][37] Die sterblichen Teile der Seele sind durch die Landenge des Halses getrennt: Die muthafte Kraft sitzt in der Brusthöhle nahe dem Herzen, was es ihr ermöglicht, über das Gefäßsystem schnell zu reagieren, wenn die Vernunft Alarm gegen Ungerechtigkeit schlägt.[2][13][37] Die begehrliche Kraft ist in der Bauchhöhle zwischen Zwerchfell und Nabel positioniert, wie ein wildes Tier angeleint.[2][13][37] Die Leber dient als Spiegel, der Gedanken aus dem Gehirn durch Bilder reflektiert und so die Mantik (Weissagung) im Schlaf erleichtert, während der Darm in lange Schlingen gelegt ist, um die Verdauung zu verzögern und ständige Fressgier zu verhindern, die von der Philosophie ablenken würde.[2][13][37]

Die ungeschriebene Lehre und die Tübinger Schule

Antike Quellen bezeugen, dass Platons geschriebene Dialoge nicht sein vollständiges philosophisches System enthielten, sondern von mündlichen Lehren begleitet wurden, die fortgeschrittenen Schülern in der Akademie vorbehalten waren.[2][13][47] In seiner Physik und Metaphysik erwähnt Aristoteles Platons ungeschriebene Lehren ausdrücklich.[2][13][18] Im Phaidros und im Siebten Brief warnt Platon selbst davor, die tiefsten metaphysischen Wahrheiten der Schrift anzuvertrauen, und argumentiert, dass wahres philosophisches Verständnis nur durch lange dialektische Gemeinschaft entsteht.[2][10][12][13][14][47]

Die Prinzipienlehre: Das Eine und die unbestimmte Dyade

Nach Zeugnissen von Aristoteles, Aristoxenos, Hermodorus und Simplikios leitete Platons mündliche Lehre die gesamte Wirklichkeit von zwei ursprünglichen Prinzipien ab.[2][10][13][47] Das erste Prinzip ist das Eine, identisch mit der Idee des Guten, das Einheit, Grenze, Bestimmtheit, Stabilität und Erkennbarkeit repräsentiert.[2][10][13][47] Das zweite Prinzip ist die Unbestimmte Dyade, auch das Große und Kleine genannt, die Vielheit, Unbestimmtheit, Übermaß, Mangel und materielle Ausdehnung repräsentiert.[2][10][13][47]

Durch die begrenzende Einwirkung des Einen auf die Unbestimmte Dyade wird das transzendente Reich der Idealzahlen und Ideen erzeugt.[2][13][47][48] Die Ideen wiederum wirken als formende Grenzen auf die sinnliche Materie ein und erzeugen physische Einzeldinge.[2][13][47] Die Wirklichkeit ist somit hierarchisch über vier Ebenen strukturiert: die beiden Urprinzipien, die Ideen und Idealzahlen, die mathematischen Zwischenbereiche und die Weltseele sowie das sinnliche physische Universum.[2][13][47] Während die Unbestimmte Dyade als passives kosmisches Prinzip unverzichtbar ist, begründet die absolute ontologische Transzendenz des Einen das System als einen primären Monismus, der in eine bipolare Struktur der Wirklichkeit eingebettet ist.[2][40][47]

Gelehrtenstreit: Tübinger und Mailänder Schule

Die Relevanz der ungeschriebenen Lehren bleibt eine der strittigsten Debatten in der modernen Klassischen Philologie.[2][13][47] Beginnend im Jahr 1959 argumentierte die Tübinger Schule – begründet von Hans Joachim Krämer, Konrad Gaiser und Thomas Alexander Szlezák und in Italien erweitert von Giovanni Reale –, dass die ungeschriebenen Lehren den authentischen Kern von Platons Metaphysik repräsentieren.[13][14][32][39][47] Sie behaupten, dass die Dialoge absichtlich unvollständige, protreptische Texte sind, die bewusste Lehr-Auslassungen enthalten, welche auf die mündliche Lehre verweisen.[32][47] Gelehrte wie Jens Halfwassen halten daran fest, dass diese rekonstruierte Prinzipientheorie eine systematische Kontinuität zwischen Platon und dem plotinischen Neoplatonismus belegt.[40]

Umgekehrt lehnt eine entgegengesetzte Tradition der Skepsis, die besonders in der anglo-amerikanischen Forschung einflussreich ist, die Tübinger Hypothese vehement ab.[2][20][38] Gelehrte wie Harold Cherniss, Gregory Vlastos, Dorothea Frede und Wolfgang Wieland argumentieren, dass Aristoteles Platons Ideen missverstanden oder polemisch karikiert habe und dass der Siebte Brief unecht oder unzuverlässig sei.[2][20][38] Sie bestehen darauf, dass Platons Philosophie im Wesentlichen dialogisch, erkundend und offen ist, und behaupten, dass niemals ein geheimes dogmatisches System hinter den geschriebenen Dialogen existierte.[2][20][38]

Textgeschichte und Corpus Platonicum

Platons geschriebenes Korpus ist über mehr als zwei Jahrtausende hinweg intakt geblieben – eine Überlieferung, die unter antiken griechischen Autoren nahezu einzigartig ist.[1][2][13][14][19] Die klassische Sammlung besteht aus fünfunddreißig Dialogen und dreizehn Briefen, die seit der Antike nach thematischen und pädagogischen Kriterien angeordnet sind.[2][10][13][29]

Antike Anordnungen und Echtheit

In der hellenistischen Ära ordnete Aristophanes von Byzanz mehrere platonische Werke zu Trilogien an.[2][10][13][29] Die langlebigste antike Klassifikation wurde im ersten Jahrhundert n. Chr. unter Kaiser Tiberius von Thrasyllos von Mendes erstellt, der sechsunddreißig Werke in neun Tetralogien einteilte: Tetralogie I enthält Euthyphro, Apologie, Kriton und Phaidon; Tetralogie II enthält Kratylos, Theaitetos, Sophistes und Politikos; Tetralogie III enthält Parmenides, Philebos, Symposion und Phaidros; Tetralogie IV enthält Erster Alkibiades, Zweiter Alkibiades, Hipparchos und Erastai (Liebende); Tetralogie V enthält Theages, Charmides, Laches und Lysis; Tetralogie VI enthält Euthydemos, Protagoras, Gorgias und Menon; Tetralogie VII enthält Großer Hippias, Kleiner Hippias, Ion und Menexenos; Tetralogie VIII enthält Kleitophon, Politeia, Timaios und Kritias; und Tetralogie IX enthält Minos, Gesetze, Epinomis und die Episteln (Briefe).[2][10][13][14][29]

Der moderne Konsens akzeptiert vierundzwanzig Dialoge sowie die Apologie als authentisch: Charmides, Kratylos, Kritias, Kriton, Euthydemos, Euthyphro, Gorgias, Ion, Laches, Gesetze, Lysis, Menexenos, Menon, Parmenides, Phaidon, Phaidros, Philebos, Protagoras, Politeia, Sophistes, Politikos, Symposion, Theaitetos und Timaios.[2][10][13][14][29] Fünf Werke sind umstritten: Erster Alkibiades, Großer Hippias, Kleiner Hippias, Kleitophon und Theages.[2][10][13][29] Fünf Werke in den Tetralogien werden universell als unecht abgelehnt: Zweiter Alkibiades, Epinomis, Erastai, Hipparchos und Minos.[2][10][13][29] Von den dreizehn Briefen werden nur der Siebte und Achte weithin verteidigt, während der Rest als unecht gilt.[2][12][13] Eine Gruppe von Werken, die außerhalb der Tetralogien überliefert wurde – der Appendix Platonica einschließlich Definitionen, Axiochos, Demodokos, Eryxias, Sisyphos, Über die Gerechtigkeit und Über die Tugend –, wurde bereits in der Antike als unecht erkannt.[2][10][13][29]

Handschriftliche Überlieferung und Stilometrie

Die direkte handschriftliche Überlieferung Platons stammt aus dem späten neunten Jahrhundert n. Chr. im Byzantinischen Reich und geht auf zwei antike Archetyp-Kopien zurück.[2][10][13][14][49] Patriarch Photios I. von Konstantinopel gab eine vollständige zweibändige Ausgabe der Dialoge in Auftrag; obwohl sie verloren ist, bildete sie die Vorlage für primäre überlebende Handschriften.[2][49] Sein Schüler Arethas von Cäsarea gab 895 n. Chr. den berühmten Codex Clarkianus in Auftrag, der die ersten sechs Tetralogien bewahrt.[2][10][14][49] Der zweite große mittelalterliche Zeuge ist der Parisinus graecus 1807, der um 900 n. Chr. kopiert wurde.[2][10][14] Im Jahr 1423 brachte der italienische Humanist Giovanni Aurispa eine vollständige griechische Handschriftensammlung aus Konstantinopel nach Italien.[2] Darüber hinaus wurden Hunderte antiker Papyrusfragmente aus der Zeit vom dritten Jahrhundert v. Chr. bis zum dritten Jahrhundert n. Chr. in Ägypten geborgen, darunter der Papyrus Flinders Petrie II 50, der Fragmente des Laches enthält.[2][14][49]

Im Jahr 1484 veröffentlichte Marsilio Ficino die erste vollständige lateinische Übersetzung in Florenz, wodurch die europäischen platonischen Studien belebt wurden.[2][10][13][14] Im Jahr 1578 veröffentlichte Henricus Stephanus (Henri Estienne) seine gefeierte dreibändige griechisch-lateinische Gesamtausgabe in Genf, begleitet von dem Kommentar von Jean de Serres.[2][10][13][14] Die Seitenzahlen und Abschnittsbuchstaben (a bis e) der Stephanus-Ausgabe bleiben weltweit das universelle Standardzitiersystem.[2][10][13][14]

Die Etablierung der inneren Chronologie von Platons Werken wurde 1867 durch Lewis Campbell revolutioniert, der die stilometrische Analyse begründete.[50][51] Durch die statistische Erfassung sprachlicher Marker – wie Satzrhythmus, Vermeidung von Hiatus und Partikeln – zeigte Campbell, dass der Sophistes, Politikos, Philebos, Timaios, Kritias und die Gesetze eine eigenständige späte stilistische Gruppe bilden.[50][51] Weiterentwickelt von Leonard Brandwood und von den meisten developmentalistischen Forschern akzeptiert, gruppiert die Stilometrie die Dialoge in drei große Perioden: frühe sokratische Dialoge, die in Aporie enden; mittlere konstruktive Dialoge, die die Ideen und die unsterbliche Seele einführen; sowie späte kritische, dialektische und kosmologische Werke.[10][13][14][19][50][51]

Rezeption und philosophisches Erbe

Platons Denken prägte die Geschichte der westlichen und vorderasiatischen Zivilisation grundlegend.[1][5][8] Der britische Philosoph Alfred North Whitehead bemerkte in Process and Reality bekanntermaßen, dass die sicherste allgemeine Charakterisierung der europäischen philosophischen Tradition darin besteht, dass sie aus einer Reihe von Fußnoten zu Platon bestünde.[1][2][5][8] Seine Dialoge legten das Fundament für Metaphysik, Logik, politische Theorie und Sprachphilosophie.[1][2][13]

Antike und Neoplatonismus

In der Alten Akademie unter Speusippos und Xenokrates wurde Platons Philosophie zu einem mathematischen und kosmologischen System weiterentwickelt.[2][10][13][14][38] Im dritten Jahrhundert v. Chr. leitete Arkesilaos eine skeptische Wende in der Mittleren und Neuen Akademie ein, indem er die sokratische Untersuchung als antidogmatische Haltung interpretierte, die die Möglichkeit kognitiver Gewissheit bestreitet.[2][10][13][14] Im ersten Jahrhundert v. Chr. brach Antiochos von Askalon mit dem akademischen Skeptizismus, um den Mittelplatonismus zu begründen, der platonische Doktrinen mit peripatetischer und stoischer Ethik und Kosmologie synthetisierte.[2][10][13]

Im dritten Jahrhundert n. Chr. gründeten Plotin und sein Lehrer Ammonios Sakkas den Neoplatonismus, der die absolute Transzendenz des Einen, das Hervorgehen (Emanation) von Geist und Seele sowie die mystische Vereinigung mit dem Göttlichen betonte.[2][40] Verfeinert von Porphyrios, Iamblichus und Proklos, dominierte der Neoplatonismus die spätantike Philosophie und erhielt die Akademie in Athen als heidnisches Zentrum bis zu ihrer Schließung durch den byzantinischen Kaiser Justinian I. im Jahr 529 n. Chr. aufrecht.[2][10][13][14][40]

Patristisches, mittelalterliches und islamisches Denken

Die christliche Theologie nahm platonische Konzepte während der patristischen Ära durch Kirchenväter wie Klemens von Alexandria, Origenes, Gregor von Nyssa und Augustinus von Hippo auf.[2][13] Augustinus nutzte plotinische und porphyrianische Metaphysik zur Konzeption Gottes, des Bösen als Mangel des Guten (Privatio boni) und der göttlichen Erleuchtung, wodurch er den christlichen Neoplatonismus bis zum dreizehnten Jahrhundert als den dominanten intellektuellen Rahmen in Westeuropa etablierte.[2][13] Pseudo-Dionysius Areopagita synthetisierte den prokleischen Neoplatonismus mit christlicher Theologie und beeinflusste durch Johannes Scotus Eriugena stark die mittelalterliche Mystik und Scholastik.[2]

Im mittelalterlichen islamischen goldenen Zeitalter übersetzte Hunayn ibn Ishaqs Übersetzungsschule in Bagdad die Politeia, die Gesetze, den Timaios und den Sophistes ins Arabische.[2][7] Philosophen wie al-Kindi, al-Farabi und Avicenna verschmolzen platonische politische Philosophie mit islamischer Staatstheorie, wobei sie sich auf die Politeia stützten, um die ideale tugendhafte Stadt zu modellieren, die von einem Philosophen-Propheten regiert wird.[2][7][13][52] Im mittelalterlichen Europa, wo bis zu den Übersetzungen von Menon und Phaidon durch Henricus Aristippus im zwölften Jahrhundert lediglich Chalcidius' partielle lateinische Übersetzung des Timaios weit verbreitet war, belebte die Schule von Chartres – darunter Bernhard von Chartres und Wilhelm von Conches – die platonische Kosmologie neu und harmonisierte den Timaios mit dem Schöpfungsbericht der Genesis.[2][10][14]

Renaissance bis zur Gegenwart

Im fünfzehnten Jahrhundert brachte der byzantinische Gelehrte Gemistos Plethon Platons griechische Texte nach Florenz und inspirierte Cosimo de' Medici und Marsilio Ficino dazu, die Wiederbelebung des platonischen Denkens in der Renaissance anzuführen.[2][10][13][14][53] Ficino übersetzte die vollständigen Dialoge ins Lateinische und verband christliche Doktrin mit Neoplatonismus, während frühneuzeitliche politische Denker – wie Thomas Morus in Utopia und Tommaso Campanella im Sonnenstaat – direkt auf die Politeia zurückgriffen.[2][10][13] Im England des siebzehnten Jahrhunderts setzten die Cambridger Platoniker (Ralph Cudworth und Henry More) platonische Metaphysik gegen den hobbesschen Materialismus und den cartesianischen Dualismus ein.[2][14][54]

Im neunzehnten Jahrhundert transformierten Friedrich Schleiermachers deutsche Übersetzungen die platonische Forschung, indem sie argumentierten, dass literarische Form und philosophischer Inhalt untrennbar sind.[2][55] Karl Friedrich Hermann begründete die Entwicklungschronologie, und Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff veröffentlichte 1919 eine einflussreiche historisch-kritische Biographie.[55][56] Demgegenüber unternahm Friedrich Nietzsche einen heftigen Angriff, der Platon als einen Dekadenten verurteilte, der aus der Realität in ein imaginäres Reich der Ideen geflohen war, das Christentum als Platonismus für das Volk charakterisierte und zu einem umgedrehten Platonismus aufrief.[2][57] Martin Heidegger argumentierte, Platons Trennung des Seins in sinnliche Erscheinungen und übersinnliche Ideen habe den Niedergang der westlichen Metaphysik eingeleitet.[58]

Im zwanzigsten Jahrhundert veröffentlichte Karl Popper einen berühmten Angriff in Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, in dem er Platons Politeia beschuldigte, Totalitarismus, Sozialtechnik und die Zerstörung der offenen Gesellschaft zu fördern, während Leo Strauss und Eric Voegelin den Dialog als eine ironische bildungspolitische Kritik politischer Hubris verteidigten.[2][10][13][14][59] Die Marburger Schule des Neukantianismus unter der Leitung von Paul Natorp interpretierte platonische Ideen als regulative Hypothesen und logische Denkgesetze um.[2] In der Philosophie der Mathematik wurde Platonismus der Standardausdruck für die metaphysisch-realistische Position – vertreten von Gottlob Frege, Kurt Gödel und Alonzo Church –, die besagt, dass abstrakte mathematische Entitäten objektiv und unabhängig von menschlichen Geistern existieren.[2][13][14][60] Albert Einstein wies darauf hin, dass Wissenschaftler, die Einfachheit suchen, oft als Platoniker agieren.[2] Schließlich nahmen Platons Erörterungen im Theaitetos und Menon in der Erkenntnistheorie Edmond Gettiers Demonstration des Gettier-Problems direkt vorweg, wodurch Platons fortwährende Prominenz in der zeitgenössischen Philosophie gesichert ist.[2][6][41]

Wo sich Ausgaben widersprechen (5)
Platons Geburtsjahr
  • Englisch: Geboren zwischen 428 und 423 v. Chr.
  • Deutsch: Geboren 428 oder 427 v. Chr. nach der Chronik des Apollodor; Debra Nails plädiert für 424 oder 423 v. Chr.
  • Polnisch: Geboren 424/423 v. Chr. basierend auf Debra Nails' prosopographischer Datierung, traditionell jedoch 428/427 v. Chr.
  • Französisch: Geboren 428/427 v. Chr.
  • Spanisch: Geboren ca. 427 v. Chr.
  • Italienisch: Geboren 428/427 v. Chr. nach Apollodor.
Platons Geburtsort
  • Englisch: In Athen geboren.
  • Polnisch: In Athen (im Demos Kollytos) oder auf der Insel Ägina geboren.
  • Französisch: In Athen im Demos Kollytos geboren.
  • Deutsch: In Athen oder auf der Insel Ägina geboren.
  • Spanisch: In Athen oder auf der Insel Ägina geboren.
  • Russisch: In Athen oder Ägina geboren.
Umstände und Datum der Versklavung auf Ägina
  • Englisch: Von Dionysios I. um 385 v. Chr. in die Sklaverei verkauft, alternativ 404 v. Chr. oder 399 v. Chr. laut der entzifferten Herculaneum-Rolle von 2024.
  • Deutsch: Traditionelle Berichte besagen, dass Platon auf Befehl von Dionysios I. um 387 v. Chr. auf Ägina in die Sklaverei verkauft und von Anniceris aus Kyrene losgekauft wurde; Philodemos' Papyrus deutet jedoch darauf hin, dass eine tatsächliche Versklavung 405/404 v. Chr. oder 399 v. Chr. stattfand.
  • Polnisch: Dionysios I. beauftragte den spartanischen Botschafter Pollis, Platon um 388/387 v. Chr. auf Ägina als Sklaven zu verkaufen, wo er von Anniceris aus Kyrene freigekauft wurde.
  • Spanisch: Laut Philodemos um 404 v. Chr. in die Sklaverei verkauft oder 387 v. Chr. von Anniceris aus Kyrene gerettet.
  • Persisch: Traditionelle Berichte besagen, Dionysios I. habe Platon um 387 v. Chr. auf Ägina verkaufen lassen, aber Philodemos' Index Academicorum legt nahe, dass der Verkauf 405/404 v. Chr. oder 399 v. Chr. stattfand.
Ursprünglicher Vorname
  • Englisch: Aristokles laut Diogenes Laërtios, wird jedoch von der modernen Forschung weitgehend als falsch angesehen.
  • Deutsch: Die Tradition, dass Platon ursprünglich nach seinem Großvater Aristokles hieß, ist eine Erfindung, die im Rahmen späterer Legenden um seinen Spitznamen entstand.
  • Polnisch: Nach Diogenes Laërtios nach seinem Großvater Aristokles benannt, doch Debra Nails identifizierte ihn auf einem Ägina-Bürgerregister als von Geburt an Platon genannt.
  • Spanisch: Ursprünglich Aristokles genannt laut Diogenes Laërtios, obwohl moderne Historiker Platon für seinen Vornamen halten.
  • Russisch: Antike Quellen besagen, sein Geburtsname sei Aristokles gewesen, aber moderne philologische Studien legen nahe, dass diese Tradition in der hellenistischen Periode entstand.
Umstände des Todes
  • Englisch: Starb 348/347 v. Chr.; laut der Herculaneum-Rolle starb er im Fieber, während er einem thrakischen Sklavenmädchen beim Flötenspiel zuhörte.
  • Polnisch: Diogenes Laërtios berichtet über den Tod durch Läuse während eines Hochzeitsbanketts an seinem 81. Geburtstag; andere Berichte berichten von einem Tod beim Musikhören, im Schlaf oder beim Schreiben.
  • Französisch: Starb 347 oder 346 v. Chr. im Alter von 80–81 Jahren während eines Hochzeitsmahls.
  • Tschechisch: Starb beim Schreiben laut Cicero oder im Schlaf laut Tertullian.
  • Deutsch: Hermippos berichtete, er sei auf einem Hochzeitsmahl gestorben, während Seneca aufzeichnete, er sei an seinem Geburtstag gestorben, und Herculaneum-Rollen verzeichnen, er sei im Fieber beim Hören einer Flötenspielerin gestorben.
Quellen (222 Wikipedia-Versionen)

Nicht-englischsprachige Ausgaben bieten umfangreiche textliche, ontologische und mathematische Analysen von Platons Prinzipientheorie und den ungeschriebenen Lehren, die in der englischen Ausgabe kaum gestreift werden. Sie dokumentieren zudem detaillierte biographische Aufzeichnungen, darunter die Entzifferungen der Herculaneum-Papyri von 2024, die seinen Begräbnisgarten und seine frühere Versklavung schildern, und liefern umfassende Darstellungen der Handschriftenlinien durch byzantinische Gelehrte.

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AusgabeArtikelRevisionGrößeQuellen
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PolnischPlaton80813071322.6 KB776
Persischافلاطون44476305283.7 KB340
DeutschPlaton270326379204.7 KB249
SpanischPlatón175330661188.3 KB235
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FranzösischPlaton239695204168.1 KB215
GalicischPlatón7608826165.2 KB197
ItalienischPlatone152594439137.3 KB166
BulgarischПлатон12618002126.5 KB93
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